Kopftuchtragen im Iran: Demos für und gegen die Regierung

    Journalistinnen festgenommen:Demos für und gegen Kopftuchtragen im Iran

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    Im Iran demonstrierten am Freitag nicht nur Kritiker der Regierung, sondern auch Unterstützer. Von der Bundesregierung könnte es eine Reaktion auf die Ereignisse geben.

    Nach den Protesten gegen die Kleidervorschriften im Iran gingen am Freitag auch Menschen für das Tragen von Kopftüchern auf die Straße. Tausende Menschen seien nach den Freitagsgebeten durch die Hauptstadt Teheran gezogen und damit einem Aufruf der Behörden gefolgt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Auf Schildern dankten die Teilnehmer den Sicherheitskräften und verurteilten Frauen, die ihre Kopftücher verbrannt hatten.
    Regierungstreue Demonstranten forderten sogar die Todesstrafe für die Verantwortlichen der Proteste der vergangenen Tage gefordert. "Angreifer des Korans müssen hingerichtet werden", rief die Menge bei einem Aufmarsch, über den im staatlichen Fernsehen berichtet wurde.

    Protest gegen Polizei und Regierung wegen Tod von Mahsa Amini

    Protest gegen den Tod von Mahasa Amini im Iran
    Protest nach dem Tod von Mahasa Amini im Iran
    Quelle: Reuters

    Es gab aber auch wieder Protest gegen die Sittenpolizei und die Regierung. Videos in den sozialen Medien zeigten Auseinandersetzungen mit der Polizei, ein brennendes Polizeifahrzeug und Schüsse.
    Seit rund einer Woche kommt es immer wieder zu wütenden Protesten, allerdings richteten sie sich bislang vor allem gegen die strengen Vorschriften für Frauen und gegen die Sicherheitskräfte. Auslöser war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Polizeigewahrsam. Sie war am Dienstag vergangener Woche von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie das islamische Kopftuch offenbar nicht den strikten Vorschriften entsprechend trug.
    Amini brach dann unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und starb drei später im Krankenhaus. Laut Polizei hatte sie einen Herzanfall. Menschenrechtsaktivisten zufolge erlitt die junge Frau einen tödlichen Schlag auf den Kopf.

    Mehrere Tote bei Protesten

    Bei den dadurch ausgelösten Protesten starben nach Angaben des Staatsfernsehen mindestens 17 Menschen. Die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo sprach sogar von 36 Toten.
    Die deutsche Regierung forderte den Iran auf, die Umstände des Todes von Amini aufzuklären. Wichtig sei "eine rasche und umgehende Untersuchung des Todes" der 22-jährigen Mahsa Amini, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte den Tod Aminis im Polizeigewahrsam "schrecklich".
    Kanzler Olaf Scholz auf Twitter zu Tod von Mahsa Amini
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    Deutschland prüft Reaktion auf Vorfälle im Iran

    Hebestreit sagte, wie über den Tod Aminis sei die Bundesregierung "gleichermaßen bestürzt darüber, dass bei den landesweiten Protesten wegen des Todes von Frau Amini offenbar zahlreiche weitere Menschen ums Leben gekommen sind".
    Zu denkbaren Reaktionen der Bundesregierung auf die Vorfälle im Iran sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Deutschland tausche sich derzeit mit den Partnern auf EU-Ebene zu einem gemeinsamen Vorgehen aus. Zu möglichen konkreten Schritten lasse sich derzeit noch nichts sagen.

    Aktivist und Journalistinnen festgenommen

    Am Freitag wurde bekannt, dass die Behörden einen bekannten Aktivisten sowie eine Journalistin festnahmen. Der bereits mehrfach inhaftierte Aktivist Madschid Tawakoli wurde in der Nacht zum Freitag festgenommen, wie sein Bruder im Onlinedienst Twitter schrieb.
    Zudem wurde die Reporterin Nilufar Hamedi festgenommen. Dies teilte die Tageszeitung "Schargh", für die Hamedi arbeitet, im Onlinedienst Telegram mit. Die Journalistin hatte das Krankenhaus besucht, in dem Amini lag, und mit dazu beigetragen, ihren Fall öffentlich zu machen.
    Vor den am Freitag bekannt gewordenen Festnahmen war bereits eine Fotojournalistin festgenommen worden, als sie über die Demonstrationen in Teheran berichtet hatte.
    ZDFheute live berichtet über das Ausmaß der Proteste:
    Quelle: dpa, AFP, AP

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