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Experten zu Demonstrationen : Könnten Proteste zum Umsturz im Iran führen?

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Hunderte gehen im Iran gegen die Regierung auf die Straße. Einen Umsturz halten Experten für weniger wahrscheinlich. Können sich aber langfristige Veränderungen vorstellen.

Der Protest im Iran nach dem Tod der 22-Jährigen Mahsa Amini dauert an. Auch in anderen Ländern gingen Menschen aus Solidarität auf die Straße und forderten Aufklärung.

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Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam gehen Tausende im Iran auf die Straße. Viele Frauen protestieren gegen die Kleiderordung und verbrennen ihr Kopftuch. Verschiedene Schichten der Bevölkerung beteiligen sich - auch Teile der Mittelschicht, erklärt Politologin Azadeh Zamirirad bei ZDFheute live. "Da ist sehr viel Dynamik in dieser Bewegung", analysiert sie.

Allein deswegen, weil der Gegenstand der Proteste ja ganz unmittelbar die Hälfte der Gesellschaft betrifft, nämlich in erster Linie die Frauen.
Azadeh Zamirirad, Politologin

Es gebe eine besondere, emotionale Komponente wegen des persönlichen Schicksals "dieser jungen Frau, die so tragisch aus dem Leben gerissen worden ist", so Zamirirad. Das unterscheide die aktuellen Proteste von den in den vergangenen Jahren, beispielsweise gegen die schlechte wirtschaftliche Lage.

Die iranischen Frauen werden seit der Islamischen Revolution 1979 durch die konservativ-religiöse Führung in ihren Rechten eingeschränkt. Der Wunsch nach Selbstbestimmung wächst.

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Politologin: Viele Iraner und Iranerinnen sind gegen Kopftuchzwang

Es gehen aber nicht nur Menschen auf die Straße, die gegen die Regierung und die Sittenpolizei sind. Am Freitag demonstrierten auch Regierungstreue und kritisierten die Frauen, die ihre Kopftücher verbrannten. Politologin Zamirirad glaubt aber, "dass ein Großteil der iranischen Gesellschaft gegen den Kopftuchzwang ist." Darauf wiesen sogar iranische Erhebungen hin.

"Das heißt, dass nicht nur eine ganze Reihe von Frauen innerhalb der iranischen Gesellschaft gegen die Kopftuchpflicht sind, sondern auch eine ganze Reihe von Männern." Auch einige Frauen, die selbst Kopftuch tragen, finden einen Zwang laut Zamirirad nicht sinnvoll.

Die Mehrheit der Bevölkerung, sowohl Männer als auch Frauen, spricht sich eigentlich für eine Selbstbestimmung aus und gegen einen Kopftuchzwang.
Azadeh Zamirirad, Politologin

Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht in den iranischen Massenprotesten das Potenzial für Umwälzungen, aber noch nicht für einen Umsturz.

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Das Kopftuch hat dabei laut Zamirirad eine symbolische Funktion. "Es steht eben sinnbildlich auch für inneriranischen Kulturkämpfe, die wir ausgetragen sehen."

Haben die Proteste Potenzial für einen Umsturz im Iran?

Azadeh Zamirirad glaubt, "dass es immer, wenn es zu Protesten im Iran kommt - gerade zu Massenprotesten - ein gewisses Potenzial für stärkere, größere Umwälzungen gibt." Allerdings habe der Staat effektive Maßnahmen Proteste niederzuschlagen und habe sie in der Vergangenheit effektiv eingesetzt.

Auch ZDF-Korrespondent Jörg Brase, der bis vor Kurzem im Iran war, befürchtet, dass die Proteste brutal niedergeschlagen werden könnten. Denn das Regime werde ihm zufolge alles daran setzen, die Demos zu stoppen. Irans Streitkräfte hatten am Freitag aufs Schärfste vor einer Störung der Sicherheit im Land gewarnt. Auch der Geheimdienst warnte vor einer Teilnahme an "illegalen Versammlungen".

Nach dem Tod von Mahsa Amini sei der Wunsch nach Reformen in Iran groß, berichtet ZDF-Korrespondent Jörg Brase. Zumindest eine Einschränkung der Sittenpolizei sei möglich.

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Experten halten Reformen im Iran für möglich

Politologin Zamirirad glaubt, dass es unabhängig von einem möglichen Umsturz zu langfristigen Entwicklungen kommen kann. Die Debatte werde ihr zufolge nicht nur auf der Straße, sondern in der Öffentlichkeit und in der Politik geführt.

Eine Debatte, die somit möglicherweise auch über Proteste hinaus gesellschaftliche Strahlkraft entwickeln kann. Und vielleicht idealerweise irgendwann dann auch zu einer Abschaffung der Kopftuchpflicht führt.
Azadeh Zamirirad, Politologin

ZDF-Korrespondent Brase zweifelt daran, dass eine Mehrheit im Iran für einen Umsturz ist. Aber viele wollen Reformen, so Brase. Das Neue an der Bewegung sei, dass der Tod von Mahsa Amini so viele schockiert habe, dass auch Menschen aus dem konservativen Lager auf die Straße gehen. Sie hätten sonst vielleicht nicht gegen die Regierung demonstriert.

Der Tod einer jungen Frau hat große Proteste in Iran ausgelöst. Heute rief die Regierung zu Gegendemos auf, um die lauter werdende Frauenrechtsbewegung einzudämmen.

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Es könnte aber Potential geben, Reformen im Parlament zu diskutieren, berichtet Brase. Beispielsweise könnte die Sittenpolizei in ihren Kompetenzen eingeschränkt werden: "Dass sie nicht mehr so hart gegen Frauen vorgehen sollen, dass Verstöße gegen den Kopftuchzwang nicht mehr kriminalisiert werden."

Es scheint Diskussionen um die Regeln zu geben, so Brase. "Aber es geht nicht grundsätzlich darum, das Kopftuch abzuschaffen. Und vor allem geht es nicht darum, die Regierung zu stürzen."

Wie iranische Staatsmedien am Samstag berichten, ist die Zahl der Todesopfer bei den jüngsten Unruhen auf 35 gestiegen. Aktivisten gingen schon am Freitag von mindestens 50 Toten aus.

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