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Proteste nach Flugzeugabschuss - Wütende Iraner fordern Chameneis Rücktritt

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Der Iran räumt den Abschuss des Passagierflugzeugs ein. Die Bevölkerung reagiert wütend: Bei Protesten fordern Iraner den Rücktritt von Staatsoberhaupt Ajatollah Chamenei.

Die iranische Luftwaffe hat den versehentlichen Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine eingeräumt. Das Eingeständnis löste in Teheran eine Demonstration gegen die Revolutionsgarden und das Staatsoberhaupt Ajatollah Chamenei aus.

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Nach tagelangem Leugnen hat der Iran nun doch den versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs mit 176 Menschen an Bord eingeräumt. Die Hinweise aus dem Ausland auf einen Abschuss hätten sich in den letzten Tagen so sehr verdichtet, dass es letztlich nicht mehr zu verheimlichen gewesen sei, sagt ZDF-Korrespondent Jörg Brase.

In Teheran koche der Volkszorn, berichtet Brase weiter. Die Staatsführung werde der Lüge bezichtigt. Wütende Menschen forderten den Rücktritt von Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif entschuldigte sich am Samstag für den Vorfall, machte aber das "Abenteurertum der USA" mitverantwortlich für die "Katastrophe".

Ajatollah Ali Chamenei am 08.01.2019 in Teheran
Sein Rücktritt wird gefordert: Ajatollah Ali Chamenei.
Quelle: DPA

Die iranische Regierung hat den Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine zugegeben. Laut ZDF-Korrespondent Jörg Brase fühlen sich viele Iraner von ihrer Regierung belogen.

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Trump sichert Demonstranten im Iran Unterstützung zu

US-Präsident Donald Trump hat den Demonstranten im Iran seine Unterstützung zugesichert. Trump schickte am Samstag (Ortszeit) inhaltsgleiche Twitter-Nachrichten auf Englisch und auf Persisch an das "tapfere, leidgeprüfte Volk" im Iran. "Ich stehe seit Beginn meiner Präsidentschaft an Ihrer Seite, und meine Regierung wird Ihnen auch weiterhin zur Seite stehen", schrieb der Präsident mit Blick auf die Demonstranten. "Wir verfolgen Ihre Proteste aufmerksam und lassen uns von Ihrem Mut inspirieren."

In einem weiteren Tweet forderte Trump, die iranische Regierung müsse Menschenrechtsorganisationen erlauben, "die anhaltenden Proteste des iranischen Volkes" zu beobachten und darüber zu berichten. "Es kann weder ein weiteres Massaker an friedlichen Demonstranten noch eine Abschaltung des Internets geben. Die Welt sieht zu."

Für feindliches Objekt gehalten

Die Iranischen Revolutionsgarten übernahmen die Verantwortung für den Abschuss. Ein Soldat hielt die Boeing demnach für ein feindliches Objekt und feuerte eine Rakete ab. Zuvor hatte Teheran tagelang dementiert, für das Flugzeugunglück verantwortlich zu sein. Die Maschine sei für ein "feindliches Flugzeug" gehalten worden, teilte die iranische Armee am Samstag mit. Es handele sich um "menschliches Versagen". Der Generalstab der iranischen Armee kündigte an, "der Verantwortliche" für den Abschuss werde "umgehend" vor die Militärjustiz gestellt.

Der Luftwaffenkommandeur der Revolutionsgarden, General Amirali Hadschisadeh, schilderte den Vorfall auch als Folge einer Telefonpanne: Demnach habe der diensthabende Soldat das Flugzeug für einen Marschflugkörper gehalten und binnen zehn Sekunden entscheiden müssen, wie er reagieren solle. Der Soldat habe die "falsche Entscheidung" zum Abschuss getroffen.

Zunächst wurde es geleugnet, jetzt räumt Iran ein, das ukrainische Passagierflugzeug für eine potenzielle Gefahr gehalten zu haben. Alle 176 Insassen kamen bei dem Abschuss ums Leben.

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Ruhani bedauert Abschuss

Die abgefeuerte Kurzstreckenrakete sei nahe der Boeing explodiert. Hadschisadeh sagte, er übernehme "die volle Verantwortung" und sei bereit jegliche Konsequenzen zu ziehen. Irans Präsident Hassan Ruhani erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, sein Land bedaure den Abschuss "zutiefst". Er sprach von einer "großen Tragödie und einem unentschuldbaren Fehler". Die interne Untersuchung der Streitkräfte habe ergeben, dass "wegen menschlichen Versagens abgeschossene Raketen bedauerlicherweise den grauenhaften Absturz des ukrainischen Flugzeugs und den Tod von 176 unschuldigen Menschen verursacht" hätten.

Außenminister Sarif entschuldigte sich für die Katastrophe. "Unser tiefes Bedauern, Entschuldigungen und Beileid gegenüber unserem Volk, den Familien aller Opfer und anderen betroffenen Nationen", schrieb Sarif bei Twitter. Es handle sich um einen "traurigen Tag". Washington trage jedoch eine Mitschuld, erklärte Sarif. Menschliches Versagen in "durch das Abenteurertum der USA verursachten" Krisenzeiten habe "zu einer Katastropher geführt". Er bezog sich damit auf die von US-Präsident Donald Trump angeordnete Tötung des mächtigen iranischen Generals Kassem Soleimani in Bagdad.

Ukraine fordert Bestrafung

Als Vergeltung hatte der Iran in der Nacht zum Mittwoch zwei von US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Wenige Stunden später stürzte die ukrainische Passagiermaschine in der Nähe von Teheran ab. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die Bestrafung der Verantwortlichen sowie die Zahlung von Entschädigungen. Für Samstagnachmittag war ein Telefonat zwischen Selenskyj und Ruhani geplant.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau verlangte eine "komplette und sorgfältige Untersuchung". Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Boeing 737 der ukrainischen Fluggesellschaft UIA war am Mittwochmorgen in der Nähe von Teheran abgestürzt, alle 176 Insassen wurden getötet. Bei den Opfern handelte es sich vor allem um iranischstämmige Kanadier, Afghanen, Briten, Schweden und Ukrainer.

Trotz vermehrter Mutmaßungen unter anderem westlicher Regierungschefs in den vergangenen Tagen, dass das Flugzeug versehentlich von einer iranischen Rakete getroffen worden sein könnte, hatte Teheran dies zunächst kategorisch dementiert.

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