Sie sind hier:

Gastgeber der WM 2022 - Verhältnis zu Taliban: Wo steht Katar?

Datum:

Katar - als Ausrichter der WM 2022 - soll angeblich die Taliban aktiv im Kampf in Afghanistan unterstützen. Stimmt das? Ein Überblick.

Arhciv: Blick in das Khalifa International Stadium in Doha
Khalifa International Stadium in Doha: Katar soll die WM 2022 ausrichten.
Quelle: dpa

In dieser Woche spielen wieder etliche Nationalmannschaften um die Qualifikation zur Fußball-WM 2022 in Katar. Das überaus reiche Emirat am Persischen Golf steht seit der Vergabe des Turniers Ende 2010 öffentlich in der Kritik - vorrangig wegen der Menschenrechtslage und den Lebensbedingungen für ausländische Arbeiter.

Nun rückt zudem die Verbindung Katars zu den militant-islamistischen Taliban in den Fokus, die in Afghanistan die Macht übernommen haben. Die Taliban betreiben seit Jahren ein Büro in Katar. Kritiker, vor allem die Nachbarstaaten, werfen dem WM-Gastgeber vor, die Islamisten zu unterstützen. Aber was ist dran an den Vorwürfen?

Taliban-Büro seit Jahren in Doha

Die Taliban unterhalten seit Jahren ihr sogenanntes politisches Büro in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Luftwaffe des Golf-Emirats flog kurz nach der Einnahme der Hauptstadt Kabul auch den Vizechef der Taliban und Leiter des politischen Büros, Mullah Abdul Ghani Baradar, zurück nach Afghanistan.

In Deutschland wurden danach wieder Rufe nach einem Boykott der WM laut, unter anderem von der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Auch CDU-Chef und -Kanzlerkandidat Armin Laschet kritisierte den WM-Ausrichter. Tatsächlich hat Katar ein gutes Verhältnis zu den Islamisten, das sich auch durch die Religion erklären lässt. Beide sind Anhänger des sunnitischen Islam.

Bundesaußenminister Heiko Maas geht davon aus, dass noch 300 deutsche Staatsbürger in Afghanistan sind, zudem würden sich weiter ehemalige Ortskräfte als Ausreisewillige melden. Die Taliban hätten sich bereit erklärt Ausreisen zuzulassen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Die Islam-Lesart der Taliban geht auf die in Indien entstandene Deobandi-Bewegung zurück. Diese wurde über Jahre stark vom saudischen Islam geprägt, dem puritanischen und streng konservativen Wahhabismus, der auch in Katar praktiziert wird. Doch im Detail ist die Beziehung komplexer.

Büro-Eröffnung laut Katar auf Wunsch Obamas

Während der ersten Herrschaft der Taliban in Kabul zwischen 1996 und 2001 erkannte Katar diese im Gegensatz zu seinen Golf-Nachbarn Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) nicht an. Gleichzeitig behielt das Emirat zu den Taliban aber "freundliche" Beziehungen, wie es damals hieß. 2013 eröffneten die Taliban dann das politische Büro in Doha. Allerdings wird in Katar darauf verwiesen, dass dies auf Wunsch der US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama erfolgt sei.

Die Amerikaner hätten damals einen Gesprächsfaden zu den Taliban gesucht, um über einen Gefangenenaustausch zu verhandeln. Auch später übernahmen die Katarer bei der Kommunikation zwischen Washington und den Taliban eine zentrale Rolle als Vermittler. So war Doha Gastgeber der Friedensgespräche zwischen beiden Seiten, die unter Obamas Nachfolger Donald Trump begannen. Wieder sei Katar einem Wunsch der Amerikaner nachgekommen, heißt es aus Kreisen im Emirat.

Katar holt 40.000 Zivilsten aus Kabul

In den vergangenen Tagen flogen die Luftwaffen Katars und der USA nach Angaben aus Doha mehr als 40.000 Zivilisten aus Afghanistan zur katarischen Luftwaffenbasis Al-Udeid. Katar nutzte seine Kontakte zu den Taliban, um die Schutzbedürftigen in Kabul einzusammeln und in einem Konvoi zum Flughafen zu bringen. Darunter waren auch Deutsche.

Etwa 300 Deutsche sitzen noch in Afghanistan fest. Am Dienstagabend hat Außenminister Maas mit dem Außenminister Katars über eine Lösung für die Afghanistan-Krise beraten.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.