ZDFheute

IS-Frauen vor Gericht

Sie sind hier:

Täter oder Opfer? - IS-Frauen vor Gericht

Datum:

Seit dem Ende des IS-Terrorstaats sitzen tausende Frauen von ehemaligen Kämpfern in syrischer oder irakischer Haft. Viele deutsche IS-Rückkehrerinnen kommen nun vor Gericht.

Ihre Rolle im Terrorstaat

Beitragslänge:
8 min
Datum:

In Hamburg muss sich die 35-jährige Omaima A. vor Gericht verantworten. Im Januar  2015 soll sie sich der Terrorgruppe IS angeschlossen haben. Mit ihren drei Kleinkindern habe sie bis 2016 in Raqqa gelebt.

Ehefrau des wohl bekanntesten deutschen IS-Terroristen

Oberstaatsanwalt Helmut Grauer vertritt die Anklage. Als Ehefrau von IS-Kämpfern habe Omaima A. ihre Kinder im Geiste des Islamischen Staats erzogen und sich an der Versklavung eines 13-jährigen jesidischen Mädchens beteiligt. "Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass sie eine Schusswaffe Marke Kalaschnikow besessen hat und über das Internet Propaganda der Vereinigung verbreitet hat."

Omaima A. war die Frau des wohl bekanntesten deutschen IS-Terroristen Dennis Cuspert. 2018 stirbt Cuspert bei einem Drohnenangriff. Schon 2016 kehrt Omaima A. mit den Kindern nach Deutschland zurück und lebt in Hamburg lange unentdeckt von den Behörden. Am 09. September 2019 wird sie verhaftet.

Schwierige Rechtslage

Ihr Verteidiger Tarig Elobied sagt dem ZDF-Magazin Frontal21, er glaube nicht, dass seiner Mandantin eine Mitgliedschaft beim IS nachzuweisen sein werde. Omaima A. schweigt zu den Vorwürfen.

Tatsächlich ist es für Gerichte nicht einfach zu beurteilen, welche Rolle IS-Rückkehrerinnen im Terrorstaat spielten. Viele sehen sich selbst nur als Ehefrauen, die den Haushalt führten, die Kinder versorgten.

Heute beginnt der Prozess gegen eine Frau, die sich mit ihren Kindern in Syrien dem IS angeschlossen hatte. Es geht auch um den Umgang mit Kindern, die radikalisiert und traumatisiert wurden.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

IS-Rückkehrerin zeigt Reue

Seit dem Ende des Kalifats sitzen tausende Frauen von ehemaligen IS-Kämpfern in syrischer oder irakischer Haft oder verstecken sich. So auch die Deutsche Maryam A. 2014 folgte sie ihrem Mann zum IS. Frontal21 konnte sie in ihrem Versteck sprechen, sie gibt sich reuig:

Diese ganze Abschlachterei. Das zur Schaustellen von Leichen. Und Kinder und Frauen haben dabei zugeschaut. Für mich sind das einfach Unmenschen.
Maryam A., IS-Rückkehrerin

Maryam A. sagt, jeder habe sehen können, wie der IS Menschen terrorisiert habe. Und der Terror gehe selbst in den Gefangenenlagern weiter. Dort herrschten fanatische IS-Anhängerinnen. "Ein Mädchen wurde von ihrer eigenen Großmutter dort umgebracht, weil sie sich nicht mehr bis zu den Augen verschleiern wollte."

Kämpfende Frauen an der IS-Front

Im Herbst 2019 wird der IS in Syrien geschlagen. Amateur-Aufnahmen, die Frontal21 vorliegen, zeigen kämpfende Frauen an der Front. Als der Krieg verloren ist, ergeben sich viele den kurdischen Kämpfern, auch IS-Frauen.

Die Aktivistin Melissa war dabei. Auch IS-Frauen aus Deutschland hätten behauptet, sie seien nur Ehefrauen und Mütter gewesen und hätten nie gekämpft oder gar gefoltert und gemordet. "Die haben alle das Gleiche erzählt. Ich glaube, das wurde da abgemacht, bevor die sich ergeben haben an unsere Leute."

Melissa vermutet dahinter Kalkül. Vor deutschen Gerichten kommen Zeugen wie sie selten zu Wort. Dabei könnte Melissa aus erster Hand berichten: "Natürlich haben die IS-Frauen gesagt, dass sie nichts gemacht haben, nichts gehört haben, aber die haben ja zusammen mit den Sklavinnen gelebt. Die haben das ja alles mitgekriegt, was mit denen passiert."

Die Dokumentation "Wurzeln des Bösen – Die Geburtsstunde des IS" zeichnet den Weg vom Widerstand gegen die US-Besatzung im Irak zum Entstehen der Terrorgruppe IS nach.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Sind IS-Frauen Opfer oder Täter?

Vor deutschen Gerichten argumentieren Strafverteidiger von IS-Rückkehrerinnen, dass ihre Mandantinnen als Jugendliche nach Syrien gelockt worden seien und dort indoktriniert wurden. Die kurdische Aktivistin Melissa sieht das anders:

Für mich sind das keine Opfer.
Melissa, Aktivistin

Maryam A. indes plant ihre Rückkehr nach Deutschland. Zuhause will sie sich einem Gericht stellen: "Ich kann nicht anderen Leuten die Schuld für meine Fehler geben, weder meinem Ex-Mann noch meiner Mutter oder meiner Familie oder sonst wem. Also es liegt immer an einem selbst, dass wir da hingegangen sind."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.