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Aktionen vor Schulen - Wie Rechte versuchen, Jugendliche anzuwerben

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Seit Jahren mobilisiert die Jugendorganisation der NPD vereinzelt vor Schulen. So geschehen jüngst im hessischen Wetzlar. Dabei macht sie von einer Tarnung Gebrauch.

Junge Nationalisten am 03.10.2019 in Berlin
Junge Nationalisten auf einer Demonstration
Quelle: Imago

"Schülersprecher.info" - der Name, der auf Plakaten und Stickern steht, die an manchen deutschen Schulen kleben, klingt harmlos. Zuletzt waren Plakate mit Sprüchen wie "Jugend ohne Migrationshintergrund" und "Kampfsport statt kiffen" an zwei Schulen im hessischen Wetzlar, einer der letzten NPD-Hochburgen im Bundesland, aufgetaucht. Dahinter steckt jedoch die Jugendorganisation der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), die "Jungen Nationalisten", die als noch radikaler als ihre Mutterpartei gilt.

JN verwendet "Schülersprecher.info" als Tarnung

Schülersprecher.info ist eine Kampagne, mit der versucht wird, über Social Media oder mit Auftritten vor Schulen junge Menschen für sich zu gewinnen. Eine Organisation Schülersprecher.info gibt es aber nicht: Im Impressum der Website stehen die Jungen Nationalisten.

Die Jugendorganisation hat nach eigenen Angaben deutschlandweit circa 150 Mitglieder. Anwerben wollen die Jungen Nationalisten auch vor Schulen, allerdings nicht unter ihrem richtigen Namen. Hier kommt "Schülersprecher.info" ins Spiel.

Werbung über kleine Aktionen

Die Anwerbeaktionen verlaufen allerdings im kleinen Rahmen: Mal werden ein paar Flyer verteilt, mal steht eine kleine Gruppe Männer vor einer Schule und hält ein Banner mit Aufschriften hoch, das auch auf den Instagram-Account der Kampagne verweist.

"Diese Aktion ist nicht neu", ordnet Extremismus-Experte Reiner Becker von der Universität Marburg ein. Es sei eine bekannte Strategie, Jugendliche da abzuholen, wo sie sich aufhalten - und das ist eben in der Schule und oft auf Social Media.

Die rechtsextreme Szene in Deutschland wächst - auch Falk hat ihr als Jugendlicher angehört. Doch der 28-Jährige hat den Ausstieg geschafft.

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Ansprache über Jugendkultur hat sich diversifiziert

"Was immer gezogen hat: Mit jugendkulturellen Stilmitteln zu arbeiten", fügt Becker hinzu. Dazu gehörten zum Beispiel Musik, Sprache und Kleidung. Vor allem das Angebot rechtsextremer Musik habe sich in den letzten Jahren diversifiziert. Auch auf Schülersprecher.info wird der Download von Musik angeboten - gratis. Aber:

Nur, weil eine solche Seite existiert, ist nicht sofort eine Jugendgefährdung vorhanden.
Reiner Becker, Extremismus-Experte

Ob junge Menschen anfällig für rechtes Gedankengut seien, habe auch immer mit der Formung durch Familie, Freundeskreis und Schule zu tun. Wenn Lehrern auffalle, dass zum Beispiel der Begriff "Jude" als Schimpfwort missbraucht werde, solle man darauf nicht mit stumpfen Sanktionen reagieren, sondern versuchen, die Beweggründe zu verstehen und dann aufzuklären.

Auch politische Bildung in Schulen sei ein weiterer wichtiger Aspekt, sagt Becker. Er leitet das Demokratiezentrum Hessen, das die Schaltstelle des Beratungsnetzwerks Hessen ist. Die Initiative berät Schulen, Eltern und Familienangehörige sowie Kommunen und Vereine und bietet Präventionsmaßnahmen an. Träger sind der Bund und das Land Hessen.

Anschluss an junge Themen

Schülersprecher.info versucht, junge Menschen über Themen zu erreichen, die die Generation bewegen. Die jungen Nationalisten wanderten mit Flaggen von Schülersprecher.info in Frankfurt auf Fridays for Future-Demos" mit. Ihre Website ist bunt gestaltet, auf den ersten Blick wirkt es eher wie ein liberaler Blog als eine Kampagne junger Rechtsextremisten.

Im Infotext ist vom Kampf gegen Kapitalismus und Globalisierung und für den Klimaschutz die Rede. Das Feindbild, das im Text aufgebaut wird: Lobbyisten, Reiche, "Grüne Heuchler", denen es nicht wirklich darum gehe, gegen die Klimakrise zu kämpfen.

Antisemitismus versteckt hinter Kapitalismuskritik

Tatsächlich sei es ein bekanntes Narrativ, dass Rechtsradikale zum Beispiel Antisemitismus mit Kapitalismuskritik kaschieren, dass hinter sogenannter Globalisierungskritik schlicht Rassismus steht, so der Extremismus-Forscher Becker.

"Wir wollen keine Auflösung der Kulturen, der Gemeinschaften und Nationen", schreiben die Jungen Nationalisten auf Schülersprecher.info. Laut Becker ein Euphemismus: Dahinter stehe der Gedanke einer Unvereinbarkeit von Kulturen, die Angst vor deren Durchmischung und letztendlich eine rassistische Ideologie.

"Die neuen Nazis" beleuchtet die Entwicklung der extremen Rechten und die Parallelen in Europa und den USA - am Beispiel des Massenmörders Anders Breivik und des Ku-Klux-Klans.

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42 min
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Das Problem sind die Alten

Die Jungen Nationalisten bieten über die Kampagne "Schülersprecher.info" Jugendlichen im Grunde einen weicheren Einstieg in den rechtsextremen Aktivismus. "Das Problem sind aber nicht die Jungen, sondern die Alten", so Becker.

Denn bei denen säßen politische Einstellungen viel tiefer, sie seien meist nicht bereit, diese zu ändern. Die können schließlich am Ende auch an der Wahlurne über die Zukunft des Landes mitentscheiden.

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