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Interview

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Warum junge Leute die AfD wählten

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Von jungen Wählerinnen und Wählern hat die AfD in Sachsen-Anhalt viele Stimmen bekommen. Warum kann die Partei bei jungen Menschen punkten?

Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Wahlplakate und ein kleine Fahne sind vor Beginn einer Wahlparty der AfD zu sehen.
Die AfD schnitt bei der Wahl in Sachsen-Anhalt besonders bei jüngeren Wählerinnen und Wählern gut ab.
Quelle: dpa

Die CDU hat die Wahl in Sachsen-Anhalt deutlich gewonnen. Die AfD hat sie laut vorläufigem Endergebnis weit hinter sich gelassen. Ministerpräsident Reiner Haseloff kann sich über einen Vorsprung von 16,3 Prozent freuen.

Ginge es nach den jungen Wählerinnen und Wähler, dann sähe das Ergebnis aber etwas anders aus. Dann wäre die AfD mit der CDU gleichauf.

Laut Forschungsgruppe Wahlen ist die AfD gemeinsam mit der CDU der Wahlsieger bei den unter 30-Jährigen, 18 Prozent von ihnen wählten jeweils eine der Parteien. Und innerhalb der AfD-Wähler sind die 30- bis 44-Jährigen die stärkste Unterstützergruppe.

Woran liegt das? Erklärungsversuche von Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt:

ZDFheute: Warum bekommt die AfD von 30- bis 44-Jährigen die meisten ihrer Stimmen?

Maik Reichel: Ein Grund, warum Menschen die AfD wählen, sind ihre persönlichen Umstände. Und in dieser Gruppe sind Menschen, die gerade erst ins Berufsleben eingestiegen sind, die Familien gründen und da große Zukunftsängste haben. Und die AfD vermittelt ihnen mit ihren Themen, dass es sich für sie lohnt, bei ihnen das Kreuzchen zu machen.

ZDFheute: Und was treibt die AfD-Wähler unter 30 an?

Reichel: Dafür eine Erklärung zu finden, fällt mir schwer. Ich denke, es sind die einfachen Antworten, die die AfD auf sehr komplexe Fragen liefert.

Sie bilden sich ihre Meinung häufig im Netz, auf Social-Media-Plattformen. Dort gibt es schnelle, einfache Antworten auf das, was sie bewegt.

Die AfD behauptet sich nach dem vorläufigen Ergebnis als zweitstärkste Kraft. "Die AfD ist im Osten sehr radikalisiert. (...) Es ist zu erwarten, dass sich die starke Radikalisierung innerhalb der AfD durchsetzt", so Prof. Karl-Rudolf Korte.

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ZDFheute: Liegt es also an mangelnder Medienkompetenz?

Reichel: Ja, das ist eine mögliche Erklärung. Denn die Frage ist, wo bekommen sie ihre Informationen her? Und da fehlt es an Kompetenzen: Wo bekomme ich welche Antworten? Hole ich mir nur eine oder mehrere? Wie vergewissere ich mich, dass Informationen stimmen? Es wäre wichtig die Medienkompetenz von jungen Leuten in diesem Bereich zu schärfen.

Und es sind auch die persönlichen Umstände, wo junge Menschen aus sozial schwächerem Umfeld heraus sagen: Ich sehe für mich keine Perspektive, keine Zukunftschance und deswegen wähle ich die, die versprechen es besser zu machen als all die anderen, die seit vielen Jahren dabei sind.

Reiner Haseloff

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Reiner Haseloff hat mit seinem Amtsbonus und seiner klaren Kante gegen die AfD gepunktet. Die AfD bleibt dennoch eine Hausnummer in Sachsen-Anhalt.

von Julia Klaus

ZDFheute: Sind Menschen dabei, die Kontakte zu rechtsextremen Gruppen haben?

Reichel: Pauschal zu sagen, dass alle AfD-Wähler Rechtsextreme sind, wäre falsch. Es sind Menschen, die sich benachteiligt fühlen im Gesellschaftlichen, im Privaten und im Arbeitsleben. Und es ist eine Handvoll Menschen dabei, die nationalistisches Gedankengut mit sich trägt.

ZDFheute: Und den AfD-Wählern, die dieses Gedankengut aber nicht teilen, ist das egal?

Reichel: Das glaube ich nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass sie so stark differenzieren.

Ich glaube, ein Teil der AfD-Wähler schaut sich das Wahlprogramm nicht an. Sie wählen die AfD aus Protest gegen die anderen, etablierten Parteien.

Die AfD in Sachsen-Anhalt gilt als besonders radikal. Im Wahlkampf haben sich alle Parteien von ihr abgrenzen wollen:

Diskussionen um die Abgrenzung der CDU zur AfD prägen den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt genauso, wie Themen, auf die Grüne oder SPD setzen. Die FDP macht sich Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung.

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ZDFheute: Widerlegen die Zahlen in Ihren Augen die umstrittene Aussage des Ostbeauftragten Marco Wanderwitz, dass die Menschen in den Ost-Bundesländern 30 Jahre nach dem Ende der DDR noch immer nicht in der Demokratie angekommen seien? Denn sie zeigen ja, dass viele AfD-Anhänger zu jung sind, um aktive Erinnerungen an die DDR zu haben.

Reichel: Ich kann der Aussage des Ostbeauftragen nicht zustimmen. Wir setzen uns seit 30 Jahren hier im Osten der Bundesrepublik mit demokratischen, freien, allgemeinen und gleichen Wahlen auseinander.

Natürlich ist es schwierig gewesen in den ersten Jahren, demokratisches Verständnis zu erzeugen. Es ist für viele ein Lernprozess gewesen und manche lernen immer noch.

Aber junge Menschen sind damit aufgewachsen, sie kennen nicht mehr Ost und West. Und egal, wo sie leben, lernen sie mit anderen Meinungen umzugehen. Das hat nichts damit zu tun, ob sie in Erfurt, Salzwedel oder Dortmund geboren sind.

ZDFheute: Mangelndes Demokratieverständnis der jungen Menschen in Ostdeutschland ist also kein Grund, warum sie die AfD wählen?

Reichel: Nein.

Das Interview führte Luisa Houben, Reporterin im ZDF-Landesstudio Magdeburg.

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