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Konflikt von Hamas und Israel - Wer hat von der Gewalt in Nahost profitiert?

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Hunderte Tote und ungebremster Hass von Jerusalem bis nach Berlin. Die jüngste Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern können sich Politiker beider Seiten zu Nutze machen.

Palästinenser feiern den Waffenstillstand in Jenin
Hamas- und Palästina-Flaggen in Jenin im Westjordanland am Samstag
Quelle: epa

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas hält. Elf Tage voller Bomben und Raketen sind vorerst vorbei. Jetzt versuchen sich beide Konfliktparteien als klare Sieger zu präsentieren.

Hamas gewinnt Anhänger im Westjordanland

Am Freitag versammelte die Hamas ihre Anhänger in Gaza, im Westjordanland und in Ostjerusalem. Vor allem in letzteren beiden hatte die Hamas jahrelang nur eine untergeordnete politische Rolle gespielt.

In den Augen der Jugendlichen in Jerusalem hat Hamas die Kontrolle über die Agenda zurückerlangt - und die Fatah bloßgestellt.
Hussein Ibish, Arab Gulf States Institute in Washington

In Ramallah wie auf dem Tempelberg erschallte am Freitag der Ruf "Wir sind die Männer von [Hamas-Militärchef] Mohammed Deif." Für Hamas war der Konflikt ein Propaganda-Erfolg, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei allen Entscheidungen außen vor.

Sollten die im April auf unbestimmte Zeit verschobenen Wahlen in Palästina relativ bald nachgeholt werden, könnte die Hamas vom Konflikt auch an der Wahlurne profitieren.

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Konflikt spaltet Netanjahus Kontrahenten

Auch Israels Premier Benjamin Netanjahu konnte seine Position deutlich verbessern. Eigentlich war er vor der jüngsten Eskalation politisch angezählt. Sein Kontrahent Jair Lapid wollte eine Koalition auch unter Beteiligung einer arabischen Knesset-Partei schmieden und Netanjahu nach 12 Jahren als Regierungschef ablösen.

Das ist jetzt zunächst vom Tisch, eine Allianz mit arabischen Parteien aktuell undenkbar. Die Folge könnten abermals Neuwahlen sein. Netanjahu wahrt trotz laufender Korruptionsverfahren gegen ihn die Chance, weiter an der Macht zu bleiben.

Trotz Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bleibt die Situation in Nahost fragil. Wie sehen die Menschen in Israel die Situation? Axel Storm mit einer Einschätzung aus Tel Aviv.

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Gewalt zwischen jüdischen und arabischen Israelis

Neu war während der jüngsten Eskalation das Ausmaß der Gewalt innerhalb der israelischen Gesellschaft, zwischen jüdischen und arabischen Bürgern des Staates Israel.

Tagelang griffen Mobs Unbeteiligte, Häuser und Geschäfte an. Teils tolerierten oder unterstützten Sicherheitskräfte die Gewalt, anderswo waren sie mit der Situation überfordert und ließen Bürger hilflos zurück.

Sicherheitskräfte konnten oder wollten Gewalt nicht unterbinden

Anshel Pfeffer, Autor der Zeitung "Haaretz", beschrieb vergangenen Samstag, wie Gewalt zwischen beiden Bevölkerungsgruppen die Stadt Lod tagelang erschütterte. Jüdische wie arabische Israelis fühlten sich von der Polizei im Stich gelassen.

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"Warum erwartet ihr, dass wir uns beruhigen, wenn die Polizei doch eh nur kommt, wenn das Opfer ein Jude ist", zitierte Pfeffer einen arabischen Anwohner. In Lod brannten Geschäfte und Synagogen, rechte jüdische Bürgerwehren formierten sich im Gegenzug.

"Ich hasse alles, wofür diese Hooligans und rechten Siedler stehen, aber sie haben unsere Häuser gerettet, als die Polizei nicht kam", sagte ein jüdischer Anwohner zu Pfeffer. Seit diesen Ausschreitungen wird auch in Israel über die Arbeit der Polizei diskutiert.

In der israelischen Kleinstadt Lod ist das Zusammenleben von arabischen Moslems, von Christen und Juden, aus dem Gleichgewicht geraten: Steinwürfe, Brandanschläge und ein kürzlich erschossener Araber heizen die Stimmung unter den Bevölkerungsgruppen an.

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Erreichte Israel seine militärischen Ziele?

Premier Netanjahu verkauft die Operation als Sieg: "Wir haben die Hamas um Jahre zurückgeworfen." Mit viel Aufwand gegrabene Tunnel in Gaza und andere Infrastruktur der Hamas seien zerstört, wichtige Funktionäre ausgeschaltet worden.

Im Militär selbst sei das Urteil aber nicht einhellig positiv, berichtet "Haaretz" unter Verweis auf anonyme Sicherheitskreise. Man habe rund 40 Prozent aller Raketen-Abschussanlagen der Hamas getroffen, mit anderen Zielen aber große Probleme gehabt. "Hamas hat bis zuletzt ihre Fähigkeit behalten, große Mengen an Raketen auf Israel abzufeuern", so ein anonymer Offizieller zu "Haaretz".

Für Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik, ist klar, dass Israels Gegner in der Region die Fähigkeiten des Abfangsystems Iron Dome aufmerksam verfolgt haben:

Sicherlich wurde die letzte Eskalation auch in Teheran und Beirut sehr genau beobachtet.
Fabian Hinz, Analyst für Sicherheitspolitik

"Die Tatsache, dass die palästinensischen Gruppierungen trotz der enormen Effizienz von Iron Dome schlicht durch Masse relativ viele Treffer erzielen konnten, verheißt nichts Gutes für eine mögliche Konfrontation mit der libanesischen Hisbollah." Deren Arsenal an Raketen und Drohnen sei quantitativ und qualitativ mit dem der palästinesischen Gruppen nicht vergleichbar, so Hinz zu ZDFheute. Die Strategie Irans, lokale Produktionskapazitäten in Gaza aufzubauen, sei voll aufgegangen.

Internationale Solidarität vor allem für Palästinenser

International konnte Israel während der Konfrontation seine Narrative vergleichsweise wenig verbreiten. Auf großen Onlineplattformen wie Reddit oder Instagram dominierten nahezu ausschließlich pro-palästinensische Inhalte. Viele Prominente solidarisierten sich mit Palästina.

Die Sicherheit vieler Jüdinnen und Juden weltweit, ungeachtet ihrer Position zum Staat Israel und seiner Politik, hat die jüngste Eskalation erheblich beeinträchtigt. Von Berlin bis New York griffen antisemitische Mobs jüdische Menschen und Einrichtungen an.

 Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Ein Mann trägt bei einer Solidaritätskundgebung ein Shirt mit dem Davidstern.
Interview

Antisemitismus in Deutschland - "Wir fühlen uns nicht mehr sicher" 

"Tötet die Juden." Solche Rufe mitten in Deutschland waren für Kantorin Avitall Gerstetter ein Schock. Sie verlangt von der Politik mehr als Reden. Und initiierte eine Warn-App.

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