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Mangelnder Schutz vor Hackern - Spahn lässt Stellen für IT-Sicherheit offen

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Gesundheitsminister Jens Spahn vernachlässigt die IT-Sicherheit im eigenen Haus: In seinem Ministerium gibt es nur zweieinhalb besetzte Stellen für den Schutz vor Hackerangriffen.

Gesundheitsminister Jens Spahn.
Gesundheitsminister Jens Spahn.
Quelle: Michael Kappeler/dpa

Es geht um sensible Daten. Blutwerte, Krebsdiagnosen, psychische Erkrankungen. Alle diese Daten können 73 Millionen Deutsche ab etwa Mitte dieses Jahres digital abspeichern lassen und - mit Einwilligung - Ärztinnen und Ärzten freigeben. Mit Hilfe der elektronischen Patientenakte könnte also künftig auch der Hausarzt die Diagnosen der anderen Ärzte sehen, auf einen Blick.

"Es besteht die Gefahr, dass Hacker diese Daten einsehen können", sagt Martin Tschirsich, Experte für Informationssicherheit und Mitglied im Chaos Computer Club. Denn die Freigabe der Patientendaten erfolgt digital. Der Patient weist sich digital als Patient aus, der Arzt identifiziert sich als Arzt. Denkbar wäre es, dass sich Hacker fälschlicherweise als Arzt ausgeben und sich so die Daten von Patienten erschleichen.

Fast neun unbesetzte Stellen in Spahns Behörde

Um das zu verhindern brauche es mehr Expertise im Gesundheitsministerium - aber:

Jens Spahn nimmt das Bedrohungsszenario nicht ernst.
Martin Tschirsich, Chaos Computer Club

"Spahn wird seiner Verantwortung nicht gerecht", so Tschirsich. Denn: In seinem Ministerium sind nach ZDF-Informationen gerade einmal zweieinhalb Stellen mit IT-Experten besetzt. Fast neun IT-Sicherheitsstellen sind unbesetzt.

"Beunruhigend", findet das Anke Domscheit-Berg, Sprecherin für Digitalpolitik der Linken. Spahn treibe zwar IT-Großprojekte wie die elektronische Patientenakte im Eiltempo voran. "Er hat aber offenbar nicht die nötige Expertise für IT-Sicherheit im eigenen Haus, um den erhöhten Ansprüchen an IT-Sicherheit für Gesundheitsdaten hinreichend Rechnung zu tragen", sagt sie ZDFheute. Spahn hat sich auf ZDF-Anfrage bisher nicht zu der Kritik geäußert.

Österreichs Außenministerium von Cyberangriff betroffen.

Cyberabwehr in Ministerien - Jede vierte Stelle für IT-Sicherheit unbesetzt 

Die Bundesregierung vernachlässigt die eigene Cybersicherheit: Von den 2.800 Stellen für IT-Sicherheitsexperten in den Ministerien ist nach ZDF-Informationen jede vierte unbesetzt.

von Dominik Rzepka, Berlin

Domscheit-Berg hat bereits im vergangenen Jahr nach der IT-Sicherheit in den Bundesministerien gefragt. Ergebnis damals: Jede vierte Stelle war unbesetzt. Inzwischen ist es immer noch jede fünfte. Im Auswärtigen Amt etwa sind sechs Stellen unbesetzt, im Verkehrsministerium 40. Fünf Ministerien haben insgesamt weniger als zehn Stellen für IT-Sicherheit. Domscheit-Berg kritisiert:

Viele Bundesministerien haben die Relevanz von IT-Sicherheit immer noch nicht verstanden, die Ausstattung mit IT-Sicherheitsfachkräften ist nach wie vor in vielen Häusern zu gering.
Anke Domscheit-Berg, Linke

In diesen Ministerien sind mehr Stellen besetzt

Allerdings gibt es auch Ministerien, die im vergangenen Jahr mehr Stellen für IT-Sicherheit besetzt haben: Im Verteidigungsministerium etwa sind inzwischen mehr als 1.100 Stellen besetzt, im Innenministerium sind es sogar mehr als 1.300. Doch auch in der Behörde von Horst Seehofer (CSU) sind immer noch knapp 500 Stellen unbesetzt. Zudem zeigen die Zahlen: Die Stellen für IT-Sicherheit sind in den Ministerien ziemlich ungleich verteilt.

Wohin fehlender IT-Schutz führen kann, konnten Tausende Finnen Ende 2020 schmerzhaft erfahren. Dort hatte ein Angreifer die Psychotherapie-Firma Vastaamo gehackt und Zugriff auf vertrauliche Gesprächsprotokolle erlangt. Die gehackten Patienten hatten plötzlich eine Mail im Posteingang mit der Aufforderung, Geld zu bezahlen. Sonst würden ihre Therapiegespräche im Internet veröffentlicht. Eine Gefahr auch für deutsche Patienten.

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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