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Nahost-Konflikt - Gerlach: Hamas hat Gazastreifen diszipliniert

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Trotz aller Bemühungen um Waffenruhe eskaliert der Konflikt zwischen Israelis und militanten Palästinensern weiter. Nahost-Experte Gerlach sieht sogar ein neues Maß an Gewalt.

„Israel hat deutlich gemacht, dass es keine Vermittlerrolle der EU wünscht“, so Nahost-Experte Daniel Gerlach. Die Jerusalem-Frage sollte jedoch am Anfang von Verhandlungen stehen.

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UN-Generalsekretär António Guterres warnte bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats vor einer "unkontrollierbaren" Krise im Nahen Osten und verlangte die sofortige Beendigung des Konflikts zwischen Israel und militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen. Der deutsche Nahost-Experte Daniel Gerlach spricht im ZDF-Morgenmagazin gar von einem ganz neuen Ausmaß an Gewalt.

"Neu ist für mich vor allem das militärische Arsenal, das die Hamas hier zur Verfügung hat. Neue Technologien zum Teil, da sind Drohnen im Einsatz", erklärt Gerlach.

Die schiere Anzahl der Raketen, die ist geeignet, das israelische Verteidigungssystem an die Grenze zu bringen.
Daniel Gerlach, Nahost-Experte und Publizist

Andere Länder in der Region reagieren zurückhaltend - noch

Die arabischen Länder um diesen Kofliktherd herum, sieht Gerlach derzeit in einer Zwickmühle - und zwar aus verschiedenen Motiven. Auf der einen Seite würde der jordanische König Abdullah II. auf Diplomatie pochen. Dagegen hofften die Vereinigten Arabischen Emirate, so Gerlach, dass sie durch das Normalisierungsabkommen mit Israel einen stärkeren Einfluss auf die Palästinafrage hätten - auch, was innerpalästinensische Machtverhältnisse angehe.

Artillerie und Luftbombardements - und kein Ende der Gewalt in Sicht: Bei neuen Angriffen von beiden Seiten gab es mindestens 42 Todesopfer, darunter acht Kinder.

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Ein Land wie "Katar hat den Gazastreifen ruhig gehalten mit finanziellen Mitteln und auch mit israelischer Billigung", sagt der Experte. Die Kataris würden versuchen, im Hintergrund mit der Hamas zu verhandeln, denn sie hätten gute Verbindungen zur Hamas.

Auf der anderen Seite würden sich laut Gerlach Länder wie Ägypten oder der Iran ganz genau anschauen, wie dieser Konflikt jetzt eskaliere und ob es Möglichkeiten gebe, in einer militärischen Auseinandersetzung mit Israel, mit anderen Verbündeten in der Region, die israelische Verteidigungstechnologie zu treffen. "Wenn man nicht aufpasst kann es sein, dass noch mehr externe Mächte sich hier einmischen, die mit der ursprünglichen Situation nichts zu tun haben."

Nahost-Konflikt - Israel und Hamas setzen Angriffe fort 

Das Ausland kämpft um Deeskalation - doch Israels Militär hat nach eigenen Angaben erneut großflächig Ziele in Gaza angegriffen, von wo Raketen auf Gebiete in Israel flogen.

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Wer kann jetzt mit wem verhandeln?

Darauf angesprochen, wie man jetzt am besten verhandelt, ist sich Daniel Gerlach sicher, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu nun die Wahl hat. Er könne versuchen, die militärische Infrastruktur der Hamas soweit zu treffen, dass der nächste Krieg wieder ein paar Jahre hinausgezögert würde.

Er könne auch versuchen, die Hamas politisch so zu beschädigen, dass irgendwann vielleicht eine andere Macht übernimmt. Man habe gesehen, dass israelische Streitkräfte politische Vertreter der Hamas gezielt ins Visier genommen hätten - das gehe über den militärischen Konflikt hinaus.

Netanjahu müsse sich aber, so Gerlach weiter, über eines im Klaren sein:

Die Hamas hat den Gazastreifen auch ein Stück weit diszipliniert. Das ist eine Wahrheit, die selten diskutiert wird.
Daniel Gerlach, Nahost-Experte und Publizist

Aber es sei ein Fakt, dass die Hamas immer auch ein Gesprächspartner der israelischen Nachrichtendienste und anderer Länder in der Region war, die versucht habe, zu vermitteln.

Wenn die Hamas weg ist, so destruktiv und terroristisch sie sich auch verhält, dann steht Israel erstmal vor der Situation, dass es nicht weiß, wer als nächstes den Gazastreifen kontrolliert und welche Mächte sich dann möglicherweise in alle Richtungen ausbreiten.
Daniel Gerlach

Dann müsse Netanjahu sich fragen, wie er den Gazastreifen weiter unter Kontrolle hielte, wenn er gar keinen Ansprechpartner mehr habe. "Vor dieser Entscheidung drückt man sich natürlich."

Mittlerweile ginge es darum, wer als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht, sagt ZDF-Reporter Axel Storm zur aktuellen Lage im Nahost-Konflikt.

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Können Deutschland oder die EU vermitteln?

Dass Israel die Vermittlerrolle der EU oder Deutschlands nicht wünsche, habe das Land, so Gerlach, bereits klargemacht. Deshalb habe die EU in letzter Zeit auch wenig Anstrengungen unternommen. Die Frage sei erst einmal, mit welchem politischen Thema man sich überhaupt beschäftige, sagte Gerlach: "Lange Zeit galt, man müsse die Jerusalemfrage ans Ende stellen, das ist die schwierigste Frage, die gehört ans Ende."

Die letzten Monate hätten aber wiederum denjenigen Recht gegeben, die sagten, die Jerusalemfrage müsse eigentlich am Anfang von Verhandlungen stehen und darauf aufbauend könne man andere Probleme lösen. "Wie man das Gazaproblem politisch löst, da muss ich Ihnen eingestehen, da habe ich kein Rezept", bilanziert Gerlach.

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