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K-Frage: Laschet besiegt Söder : Was von den Chaostagen in der Union bleibt

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Der Machtkampf ist entschieden: Armin Laschet hat sich gegen Markus Söder durchgesetzt. Nun könnten sich die Reihen in der Partei hinter ihm schließen. Fraglich ist, wie lange.

An diesem Dienstag wollen alle wieder nett sein. CSU-Chef Markus Söder sagt, er ziehe seine Kandidatur zurück. "Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat." Nur eine "geschlossene Union" könne erfolgreich sein. Die CSU, er selbst werde nun Wahlkampf für Laschet führen:

Wir wollen keine Spaltung.
Markus Söder

Auch der neue Kanzlerkandidat bemüht sich um einen ruhigen Ton ohne Triumphtremolo. Es sei "ein großer Vertrauensbeweis" von der CSU und Söder, dass sie ihn nun unterstützen wollen. Man werde gemeinsam den Wahlkampf führen. Söder werde dabei eine "zentrale Rolle" spielen:

Wann immer es nötig ist, werde ich mich mit ihm abstimmen.
Armin Laschet

Wie? Man müsse noch "genau überlegen, wie wir das machen", sagt Laschet.

Was bleibt von den Chaostagen in der Union?

Das angeschlagene Spitzenduo

Geschlossenheit, Team, Schwesterparteien, gemeinsamer Wahlkampf - es gab viele Beruhigungsformeln nach der Entscheidung. Doch ob die beiden Männer die Gräben so schnell wieder zuschütten können und welche Verletzungen bleiben, wird sich zeigen. Fakt ist: Söder hat Teile der CDU gegen ihren Vorsitzenden aufgebracht. Und er hat diesen Vorsitzenden viele Monate zappeln lassen.

Söder hat Laschet nach dem langen Wahlkampf um den Parteivorsitz in der Union noch einmal drei Monate im Ungewissen gelassen, ob er gegen ihn antritt. Medial sorgsam durch gezielte Interviews wurde schleichend aus "Mein Platz ist in Bayern" schließlich "Mein Platz ist heute in Bayern". Mehr als eine Woche braucht er dann noch einmal, um seine Zusage "die CDU entscheidet" auch wirklich einzulösen.

Dass die CSU sich nicht so einfach zurückziehen wird, zeigen die Erklärungen heute. Generalsekretär Markus Blume sagte, Söder sei der "Kanzlerkandidat der Herzen". Söder selbst sprach in seiner kurzen Erklärung doch recht lange von den vielen Unterstützern, die er gehabt habe, "nicht nur in Bayern". Vor allem bei den "vielen" Orts- und Kreisverbänden, den "Jungen, den Modernen, bei denen, die auf Zukunft aus waren".

Sollte Laschet die Bundestagswahl nicht so abschließen, wie es die Union erwartet, ist die Saat für alle Vorwürfe gelegt: Du hattest die Basis nicht, die Jugend nicht, die Herzen nicht. Es hätte eine Alternative gegeben. Warum Söder sich jetzt nach den vielen Sticheleien doch zurückgezogen hat, weiß man nicht genau. Spekulationen gibt es einige. Laschet selbst antwortet auf die Frage, ob er einen Preis bezahlt habe, ob er also Söder etwas versprochen habe: "Nein."

Die gespaltene Union

Es ist in demokratischen Parteien sicher normal: Gibt es mehrere Bewerber für einen Posten, muss um Mehrheiten gerungen werden. Es gibt Gewinner, es gibt Verlierer. Dass die CSU hinter ihrem Kandidaten stand, die CDU hinter ihrem, ist wenig überraschend. In diesem Machtkampf zwischen Söder und Laschet ging der Riss nicht nur durch eine Parteienfamilie, sondern quer durch alle Ebenen.

Durch die Bundestagsfraktion, die Länder (Baden-Württemberg für Söder, Nordrhein-Westfalen für Laschet), mitten durch Landesverbände (Berlin, Rheinland-Pfalz), durch den Osten (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen für Söder, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern für Laschet). Selten war der Ton untereinander so böse, so verletzend.

Die Appelle an Geschlossenheit kamen heute prompt. "Union, das heißt nach der Entscheidung zusammenstehen und gemeinsam nach vorne blicken", so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der eigentlich mal im Team mit Laschet angetreten war. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sagte, die Union sei "pragmatisch". Die "Lust am Siegen" sei größer, als sich auf die Gräben zu konzentrieren.

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Trotzdem ist für Söder-Anhänger wie Christian Hirte, Landesvorsitzender in Thüringen, nicht alles vorbei. Die Entscheidung für Laschet sei eine "Entscheidung gegen die CDU-Basis". Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann aus Bremen twitterte: "Projekt Kanzlerkandidat gegen die eigene Parteibasis. Das hat es noch nie gegeben!" Um kurz danach versöhnlichere Töne anzustimmen: Nach der Rede Söders könne man "die Union jetzt gemeinsam nach vorne blicken".

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Ein Gutes hat dieser Machtkampf für Laschet: Er weiß nun, wo jeder steht. Wie nachtragend Laschet ist, kann er nur selbst beantworten. Ob persönliche Verletzungen bleiben? Laschet sagt, er schätze "das offene Wort". Und: Er nehme es, wie es kommt. Dass sein Rivale um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, sich jetzt für ihn ausgesprochen habe, freue ihn:

Man kann aus einem Wettbewerb so rauskommen, dass ein neues Team entsteht.
Armin Laschet

Das Durcheinander

In 72 Jahren Bundesrepublik mussten CDU/CSU jetzt erst zum dritten Mal einen Kanzlerkandidaten suchen. Bislang nur 1949 bei Konrad Adenauer und 2005 bei Angela Merkel. Sonst ergab sich die Kandidatur von Amtierenden immer von selbst. Da kann man schon mal etwas aus der Übung kommen.

Die vorigen Tage haben gezeigt, dass der ganze Prozess schlecht vorbereitet war. Als Söder sich nicht so schnell geschlagen gab, war die CDU blank, wie sie den Prozess nun organisieren soll. Am Montagmittag kündigte Laschet an, dass es eine Entscheidung im Bundesvorstand geben soll. Doch vorbereitet war die offensichtlich nicht.

Die Online-Abstimmung geriet zum Desaster – Links, die im Spam-Ordner landen, wer darf abstimmen und wäre das Ergebnis überhaupt gültig? Wolfgang Schäuble soll laut "Spiegel" gesagt haben:

Es geht alles schief.
Wolfgang Schäuble

Überhaupt dringt aus dieser entscheidenden Sitzung mehr nach draußen, als der CDU lieb sein kann. Alles klingt nach Durcheinander. Heute sagt Laschet, irgendwann wolle man wieder vertraulich tagen. Er wünsche sich aber auch eine "Kultur der Transparenz": "Ich will den Dialog."

Wie weit der gehen soll, ist fraglich. Fraktionschef Brinkhaus sagt, beim nächsten Mal müsse "rechtzeitig vorher definiert" werden, wie ein solcher Prozess ablaufen soll. Aus den letzten Tagen müsse man lernen. Wer schuld am Durcheinander ist, ist laut Brinkhaus auch klar: "Das ist Aufgabe der Generalsekretäre, die müssen was vorlegen."

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