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Bericht aus Kabul - Geschrei, Schüsse und "tiefe Traurigkeit"

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Journalist Jan Jessen wurde von der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen. Im ZDF-Interview erzählt er vom Warten auf den erlösenden Anruf und dramatischen Szenen am Flughafen.

Der Journalist Jan Jessen wurde aus Kabul evakuiert. Nun schildert er seine Erlebnisse im ZDF-Interview.

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12 min
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Seit der Übernahme Kabuls durch die radikal-islamistischen Taliban hat die Bundesregierung etwa 500 Personen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen. Einer der Geretteten ist Jan Jessen, Journalist der Neuen Ruhr Zeitung. Im Interview mit ZDFheute spricht er über seine dramatische Rettung aus Afghanistan.

Sehen Sie oben das ganze Interview und lesen Sie es hier in Auszügen.

Jessen über das Warten auf die Evakuierung:

"Zwei Tage haben wir gewartet, dass endlich die erlösende Botschaft kommt, dass wir dort rauskommen: (…) Die große Frage war auch noch: Wie kommen wir denn eigentlich zum Flughafen? Wir waren auf dem Gelände des Roten Halbmondes [Internationale Hilfsorganisation, Anm. der Red.] im Osten der Stadt und es waren ungefähr 20 Kilometer bis zum Flughafen. Und die Frage war: Was ist da in der Stadt jetzt los? Das wusste keiner genau. Unsere afghanischen Freunde haben uns dann gesagt: 'Macht euch keine Sorgen. Wir kommen da durch.'"

Tausende Menschen hoffen in Kabul auf Rettung vor den Taliban. Doch wer wird in Sicherheit gebracht? Und wen kann die Bundeswehr nicht ausfliegen? ZDFheute live ordnet ein.

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... die Vorbereitung der Flucht:

"Die erste Nachricht haben wir um acht Uhr morgens erhalten. (…) Und da hieß es, (…) es könnte sein, dass wir rauskommen. Das Problem am vorherigen Tag war, dass das Chaos am Flughafen so groß war."

"Wir hatten schon vorher Notgepäck gepackt (…). Es heißt, nicht mehr als acht Kilo Handgepäck. (…) Ich habe also meinen Rucksack mit Klamotten vollgestopft, Laptop und so weiter. Die wichtigen Dinge. Und dann steht man sozusagen auf Stand-by, und wartet auf diesen Anruf. Und dann sind wir losgefahren.“

… die Fahrt durch Kabul:

"Wir haben (…) auf den Straßen viel, viel Taliban-Aktivität gesehen: Taliban auf Polizeiwagen, Taliban auf Motorrädern, Taliban auf Kreuzungen - teils auch schwer bewaffnet. Aber: Die waren relativ desinteressiert. Die haben einen zwar angeguckt, aber keine Anstalten gemacht, uns aufzuhalten.“

… die Situation am Flughafen:

"Katastrophe, ganz furchtbare Situation. Hunderte Menschen, Geschreie, weinende Frauen, Schüsse. Die afghanische Armee, die immer versucht hat, die die Menge zu kontrollieren, indem sie geschossen hat und amerikanische Marines, die sehr, sehr lautstark agiert haben. Und dahinter dann die deutschen Soldaten, denen wir dann unsere Pässe gezeigt haben.“

"Mich persönlich wirklich mitgenommen hat eine Szene, als wir in den Flughafen reingekommen sind. (…) Da war eine unfassbar panische Menschenmenge vor dem Eingang des Flughafens. Viel Schießerei. Und dann kam hinter uns eine Familie rein, mit vier kleinen Kindern, die komplett aufgelöst waren, die geschrien haben, geweint haben. Und eine ältere Dame, ihre Großmutter, die auch in Tränen aufgelöst war. Sie erzählte, dass sie von Taliban verprügelt worden sei - und kollabierte.“

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... die Momente im Flugzeug:

"Das war eigentlich nur Erschöpfung, muss man sagen. Die Spannung löste sich.
Da war keine große Freude oder sowas, natürlich Erleichterung, aber eigentlich nur Erschöpfung, muss ich sagen. (…) Wenn man sich die ganzen Gesichter angeschaut hat der Menschen, die dann im Flugzeug saßen, da waren auch viele Einheimische dabei - da war unglaublich viel Trauer.“

"Man fliegt nach Hause, mit diesem Ticket in die Freiheit und gleichzeitig weiß man, dass diese Leute zurückbleiben. Viele Leute, mit denen man gute Gespräche geführt hat. Viele, die auch ihre Ängste geschildert haben. Das erfüllt einen dann schon mit tiefer Traurigkeit."

Alles zu aktuellen Entwicklungen in Afghanisten finden sie in unserem Liveblog.

In Kabul hoffen Tausende auf eine Rettung durch die Bundeswehr. ZDFheute live spricht mit einer deutschen Betroffenen über die Lage vor Ort.

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