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Kardinal Marx zieht sich zurück - Ein Schwergewicht tritt in die zweite Reihe

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Kardinal Marx verzichtet auf eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Offizielle Begründung: Generationenwechsel. Doch hinter den Kulissen brodelt es.

Archiv: Kardinal Reinhard Marx spricht im Bayerischen Landtag bei der Verleihung der Verfassungsmedaille.
Kardinal Marx will nicht wieder als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz antreten. (Archiv)
Quelle: DPA

Die Nachricht kam überraschend. Kardinal Reinhard Marx wird bei der turnusmäßigen Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Anfang März nicht mehr kandidieren. Die Statuten lassen eine einmalige Wiederwahl zu. Doch der Münchner Erzbischof will nicht mehr. "Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen", schreibt Marx in einem Brief an seine Bischofskollegen als offizielle Begründung.

Die "jungen Wilden" drängen nach vorn

In der Tat gab es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Neubesetzungen in der ersten Reihe der Bischofskonferenz. Es gibt eine Reihe jüngerer Bischöfe, die auf Veränderung drängen und den notwendigen Reformbedarf sehen.

Dazu zählen etwa der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Heiner Wilmer in Hildesheim oder Stefan Heße in Hamburg. Zu ihnen gesellen sich der Limburger Bischof Georg Bätzing, Karl-Heinz Wiesemann in Speyer und Stephan Burger in Freiburg. Während bei Kardinal Marx durch verschiedene Posten im Vatikan die Kräfte gebunden sind, könnte einer aus der Reihe der "jungen Wilden" sich stärker auf die notwendigen Prozesse in der Bischofskonferenz konzentrieren.

Zweite Gruppe versucht, Veränderungen zu bremsen

Allerdings ist es längst nicht ausgemacht, dass einer von ihnen neuer Vorsitzender wird. Denn es gibt eine zweite Gruppe von Bischöfen, die in der Öffentlichkeit als Bremser wahrgenommen werden, wenn es um Veränderungen geht. Angeführt wird diese Gruppe vom Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki.

Es gehören aber auch die Bischöfe von Regensburg, Rudolf Voderholzer, von Passau, Stefan Oster, und Eichstädt, Gregor Maria Hanke, dazu. Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, die Mehrheit der Bischofskonferenz auszubremsen.

Kritiker kosten Marx Kraft

Die Querschüsse haben den Vorsitzenden Marx in den vergangenen sechs Jahren viel Kraft gekostet, etwa die Kritik der Konservativen am Synodalen Weg oder an der Regelung des Kommunionempfangs für den nichtkatholischen Partner bei konfessionsverschiedenen Ehen.

Immer wieder spielten die Kritiker der Mehrheitslinie über die Bande Rom und versuchten durch den Vatikan, Reformen zu verhindern. Auch die ständigen Anwürfe aus konservativen Kreisen, Marx sei ein Häretiker - also einer, der von der offiziellen Kirchenlehre abweicht - und wolle eine eigene deutsche Nationalkirche gründen, gingen nicht spurlos an ihm vorüber.

Gegenwind von jungen Bischöfen

Der Vorsitzende verspürte zuletzt aber auch Gegenwind vonseiten der jüngeren Bischöfe. Sie kritisierten seinen Führungsstil, beklagten mangelnde Kommunikation intern und mit dem Vatikan. Sie fordern eine Reform der Bischofskonferenz, weil sie Entscheidungsprozesse und die Organisation von Abläufen nicht mehr als zeitgemäß erachten.

Immer wieder empfahlen ihm seine Ärzte, kürzer zu treten. Als Vorsitzender muss Marx Moderator sein. Diese Rolle fällt dem meinungsfreudigen Kardinal bisweilen schwer. Wenn er nun ins Glied zurücktritt, könnte das für seine Anliegen auch von Vorteil sein. Denn künftig kann er offen und klar für seine Anliegen eintreten.

Den Synodalen Weg, eines der wichtigsten Projekte der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland, hat er vor eineinhalb Wochen gut aufs Gleis gesetzt. Er wird diesen weiter entscheidend mitprägen. Denn als Erzbischof von München und mit seinen Aufgaben im Vatikan an der Seite des Papstes wird er auch in der zweiten Reihe ein Schwergewicht bleiben.

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