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Emirate nehmen Beziehungen zu Israel auf

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Premiere in Nahost - Emirate nehmen Beziehungen zu Israel auf

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Novum in Nahost: Die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen diplomatische Beziehungen zu Israel auf. US-Präsident Trump feiert das als Erfolg, die Palästinenser sind enttäuscht.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel wollen wieder volle diplomatische Beziehungen aufnehmen. Was dieser Schritt bedeutet, erklärt ZDF-Korrespondent Luc Walpot.

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Die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen als erster Golfstaat und als dritte arabische Nation überhaupt volle diplomatische Beziehungen zu Israel auf. Das gaben die beiden Staaten jetzt in einer gemeinsamen Erklärung mit den USA bekannt. Im Gegenzug für die diplomatische Anerkennung willigte Israel demnach ein, seine Pläne für eine Annexion von großen Teilen des palästinensischen Westjordanlandes aufzugeben.

Hamas macht Emiraten Vorwürfe

Die Palästinenser lehnten die Vereinbarung ab. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte sie als "Aggression". Mit ihr hätten die Emirate einen "Verrat an Jerusalem und an der palästinensischen Sache" begangen, erklärte er nach einer Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung in Ramallah am Donnerstagabend. Ein Sprecher der extremistischen Hamas warf den Emiraten vor, den Palästinensern in den Rücken gefallen zu sein. Der palästinensische Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde zurückbeordert.

Dass die Emirate schon jetzt Beziehungen aufnehmen, kann als diplomatische Niederlage für die Palästinenser gewertet werden, auch wenn gleichzeitig Israel vorerst das Jordantal und andere Palästinensergebiete nicht mehr annektieren will. Doch die illegale Besatzung der Palästinensergebiete dauere seit 1967 an, kritisierte die frühere PLO-Unterhändlerin Hanan Aschrawi. Jetzt werde Israel dafür belohnt, dass es lediglich die Souveränität über diese Gebiete nicht öffentlich erkläre. Sie fügte hinzu:

Möget ihr niemals von Euren "Freunden" verkauft werden.
Hanan Aschrawi, PLO

ZDF-Korrespondent Luc Walpot kann die Kritik verstehen. "Für die Palästinenser ist das sicher keine gute Nachricht." Das Westjordanland gleiche schon jetzt - wie die palästinensische Führung sage -einem Schweizer Käse. "Also faktisch hat Israel schon die Kontrolle über weite Gebiete und Ressourcen dort." Die palästinensische Führung sei zudem chronisch zerstritten, was die Golf-Monarchien sehr verärgert habe.

In Zukunft werden die Palästinenser im arabischen Lager es noch schwerer haben, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.
ZDF-Korrespondent Luc Walpot

US-Präsident Donald Trump, der die Nachricht als erster über Twitter verbreitet hatte, sprach hingegen von einem historischen Moment.

Jetzt wo das Eis gebrochen ist, erwarte ich mir, dass andere arabische und muslimische Länder den Vereinigten Arabischen Emiraten folgen.
US-Präsident Donald Trump

Für Trump ist die Vereinbarung keine drei Monate vor der Wahl ein wichtiger außenpolitischer Erfolg, auch wenn er dafür de facto einen Teil seines erst vor wenigen Monaten vorgestellten Nahost-Plans - die Annexion - wieder zurücknehmen musste. Und auch der an mehreren Fronten angeschlagene israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, in dessen Koalition zuletzt heftig über diese Annexion gestritten wurde, kann innenpolitisch damit wieder Punkte sammeln.

Trump feiert Vereinbarung als eigenen Erfolg

Zudem könnte er damit auch Problemen nach einem möglichen Wechsel im Weißen Haus vorbeugen. Denn der demokratische Rivale Trumps Joe Biden hatte deutlich gemacht, dass er eine einseitige Annexion der Palästinensergebiete ablehne. "Der Zeitpunkt ist sicher kein Zufall, es geht auch darum, US-Präsident Trump Wahlkampferfolge zu bescheren", sagt ZDF-Korrespondent Luc Walpot. Zudem stehe Netanjahu wegen seiner desaströsen Corona-Politik unter Druck. Der twitterte denn auch: "Historischer Tag" und kündigte für den Abend eine Erklärung an.

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Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen Israel und den Golfstaaten bereits seit Jahren enger geworden, vor allem wegen ihrer Feindschaft gegenüber dem Iran, die auch die USA teilen. Die Emirate und vor allem die sunnitische Großmacht Saudi-Arabien sehen den schiitischen Iran als größere Bedrohung in der Region an als Israel. Ägypten und Jordanien haben als einzige arabische Staaten aktive diplomatische Beziehungen zu Israel. Mauretanien erkannte Israel 1999 an, brach aber die Beziehungen wegen des Gaza-Krieges 2009 wieder ab. 

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