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Kardinal bietet Rücktritt an : Marx' Schritt erhöht Druck auf Reformgegner

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Kardinal Marx bietet den Rücktritt an. Erstmals übernimmt ein wichtiger Kirchenmann Verantwortung für die Institution Kirche beim Thema Missbrauch. Auch ein Signal an Reformgegner.

Die Nachricht, dass Kardinal Reinhard Marx dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat, löste in der katholischen Kirche weltweit ein Beben aus. Marx gehört als Münchner Erzbischof zu den Schwergewichtern im Kardinalskollegium - als enger Berater von Papst Franziskus ist er zugleich einer der einflussreichsten Kirchenmänner.

Deshalb wird sich das Kirchenoberhaupt die Entscheidung nicht leicht machen, ob er das Rücktrittsangebot annimmt. In einer ersten Reaktion bat er Marx, weiter im Amt zu bleiben.

Marx sieht Kirche an "totem Punkt"

Der Münchner Erzbischof sieht die katholische Kirche in Deutschland an einem "toten Punkt", weil niemand wirklich Verantwortung übernehmen möchte und notwendige Reformen nicht angepackt werden. Marx macht in einem Brief an den Papst deutlich, was ihn zu dem Schritt bewogen hat.

Zum einen will er als Vertreter der Institution Verantwortung übernehmen für die Fehler, die in der Vergangenheit im Umgang mit Missbrauchsfällen und deren Aufarbeitung begangen wurden. Die Untersuchungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, "dass es viel persönliches Versagen und administrative Fehler gab, aber eben auch institutionelles oder systemisches Versagen".

Man könne die Verantwortung daher nicht nur auf frühere Generationen abwälzen. Marx schreibt:

Ich empfinde jedenfalls meine persönliche Schuld und Mitverantwortung auch durch Schweigen, Versäumnisse und zu starke Konzentration auf das Ansehen der Kirche.
Kardinal Marx

Kardinal kritisiert Reformgegner

Der Münchner Kardinal wehrt sich mit seinem Schritt zudem gegen Tendenzen, die Mitverantwortung und Mitschuld der Institution "nicht wahrhaben zu wollen und deshalb jedem Reform- und Erneuerungsdialog im Zusammenhang mit der Missbrauchskrise ablehnend gegenüberzustehen".

Eine Konsequenz aus dem institutionellen Versagen müssen, so Marx, Reformen sein, idealerweise herbeigeführt durch einen "Synodalen Weg". Marx hatte 2019 zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken den Gesprächsprozess "Synodaler Weg" initiiert, der zu institutionellen Reformen führen sollte, etwa durch Veränderungen bei der Machtverteilung in der Kirche, bei der Sexualmoral, dem Zölibat sowie der Rolle der Frau.

Kardinal Reinhard Marx. Archivbild

Katholische Kirche - Kardinal Marx bietet Papst Amtsverzicht an 

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, hat Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Die Kirche müsse sich erneuern, erläuterte er in einer Pressekonferenz.

Unter anderem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Stefan Oster aus Passau kritisieren den Prozess und sehen keine Notwendigkeit für Reformen. Auch aus dem Vatikan gab es Kritik, zuletzt Mitte März mit der Bestätigung des Verbots der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Eine solche Segnung hätten sich viele, die am Synodalen Weg beteiligt sind, vorstellen können.

Marx erhöht Druck auf Papst und Bischöfe

Marx' Entscheidung ist damit ein Fingerzeig in Richtung der Kritiker in Deutschland und im Vatikan. Letztendlich baut er auch Druck auf Papst Franziskus auf, sich eindeutiger zu positionieren. Der Münchner Kardinal war stets überzeugt, dass der Papst sein Handeln unterstützt.

Doch die Störfeuer aus Rom, die meist mit Zustimmung des Kirchenoberhaupts kamen, ließen Zweifel aufkommen. Marx erhöht aber auch den Druck auf die Bischöfe in Deutschland, allen voran Kardinal Woelki, der wegen seiner Art der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln in der Kritik steht.

Auch wenn noch nicht abschließend geklärt ist, ob auch Marx in Trier und München Fehler beim Umgang mit Missbrauchsfällen gemacht hat, genießt er als Verfechter von Reformen ein hohes Ansehen bei den Gläubigen.

Franziskus vor schwieriger Entscheidung

Würde Franziskus den Rücktritt einfach annehmen, würde das die katholische Kirche nicht nur in Deutschland noch tiefer in die Krise stürzen. Es steht damit auch die Frage auf dem Spiel, wie ernst es Papst Franziskus mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und den daraus resultierenden notwendigen Reformen ist.

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