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"Die Palästinensische Autonomiebehörde tobt"

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Wolffsohn über Israel und VAE - "Die Palästinensische Autonomiebehörde tobt"

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Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich darauf geeinigt, ihre Beziehungen vollständig zu normalisieren. Fünf Fragen an Nahost-Experte Michael Wolffsohn.

Die israelische Mauer entlang der palästinensischen Stadt Abu Dis im von Israel besetzten Westjordanland östlich von Jerusalem am 29.01.2020
Die israelische Mauer entlang der palästinensischen Stadt Abu Dis: Der Konflikt zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten entzündete sich auch an der Palästina-Frage.
Quelle: Reuters

ZDFheute: Heute haben sich Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate darauf verständigt, ihre Beziehungen vollständig zu normalisieren. Warum ist das ein "historischer Schritt"?

Michael Wolffsohn: Ob der Schritt historisch ist, wird erst die Geschichte zeigen. Ich rate vor dem inflationären und reißerischen Gebrauch der Vokabel "historisch" ab, denn: Der wirklich historische Wendepunkt der Beziehungen zwischen Israel und der Arabischen Welt war 1978/79 der Frieden zwischen Ägypten und Israel beziehungsweise Muhammad Anwar as-Sadat und Menachem Begin.

Jener Vertrag barg auch für die Palästinenser riesige Chancen, die sie nicht genutzt haben. Längst gäbe es den Staat Palästina, wenn die palästinensische Dachorganisation PLO nicht "nein" gesagt hätte - bestärkt von Deutschland und Europa.

ZDFheute: Wodurch wurde das Verhältnis zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten bisher vor allem belastet?

Wolffsohn: Durch die engstmögliche Verknüpfung mit dem Kampf um Israel/Palästina. Inzwischen erkennen immer mehr arabische Staaten, dass dies für sie nachteilig war, den Iran stärkte und sie schwächte. Deshalb wird es wohl bald auch Vereinbarungen zwischen Israel und anderen arabischen Staaten geben. Oman, Saudi-Arabien und der Sudan sind sozusagen Kandidaten.

ZDFheute: Welchen Nutzen ziehen Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate jeweils aus der Einigung?

Wolffsohn: Jede Zusammenarbeit ist jedem Zusammenprall vorzuziehen. Israel ist technologisch-wissenschaftlich eine Weltmacht, die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine ökonomische Weltmacht. Beides zusammen ergibt für beide die besten aller Möglichkeiten.

Premiere in Nahost -
Emirate nehmen Beziehungen zu Israel auf
 

Novum in Nahost: Die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen diplomatische Beziehungen zu Israel auf. US-Präsident Trump feiert das als Erfolg, die Palästinenser sind enttäuscht.

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ZDFheute: Warum gelang diese Einigung ausgerechnet unter Präsident Donald Trump?

Wolffsohn: Weil Trump anders als die meisten, auch als die EU und Deutschland, in Nahost nicht mehr jedes Mal von neuem in die Sackgasse fährt. Er lässt sich von Interessen leiten und wirft dabei locker Ballast über Bord. Seine Methode ist oft abenteuerlich, aber hier sinnvoll. Man muss kein Trump-Verehrer sein, um das nüchtern festzustellen. Sein Kontrahent Joe Biden zählt leider auch zu den Sackgasse-Wiederholern.

ZDFheute: Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf das Verhältnis zwischen Israel und Palästina? Mit welcher Reaktion der Palästinenser rechnen Sie?

Wolffsohn: Die Palästinensische Autonomiebehörde tobt. Es wird kurzfristig zu heftigen Protesten, vielleicht auch einzelnen Gewaltakten gegen Israel kommen, die den Palästinensern mehr weh tun als Israel. Man darf nicht übersehen, dass einer der Drahtzieher des Abkommens zwischen lsrael und den Vereinigten Arabischen Emiraten Mohammed Dahlan, der Rivale von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, war.

Durch ein Arrangement mit Israel könnten die Palästinenser endlich die Verliererstraße verlassen. Ich weiß, das wird in Europa und Deutschland, nicht zuletzt in unserem Auswärtigen Amt, ganz anders gesehen. Dem entgegne ich: Seit Jahrzehnten reden sie viel, erreicht haben sie nichts. Schon gar nichts für die Palästinenser.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel wollen volle diplomatische Beziehungen aufnehmen. Was dieser Schritt bedeutet, erklärt ZDF-Korrespondent Luc Walpot.

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