Sie sind hier:
FAQ

Krawalle am Tempelberg : Was hat die Gewalt in Jerusalem ausgelöst?

Datum:

Ramadan, Jerusalemtag, angedrohte Zwangsräumungen - viele Faktoren kamen in Israel zusammen und lösten die schwerste Gewalt am Tempelberg seit Jahren aus. Wie geht es jetzt weiter?

Auch am Montag gab es in Jerusalem schwere Ausschreitungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. Schwerpunkt der Gewalt war der Tempelberg (arabisch Haram al-Scharif) in der Altstadt, der für Juden wie Muslime heilige Orte umfasst.

Was ist am Montag genau passiert?

Am Montag beging Israel den Jerusalemtag - einen Feiertag, der die israelische Kontrolle über Jerusalems Altstadt feiert und der insbesondere für jüdische Siedler eine große Bedeutung hat. Spannungen wurden von allen Seiten erwartet.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Twitter nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Twitter übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Twitter informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Palästinensische Demonstranten warfen Steine. Israelische Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Blendgranaten im Komplex der al-Aqsa-Moschee ein, in dem sich anlässlich des Fastenmonats Ramadan auch Menschen zum Gebet versammelt hatten. Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds wurden allein am Montag 305 Palästinenser verletzt, wie auch laut Behördenangaben 21 Polizisten.

Am späten Nachmittag gab es in Jerusalem und nahe der Grenze nach Gaza Raketenalarm. Mehrere Raketen wurden vom israelischen Militär abgefangen und das Parlament vorsorglich geräumt. Die radikal-islamische Hamas bekannte sich zu den Angriffen und sprach von einer "Reaktion auf (...) Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt". Bei Luftangriffen der israelischen Streitkräfte wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza am frühen Abend neun Personen getötet. Israel bestätigte einen Luftschlag in Gaza und sprach von einer gezielten Tötung dreier Hamas-Kommandeure.

Aufregung gab es auch um einen Vorfall nahe dem sogenannten Löwentor am Rande der Altstadt. Palästinensische Jugendliche bewarfen ein Fahrzeug mit Steinen, das daraufhin einen Demonstranten erfasste, ein Polizist musste den Fahrer anschließend vor der Menge beschützen. Viele Internetnutzer, darunter auch große Medien aus dem Nahen Osten, verbreiten gekürzte oder zugespitzte Versionen des Videos, um dem jüdischen Fahrer eine bislang nicht belegte Absicht zu unterstellen.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Twitter nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Twitter übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Twitter informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Warum eskalierte die Gewalt jetzt?

Es sind die heftigsten Ausschreitungen in Jerusalem seit Jahren und die Auslöser reichen teils lange zurück. Seit mehr als einem Jahrzehnt ringen Anwohner des ost-jerusalemer Viertels Scheich Dscharrah vor Gericht mit jüdischen Siedlern um Land und Häuser. Es drohen Zwangsräumungen. Für Montag war eigentlich ein Gerichtstermin angekündigt, der in Reaktion auf die Proteste jedoch vertagt wurde.

Das Viertel hat eine symbolische Bedeutung, steht in den Augen vieler Palästinenser inzwischen stellvertretend für ganz Jerusalem - und Jerusalem stellvertretend für Palästina oder sogar die gesamte arabische Welt. Vor allem im Ramadan motivieren solche Narrative um Unterdrückung und Gerechtigkeit viele palästinensische Jugendliche zum Handeln - teils friedlich, teils gewalttätig.

Demonstrationen von Aktivisten hatten in den vergangenen Wochen immer mehr Menschen mobilisiert und endeten schon mehrfach in Straßenschlachten mit der Polizei. "Seit Beginn des Ramadan und den Zusammenstößen von Arabern und Juden in der Altstadt haben wir einen stetigen Anstieg der Spannungen erlebt", berichtet Dr. Michael Milshtein, Leiter des Forums für Palästinensische Studien an der Universität Tel Aviv, gegenüber ZDFheute.

Die aktuelle Eskalation ist ein weiteres Kapitel in der langen Gewalt-Historie um den Tempelberg/Haram al-Sharif: 1990, 1996, 2000, 2017 und jetzt.
Dr. Michael Milshtein, Universität Tel Aviv

Andere Gründe, wie die Frustration der Palästinenser über die Wirtschaftslage und die für den 22. Mai geplanten, aber verschobenen Wahlen würden laut Milshtein eine zusätzliche, sekundäre Rolle spielen.

Wie steht die palästinensische Politik zu den Protesten?

Die von der Fatah geführte palästinensische Autonomieverwaltung unterstützt die Proteste politisch. Hussein al-Sheikh, Mitglied im Fatah-Zentralkomitee, nannte das Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte am Montag eine "abscheuliche Aggression".

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Twitter nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Twitter übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Twitter informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Für den Experten Milshtein ist die Autonomiebehörde aber in einer Zwickmühle: "Es ist eine Catch-22-Situation. Die Eskalation hilft ihr, die öffentliche Frustration wegen der verschobenen Wahlen auf Israel zu lenken - umgekehrt ist es für ihre Rivalin Hamas eine Gelegenheit, ihre Macht im gesamten Palästinensergebiet auszubauen." Palästinenserpräsident Mahmud Abbas unterstütze die Proteste, wolle aber gleichzeitig sicherstellen, dass sie nicht auf andere Gebiete übergreifen.

"Die Hamas hat die eindeutige Motivation, Gewalt anzuheizen, um so den Widerstand im Westjordanland zu stärken - daran scheitert sie seit einem Jahrzehnt", sagt Milshtein ZDFheute am Mittag.

Wie geht es in den nächsten Tagen weiter?

Der Fastenmonat Ramadan endet diese Woche mit dem Fest des Fastenbrechens am Mittwoch und Donnerstag. Am Samstag erinnern viele Palästinenser am Nakba-Tag an die Vertreibungen in Folge des arabisch-israelischen Kriegs von 1947 bis 1949.

Obwohl die kommenden Tage also Anlass für weitere gewaltsame Proteste bieten, war Experte Milshtein am Mittag noch vorsichtig optimistisch: "Sollte der Montag ohne tragische Vorfälle, Opfer auf beiden Seiten oder eine große Zahl von Raketen aus Gaza zu Ende gehen, werden die Spannungen bis Donnerstag langsam abnehmen." Mit einem umsichtigen Vorgehen könne Israel viel dazu beitragen, hofft Milshtein.

Am Abend hatte sich diese Hoffnung angesichts der Raketen und Luftschlägen aber bereits zerschlagen. "Leider war ich zu optimistisch", ergänzt Milshtein auf Nachfrage.

Es scheint, als befinden wir uns in einer Eskalationsspirale bis mindestens Donnerstag - aber es würde mich nicht überraschen, wenn es noch länger anhält.
Dr. Michael Milshtein, Universität Tel Aviv

"Israel muss seine abschreckende Wirkung auf die Hamas unter Beweis stellen", beschreibt Milshtein, der bis 2018 die Abteilung für Palästinenser-Angelegenheiten im israelischen Militärgeheimdienst Aman geleitet hat, die neue Lage.

Transparenzhinweis, 11.05.2021, 8:30 Uhr: Nach der Eskalation am Abend und in der Nacht hat sich der Autor erneut mit Dr. Michael Milshtein ausgetauscht. Er bezeichnete seine zunächst geäußerte Hoffnung auf eine graduelle Abnahme der Gewalt als "zu optimistisch". Der Text wurde um seine aktualisierten Einschätzungen erweitert.

Jair Lapid am 05.05.2021 in Jerusalem

Präsident beauftragt Lapid - Netanjahu-Rivale soll Regierung bilden 

Israels Ministerpräsident Netanjahu ist es nicht gelungen, eine Regierung zu bilden. Präsident Rivlin hat nun Oppositionsführer Jair Lapid beauftragt, eine Koalition zu schmieden.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.