Sie sind hier:

Junge Alternative - Wer wird neuer Chef vom AfD-Nachwuchs?

Datum:

Die AfD-Jugend sucht einen neuen Vorsitzenden - der alte schmeißt hin. Die Personalie macht den Flügelkampf in der Parteijugend sichtbar.

Plakat der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative. Archivbild
Plakat der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative - die Parteijugend sucht einen neuen Vorsitzenden (Archivbild).
Quelle: Jens Kalaene/ZB/dpa

Der AfD-Nachwuchs steht unter enormen Druck. Vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall geführt, hat nun der Bundesvorsitzende Damian Lohr angekündigt, seinen Posten zur nächsten Wahl freizumachen. Lohr begründet das mit dem innerparteilichen Flügelkampf.

In der jetzigen aufgeheizten Situation sind Brückenbauer und ausgleichende Charaktere nicht mehr erwünscht.
Damian Lohr, Noch-Vorsitzender der JA

Der vergleichsweise gemäßigte Teil der Parteijugend um den mitgliederstarken NRW-Landesverband präsentiert nun einen möglichen Nachfolger Lohrs: Jonas Dünzel. Dünzel, 26 Jahre alt, aus Zwickau in Sachsen, war AfD-Kandidat bei der vergangenen Europawahl. Dort fiel der Jungpolitiker auch damit auf, dass er über die Datingplattform Tinder Wahlkampf machte.

Politisches Feindbild: Linke und Grüne

Dünzel ist parteiintern kein Unbekannter. Er ist medienaffin, hat 19.000 Follower bei Facebook, knapp 3.400 bei Instagram und einen YouTube-Kanal mit 2.650 Abonnenten. Für AfD TV interviewt er AfD-Funktionäre wie Alice Weidel, Alexander Gauland und Jörg Meuthen. Sein politisch größter Erfolg war Platz 27 von 30 auf der AfD-Kandidatenliste zur Europawahl - ins Parlament zog er nicht ein. Außerdem sitzt er im AfD-Bundeskonvent.

Als politisches Feindbild dienen ihm Linke und Grüne. Er bezeichnet sich als "Antifa-Schreck", in einem Video witzelt er "gegen Gender-Gaga in Sachsen", auf Facebook wettert er gegen die Frauenquote - eine solche wolle er "nur in der Ehe". Dünzel strebt eine "Festung Europas" an.

Die JA leide unter "Selbstlähmung"

Dünzel will ein "gutes Verhältnis zur Mutterpartei" und "zerrissene Tischtücher wieder zusammenführen", wie er in der Pressemitteilung zu seiner Kandidatur schreibt. Seinem Vorgänger Lohr stellt er indirekt ein schlechtes Urteil aus: Die JA leide derzeit unter "Selbstlähmung."

Lohr konnte sich zuletzt augenscheinlich nicht mehr durchsetzen. Die JA Brandenburg etwa postete nach dem - mittlerweile gekippten - Ausschluss des Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz eine Liste der Vorstände, die für Kalbitz' Rauswurf gestimmt hatten, verbunden mit dem Zusatz, sich diese Namen für die nächste Vorstandswahl zu merken. Gegenüber ZDFheute wollte sich Lohr zu seinem Rückzug nicht äußern.

Der JA-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Carlo Clemens, bescheinigt Lohr zwar, dass er immer versucht habe, mit konstruktiven Strömungen beider Seiten zu reden. Doch den Ostverbänden sei der Rheinland-Pfälzer zu liberal gewesen. Die Westverbände hätten über den Osten ohnehin oft "die Nase gerümpft". Es ist der alte Konflikt zwischen Ost und West, den auch die Mutterpartei beschäftigt.

Bundesverfassungsschutz ist omnipräsent

Ob sich das mit dem Sachsen Dünzel ändern könnte, ist unklar. Denn die alten Probleme bleiben für die Parteijugend. Die Verfassungshüter führen die JA bundesweit als Verdachtsfall. Damit ist der Einsatz von nachrichtendienstlichen Mitteln erlaubt - "unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit", wie eine Sprecherin des Verfassungsschutzes sagt. Ob das bei der JA zum Einsatz kommt, darüber schweigt sich der Nachrichtendienst grundsätzlich aus.

Die JA hatte nach der Verdachtsfall-Einstufung eine "Arbeitsgruppe Verfassungsschutz" eingesetzt. Die Ergebnisse stellte sie im Juni 2019 vor: Sie strichen einige Passagen aus ihrem Programm und trennten sich von Mitgliedern. Dünzel sagt dazu:

Ich halte es für einen Fehlglauben, dass eine komplette Beobachtung von AfD und JA nicht zu verhindern sei.
Jonas Dünzel, Kandidat JA-Bundesvorsitz

Dünzel postete Foto von Höcke

Ob der Verfassungsschutz die JA als erwiesen extremistisches Beobachtungsobjekt hochstuft, hängt auch von ihrer künftigen Ausrichtung ab. Dünzel will "unnötige Angriffsfläche vermeiden". Doch es kommt - neben den Inhalten - nicht nur auf den Vorsitzenden an, sondern auch auf den restlichen Vorstand. Noch dieses Jahr soll dessen Neuwahl stattfinden.

Die Junge Alternative wurde bereits als "Höcke-Jugend" bezeichnet - eine Anspielung auf die Nähe zum Flügel-Gründer und Rechtsaußen Björn Höcke. Auch Dünzel postete ein Foto von Höcke. In der Pressemitteilung betont Dünzel: Niemand könne ihnen "diktieren, welche Themen wir aufgreifen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.