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Parlamentswahl in Irland - Alle gleichauf

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Bei der Parlamentswahl in Irland zeichnet sich ein ganz enges Rennen zwischen drei Parteien ab. Die Iren kritisieren, dass sie von der gut laufenden Wirtschaft nicht profitieren.

Wahllokal in Irland
Wahllokal in Irland
Quelle: dpa

Die Iren haben dem Sturm über der Insel getrotzt und sind an die Wahllokale geströmt. Um 22 Uhr Ortszeit schlossen diese bei einer für irische Verhältnisse mit bis zu 62 Prozent sehr hohen Beteiligung. Und das Ergebnis deutet an, wie kompliziert die Koalitionsverhandlungen werden könnten. Alle drei großen Parteien liegen bei 22 Prozent, mit nur 0,1 Prozent in Führung die Partei des amtierenden Premiers Leo Varadkar Fine Gael, mit sensationell guten 22,3% Prozent folgt Sinn Fein und 22,2 Prozent für Fianna Fail.

Das einst so konservative Irland hat in den letzten Jahren für mehrere Überraschungen gesorgt. In einem Referendum 2015 entschied sich das tief katholische Land für die Ehe für alle und 2018 für ein liberales Abtreibungsgesetzt. Der Premier, der in Irland taoiseach genannt wird, ist selbst ein Zeichen der neuen Modernität: Leo Varadkar ist das Kind eines Einwanderers und offen homosexuell. Ob er an der Spitze des kleinen und sehr erfolgreichen EU-Mitgliedslandes bleiben wird, ist heute Abend völlig offen.

Iren wollen wirtschaftlichen Wandel

Seit dem Brexit-Referendum war von Irland vor allem in Zusammenhang mit seiner Grenze zu Nordirland die Rede. Leo Varadkar machte gute Figur bei dem Gezerre um das Austrittsabkommen mit Großbritannien, ihm gelang 2019 bei einem bilateralen Treffen mit Boris Johnson ein entscheidender Verhandlungserfolg. Den hoffte er nun, nutzen zu können, doch im Inland gilt das wenig. Der Klimawandel, das andere große Thema, mit dem seine Partei Stimmen sammeln wollte, ist ebenfalls in den Hintergrund getreten. Die Iren wollen einen wirtschaftlichen Wandel.

Nicht nur Großbritannien ist vom Brexit betroffen - auch die Iren müssen sich auf einige Änderungen einstellen, wenn die Briten die EU verlassen. Welche Sorgen gibt es?

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Zwar läuft die Wirtschaft in keinem Land der EU besser, aber für die am besten ausgebildete Bevölkerung der EU fällt dabei nichts ab. Die Iren kämpfen mit Wohnungsnot, krass überteuerten Mieten, einem traurigen Rekord an Obdachlosen, zu wenig Krankenhausbetten und zu schlechter Kinderbetreuung.

Programm von Sinn Fein trifft wunden Punkt

Da trifft das Programm von Sinn Fein den wunden Punkt. Die Partei sammelt jetzt Punkte in Gegenden, die ihr vorher verschlossen waren, vor allem bei jungen Leuten liegt sie in der Gunst vorn. Eine Stimme für Sinn Fein ist dabei nicht nur eine Stimme für eine sozialere Politik, es ist auch ein Protest gegen beide alten Parteien und eine Stimme für den Wandel.

Seit fast 100 Jahren ist die Republik Irland unabhängig von Großbritannien, seitdem dominieren die bürgerlichen Parteien Fianna Fail und Fine Gael die Politik. Sinn Fein war hier immer nur ein Außenseiter, doch die während des Bürgerkriegs in Nordirland als politischer Arm der IRA gegründete Partei hat mit den beiden großen Parteien gleichgezogen.

Sinn Fein selbst von Umfragewerten überrascht

Wie überraschend der Erfolg ist, erkennt man daran, dass die Partei nur 42 Kandidaten für die 160 Sitze im Unterhaus des Parlaments aufgestellt hat. Selbst wenn sie nun die meisten Stimmen erzielen sollten, wird sie daher höchstens 30 Sitze gewinnen und den taoiseach nicht stellen können. Aber Sinn Fein wird ein entscheidendes Wort mitzusprechen haben in der nächsten Koalition, die vermutlich nur sehr mühevoll ausgehandelt werden kann.

Der Erfolg wird vor allem der Parteivorsitzenden Mary Lou McDonald zugeschrieben. Die 50-Jährige aus Dublin, die am angesehenen Trinity-College Literatur studierte, hat Sinn Fein neues Ansehen verliehen. Sie wechselte 1999, im Jahr nach dem Karfreitagsabkommen, von Fianna Fail zu der nationalistischen Sinn Fein, deren Ziel die Wiedervereinigung der Republik mit Nordirland ist. 2018 löste sie Gerry Adams ab.

Terrorversuch ein Rückschlag für McDonald

Einen Rückschlag für McDonald und ihre Partei gab es Ende der Woche, als herauskam, dass eine Splittergruppe der IRA einen Terrorversuch unternommen hat. Der allerdings gescheitert ist. Vermutlich hat die "Continuity IRA" versucht, eine Bombe unter einem Lastwagen hochgehen zu lassen, der auf einer Fähre von Nordirland nach Schottland übersetzen sollte.

Die Bombe sollte am 31. Januar genau um 23 Uhr - dem Zeitpunkt, da das Königreich aus der EU austrat - detonieren. Dass die Terroristen die Bombe an einem Lkw festgemacht hatten, der gar nicht auf die Fähre fuhr, sondern auf dem Parkplatz stehen blieb, half in der folgenden Diskussion nicht. Gerade ältere Leute erinnern sich noch gut an die Zeiten des Terrors in Nordirland und stehen Sinn Fein wegen deren historischer Nähe zur IRA sehr skeptisch gegenüber.

Auszählung Sonntag ab 10 Uhr

Sonntag ab 10 Uhr wird ausgezählt, das Ergebnis nicht vor dem Abend erwartet. Welche Koalition Irland regieren wird allerdings, steht sicher so bald nicht fest.

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