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Verhältnis zu Russland : Israel und Lawrows krude Nazi-Thesen

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Lawrows Nazi-Aussage hat in Israel Empörung ausgelöst. Laut Regierungschef Bennett hat sich Putin entschuldigt. Daran gibt es Zweifel - das Verhältnis zu Moskau ist vielschichtig.

Naftali Bennett, Ministerpräsident von Israel.
Braucht ein gutes Verhältnis zu Russland: Naftali Bennett, Ministerpräsident von Israel.
Quelle: Abir Sultan/Pool EPA/AP/dpa

Vergleiche mit dem Nationalsozialismus kamen in Israel noch nie gut an. Die Gräueltaten der Nazis und insbesondere das Menschheitsverbrechen des Holocaust sind in der Geschichte bis heute ohne Beispiel.

Erst vergangene Woche standen Tausende Menschen neben ihren Autos mitten auf der Autobahn still, als die Sirenen zum Gedenken an die Ermordung von sechs Millionen Juden heulten - das Gedenken gehört zum Kern der Identität Israels. 

Die Behauptung Moskaus, der Angriff auf die Ukraine richte sich gegen eine von Neonazis geführte Regierung sorgt daher schon lange im Lande für verärgertes Stirnrunzeln.

Lawrow-Thesen sind stumpfer Antisemitismus

Die kruden Thesen des russischen Außenministers aber brachten das Fass zum Überlaufen. Wieder hatte Sergej Lawrow behauptet, in der Ukraine seien Nazis am Werk. Auf die Frage, wie das sein könne, wo doch Präsident Selenskij selbst Jude sei, entgegnete Lawrow:

Ich kann mich irren. Aber Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.
Sergej Lawrow, russischer Außenminister

Das ist zunächst einmal eine dreiste Lüge. Die Forschung hat das immer wieder gestreute Gerücht, Hitler habe jüdische Vorfahren, längst widerlegt. Viel schlimmer: Lawrows wirre Thesen sind nichts anderes als kruder, stumpfer Antisemitismus.

Und sie sind nicht nur eine bösartige Verhöhnung der Millionen Opfer des Nationalsozialismus, sie verhöhnen auch in perfider Weise die Ukrainer, die in Wahrheit ja Opfer eines Angriffskrieges sind, den Russland vom Zaun gebrochen hat. Israelische Politiker aller Couleur forderten eine Entschuldigung von Russland.

Russischer Angriffskrieg mit Parallelen zur Vergangenheit

Umgekehrt vergleichen viele Menschen in der Ukraine den verbrecherischen Angriffskrieg Russlands mit dem Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Auch hier reagiert Israel empfindlich. Ministerpräsident Naftali Bennett betonte - zu Recht - zum Holocaust-Gedenktag, auch die heutigen Kriege und Gräueltaten erreichten in keiner Weise das Ausmaß der Shoah.

Doch vergleichen heißt nicht gleichsetzen. Putin ist nicht Hitler, aber der verbrecherische Angriffskrieg Russlands mit schon jetzt ungezählten Kriegsverbrechen weist Parallelen zur Vergangenheit auf. Das sehen auch viele Israelis so. Der Holocaust-Überlebende Shaul Spielmann sagte im ZDF:

Als wir in Israel die Bilder gesehen haben, was in der Ukraine geschieht, da haben wir das gefühlt, was uns geschehen war, als die Nazis uns aus unseren Häusern rausgeworfen und in die Konzentrationslager geschickt haben.
Holocaust-Überlebender Shaul Spielman

Und welchen Sinn hat die Botschaft des "Nie wieder!", die von Auschwitz ausgeht, wenn sie nicht auch auf das Hier und Jetzt bezogen wird?

Der ukrainische Präsident Selenskyj hält eine Rede.

Selenskyj zu Lawrow-Eklat - "Lehren aus Zweitem Weltkrieg vergessen" 

Mit seinen Äußerungen, viele Juden in der Ukraine seien Antisemiten, löste Russlands Außenminister Lawrow Empörung aus. Nun hat auch Präsident Selenskyj, selbst Jude, reagiert.

Hat sich Putin bei Bennett entschuldigt?

Die brutale Kriegsführung Russlands wird in Israel jedenfalls parteiübergreifend kritisiert - bis auf Ministerpräsident Bennett.  Für ihn spielen dabei machtpolitische Erwägungen eine Rolle. Russland ist ein hochgerüsteter Player in Syrien und hat mehrfach für Israel vermittelt. Zugleich toleriert Russland die fast wöchentlichen Luft- und Raketenangriffe Israels auf proiranische Kräfte  in Syrien. Umgekehrt sieht sich Bennett als Vermittler zwischen der Ukraine und Russland.

Und so hat zwar auch Bennett eine Entschuldigung für Lawrows Entgleisungen gefordert - und angeblich von Wladimir Putin bekommen. Eine Bestätigung aus dem Kreml gibt es dafür aber nicht. Möglicherweise hat Bennett den Inhalt eines Telefonats mit Putin etwas zu wohlwollend ausgelegt, damit sich am - trotz allem - immer noch guten Verhältnis zu Russland auch in Zukunft nichts ändert.

Michael Bewerunge ist Leiter des ZDF-Auslandsstudios Tel Aviv.

Dieses Satellitenbild zeigt den Luftwaffenstützpunkt Saki nach einer Explosion.
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