Iran-Proteste: Reformprozess möglich, aber kein Umsturz

    Proteste nach Tod von Amini:Iran: Reformprozess aber kein Umsturz

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    Viele Iraner und Iranerinnern hoffen auf Reformen, manche auf das Ende des Regimes. Die Proteste könnten tatsächlich Veränderungen bringen, ein Umsturz ist aber unwahrscheinlich.

    Seit dem Tod von Mahsa Amini ist die Verunsicherung auf den Straßen Teherans groß, viele haben Angst mit Journalisten zu sprechen, aus Furcht vor Sanktionen. Gleichzeitig liefern die Bilder der Proteste aus dem Iran ein verzerrtes Bild, erklärt ZDF-Korrespondent Jörg Brase:

    Man darf sich nicht vorstellen, dass das Land von Protesten überzogen ist, in Protesten versinkt.

    Jörg Brase, ZDF-Korrespondent

    Die Aktionen konzentrierten sich auf die Abendstunden, insbesondere auf die Hauptstadt Teheran. Tagsüber geht das Leben seinen normalen Gang, Geschäfte Banken, Restaurants sind offen und werden normal frequentiert, schildert Brase. Die Protestbewegung versuche gerade das Momentum aufrechtzuerhalten. Allerdings traue sich nur ein Teil der Bevölkerung auf die Straße, gerade die jüngeren und vor allem Frauen lehnen sich auf.

    Comedienne Negah Amiri
    :"Hoffentlich wird Iran endlich frei"

    Als Comedienne Negah Amiri elf Jahre alt war, floh sie zusammen mit ihrer Mutter aus Iran. Die Proteste im Land bewegen sie sehr, lösen aber auch alte Ängste in ihr aus.
    Negah Amiri
    Interview

    Tod von Amini als Auslöser

    Der Tod von Amini hat dieser Protest-Bewegung, die es schon länger gibt neuen Schub verliehen: Der Mut der jungen Leute sei zu bewundern. Viele äußern den Wunsch, das Land zu verlassen, weil sie dort keine Zukunft mehr sehen.
    Und im Volk sei auch Sympathie für die Bewegung vorhanden. An einen kurzfristigen Umsturz im Land glaubt Brase aber nicht. Die iranische Regierung stehe zwar unter Druck und das Vorgehen der Sicherheitskräfte werde inzwischen von vielen Seiten kritisiert. Gerade weil diese aber zu großen Teilen hinter dem Regime stünden, traut sich bislang nur ein kleiner Teil der Bevölkerung auf die Straße.

    Der Rest ist eine schweigende Mehrheit mit der Faust in der Tasche und die nicht zu unterschätzende Zahl der echten Regime-Unterstützer und Hardliner.

    Jörg Brase, ZDF-Korrespondent

    Noch steht das Bollwerk hart und fest, so Brase. Deswegen sei im Iran eher ein langfristiger Reformprozess zu erwarten, aber kein Sturz des Mullah-Regimes.

    Sittenpolizei betroffen
    :EU beschließt Sanktionen gegen Iran

    Als Reaktion auf die Gewalt im Iran hat die EU Sanktionen gegen das Regime verhängt. Sie sind unter anderem gegen die iranische Sittenpolizei gerichtet.
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    Quelle: ZDF
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