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Expertin zu Nahost-Konflikt - "Waffenruhe ist wahrscheinlich instabil"

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Zwischen militanten Palästinensern und Israel schweigen die Waffen seit dem frühen Freitagmorgen. Die Sicherheitsexpertin Marina Henke ist skeptisch, ob das so bleibt.

In Nahost könnten, "selbst kleine Ausschreitungen ganz schnell wieder zu einer Eskalation führen", so Prof. Marina Henke, Expertin für Sicherheitspolitik.

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Militante Palästinenser im Gazastreifen und Israel haben ihre gegenseitigen Angriffe am frühen Freitagmorgen vorerst beendet. Eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe trat um 2 Uhr (1 Uhr MESZ) in Kraft und wurde zunächst von beiden Seiten eingehalten.

Die Expertin für Sicherheitspolitik Marina Henke ist skeptisch, wie lange die Waffen schweigen werden. Im ZDF Morgenmagazin sagte sie:

Wir alle halten diese Waffenruhe bis jetzt für wahrscheinlich instabil.
Marina Henke, Hertie School of Governance

Wenn man sich die Geschichte des Konflikts anschaue und auch die Waffenruhen, die es in der Vergangenheit gab, "müssen wir alle ein bisschen skeptisch sein", so Henke. "Es ist immer noch so eine geladene Situation, dass selbst kleine Ausschreitungen (...) ganz schnell wieder zu einer Eskalation führen können."

Jabalija im nördlichen Gazastreifen: Zerstörungen nach israelischen Luftangriffen

Ägypten hat vermittelt - Israel und Hamas einigen sich auf Waffenruhe 

Im Nahost-Konflikt haben sich Israel und die Hamas auf eine Waffenruhe geeinigt. Ägypten hatte wohl zwischen den Kontrahenten vermittelt. Wie es weitergehen wird, ist nicht klar.

Tausende Menschen feiern auf den Straßen

Im Gazastreifen strömten Tausende Menschen auf die Straßen und machten inmitten von Ruinen ihrer Erleichterung über das Ende des Schreckens mit Feuerwerk, Schüssen in die Luft und "Allahu akbar"-Rufen Luft.

In den vergangenen Tagen war der internationale Druck vor allem durch die USA für ein Ende des Blutvergießens immer größer geworden. Am Mittwoch hatte US-Präsident Joe Biden Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bei einem Telefonat gesagt, dass er noch im Laufe des Tages eine "deutliche Deeskalation (...) auf dem Weg zu einer Waffenruhe" erwarte.

Nach der Vereinbarung der Waffenruhe sagte Biden, nun biete sich eine "wirkliche Chance", im Nahen Osten Fortschritte hin zu einem dauerhaften Frieden zu machen. Ein Sprecher Netanjahus betonte jedoch, die Waffenruhe sei ohne jegliche Vorbedingungen erfolgt.

Außenminister Maas zu Besuch in Israel

UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte das Ende der Kämpfe und rief alle Seiten auf, sich an die Vereinbarung zu halten. Der Portugiese hatte sich zuvor erschüttert über den Tod vieler Zivilisten geäußert.

Wenn es eine Hölle auf Erden gibt, ist es das Leben der Kinder in Gaza.
António Guterres, UN-Generalsekretär

In den Stunden vor der Verkündung der Waffenruhe hatte Bundesaußenminister Heiko Maas Israel und die Palästinensergebiete besucht. Dabei stellte er sich erneut mit aller Deutlichkeit an die Seite des jüdischen Staates.

Für uns ist die Sicherheit Israels, genauso die Sicherheit aller Jüdinnen und Juden in Deutschland, nicht verhandelbar.
Heiko Maas, Bundesaußenminister (SPD)

Maas schlugen von seinen israelischen Gastgebern Sympathie und Wohlwollen entgegen. Sein Kollege Gabi Aschkenasi sagte: "Ich danke ihm, dass er uns besucht in dieser Zeit, in einer Zeit, wo Raketen fallen."

Die Hamas hingegen verurteilte die Äußerungen von Maas als "parteiisch". "Wir sind schockiert von den Medienerklärungen des deutschen Außenministers (...) im Hinblick auf die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten", schrieb das Büro für internationale Angelegenheiten der Hamas in einer Mitteilung.

Wegen der anhaltenden Gewalt im Nahen Osten ist Außenminister Heiko Maas zu Gesprächen in Israel eingetroffen. Seine Reise soll ein "Zeichen der Solidarität" sein.

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Auch Tunnelsystem der Hamas stark beschädigt

Die Folgen des brutalen Schlagabtausches, den die Hamas am 10. Mai mit Raketenbeschuss Richtung Jerusalem begonnen hatte, sind verheerend. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bis zum Donnerstag 232 Palästinenser getötet, unter ihnen 65 Kinder und Jugendliche. 1.900 Menschen erlitten Verletzungen. 1.800 Wohnungen und Häuser wurden zerstört, darunter fünf Hochhäuser.

Auch zahlreiche Regierungsgebäude und alle Polizeistation wurden in Schutt und Asche gelegt. Israels Angriffe auf das Tunnelsystem der Hamas, die sogenannte Metro, richteten zudem große Schäden an der Infrastruktur an.

Hamas sieht sich als Siegerin - Stichelei gegen Abbas

Die Hamas sieht sich dennoch als Siegerin. Sie habe sich als die wahre Beschützerin Jerusalems und Kämpferin für die Rechte des palästinensischen Volkes bewährt, sagte das führende Hamas-Mitglied, Muschir al-Masri, am Donnerstag. Das richtete sich gegen den im Verhältnis zu Israel kompromissbereitere Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas im Westjordanland, der Israel nicht wie die Hamas das Existenzrecht abspricht. Zudem schaffte es die Hamas, schwere Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Israelis auszulösen und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft wieder auf den ungelösten Konflikt zu lenken.

Israel seinerseits wollte das Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Dieses Ziel ist zunächst erreicht, obwohl die Palästinenser nach israelischen Angaben insgesamt 4.340 Raketen auf Israel abschossen, wobei 12 Menschen starben und mehr als 300 verletzt wurden.

Zudem sollte die Fähigkeit militanter Palästinensergruppen im Gazastreifen für künftige Angriffe auf Israel reduziert werden. Auch das hat die hochgerüstete israelische Armee vermocht, allerdings um einen hohen humanitären Preis, mit dem Israel Kritik auf sich zieht. Und von früheren Schlägen hat sich die Hamas stets nach einigen Jahren erholt.

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