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Jair Lapid und Naftali Bennett - Sie sollen Israels Doppelspitze werden

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In Israels neuer Regierungskoalition kommen höchst unterschiedliche Politiker zusammen. Wer sind die neuen Männer an der Spitze? Jair Lapid und Naftali Bennett im Porträt.

Sie sind befreundet, obwohl sie politisch gesehen weit auseinander liegen. Gemeinsam wollen Jair Lapid und Naftali Bennett Israel in eine neue Ära führen.

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Nach zähen Verhandlungen bis zur letzten Minute hat Israels Oppositionsführer Jair Lapid erreicht, was nur wenige für möglich hielten: eine Koalitionsregierung, die das Ende der Ära von Benjamin Netanjahu als Ministerpräsident einläuten soll.

Der 57-Jährige mit seiner liberalen Partei Jesch Atid (Es gibt eine Zukunft) wurde bei der Parlamentswahl im März mit 17 Sitzen zweite Kraft hinter Netanjahus Likud.

Um eine Einigung mit dem nationalistischen Hardliner Naftali Bennett von der rechtsreligiösen Jamina-Partei zu erreichen, bot Lapid Bennett sogar das Amt des Ministerpräsidenten für die ersten zwei Jahre an. Danach soll Lapid übernehmen. Bennett hat nun sieben Tage Zeit, ein Kabinett zu bilden.

"Unterschiedlicher könnten die beiden Spitzen der neuen Koalition nicht sein", erklärt ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge in Tel Aviv. "Auf der einen Seite der linksliberale Jair Lapid, auf der anderen der rechtsnationale Siedlerfreund Naftali Bennett. Was die Sache der Koalitionsbildung vielleicht erleichtert hat, ist die Tatsache, dass die beiden seit Langem gut befreundet sind.“ 

Jair Lapid: Fernsehstar und Netanjahu-Feind

1963 in Tel Aviv geboren, ist Jair Lapid weiten Teilen der israelischen Bevölkerung noch als Nachrichtenmoderator des privaten zweiten Fernsehens sowie als Autor zahlreicher Thriller, Kinder- und Sachbücher bekannt.

Ich verspreche, dass diese Regierung im Dienste aller Bürger Israels arbeiten wird, derjenigen, die für sie gestimmt haben und derjenigen, die es nicht getan haben.
Jair Lapid

Schon sein Vater Josef "Tommy" Lapid war Journalist und in den 2000er Jahren Justizminister. Als Jair Lapid seine Partei im Jahr 2012 gründete, wurde er von vielen belächelt. Doch dem Hobby-Boxer, der auch schon zum attraktivsten Mann Israels gewählt wurde, gelang 2013 ein Überraschungserfolg. Kurzzeitig wurde Lapid Finanzminister.

Mit Netanjahu hat Lapid seit Langem seine Probleme. Lapids Standhaftigkeit, sich keiner Regierung unter Netanjahus Führung anzuschließen, ließ ihn offensichtlich in der Wählergunst steigen.

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ZDF-Korrespondent Bewerunge bezeichnet Lapid als den "wahren Architekten" der Koalition. "Er hat - obwohl er Oppositionsführer ist und die meisten Stimmen hat - seine persönlichen Ambitionen zurückgestellt, Bennett den Vortritt gelassen und immer wieder mit geschicktem, klugem Verhandeln und Zugeständnissen die Koalitionspartner zu dieser neuen Koalition geschmiedet."

Naftali Bennett: Taktieren von Rechts

Monatelang hat Naftali Bennett Israels politische Elite hingehalten: Entscheidet sich seine rechte Jamina-Partei für oder gegen Benjamin Netanjahu? Jetzt ist der 49-jährige Hightechmillionär auf dem besten Weg, anstelle seines einstigen Mentors Regierungschef zu werden.

Vor weniger als zwei Monaten versprach Bennett noch in einem Interview:

Ich werde Lapid nicht Ministerpräsident werden lassen, mit oder ohne Rotation, weil ich ein Mann der Rechten bin und mir Werte wichtig sind.
Naftali Bennett

Die neue Koalition spiegelt so auch die pragmatische Ader Bennetts wider, der seine politische Karriere mit dem Ziel begann, Führer der neuen israelischen Rechten zu werden. Einen palästinensischen Staat lehnt er ab und kämpft stattdessen für jüdische Siedlungen im Westjordanland.

In Israel formiert sich eine Koalition gegen Regierungschef Netanjahu. ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge erklärt, ob dieser einen solchen Machtwechsel noch verhindern kann.

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Ging wegen Hisbollah-Krieg in die Politik

Der Vater von vier Kindern rechnet sich den modernen orthodoxen Juden zu. Er lebt in keiner der jüdischen Siedlungen, für die er sich stark macht, sondern im noblen Tel Aviver Vorort Raanana. Seinen Militärdienst leistete er in der berühmten Eliteeinheit Sajret Matkal, danach studierte er Jura.

In die Politik ging Bennett nach eigenen Worten wegen des Kriegs mit der libanesischen Hisbollah-Miliz 2006, der ohne eindeutigen Sieger endete. Der politischen und militärischen Führung Israels wurde damals vorgeworfen, den Feldzug vermasselt zu haben.

Lehnt Einschränkung des Siedlungsbaus ab

Zwei Jahre lang war Bennett Netanjahus Stabschef, bevor sich die beiden nach einem Streit entzweiten. Bennett kritisierte Netanjahu auch für Versuche, Gespräche mit den Palästinensern zu ermöglichen - und dafür den Siedlungsausbau zu verlangsamen.

Dennoch diente er in mehreren Netanjahu-Regierungen als Minister - unter anderem für Bildung und Verteidigung. "Der Fehler ist, mich als Extremisten einzusortieren", sagte Bennett 2012.

"So tief die Gräben zwischen den Partnern dieser Koalition sind, so groß ist auch der Mut und die Entschlossenheit, die Gegensätze zu überwinden", schätzt ZDF-Korrespondent Bewerunge ein.

Einheit und neuer Zusammenhalt sind das, was das zerrissene Land jetzt am nötigsten braucht.
Michael Bewerunge, ZDF-Korrespondent
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