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Katholische Kirche - Kardinal Marx bietet Papst Amtsverzicht an

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Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, hat Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Die Kirche müsse sich erneuern, erläuterte er in einer Pressekonferenz.

Kardinal Reinhard Marx hat dem Papst seinem Rücktritt angeboten. Es gehe ihm vor allem darum, Mitverantwortung für sexuellen Missbrauch durch Amtsträger zu übernehmen.

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Der Münchner Kardinal Marx hat Papst Franziskus um die Entbindung von seinem Bischofsamt gebeten. Diesen Rücktrittsbeschluss hat er nach eigenem Bekunden bereits vor Ostern gefasst. Vor Journalisten sagte Marx in München, das Amtsverzicht-Schreiben an Papst Franziskus sei "zu 95 Prozent" bereits an Ostern fertig gewesen.

Entscheidung Papst vorab mitgeteilt

Er habe es dem Papst bei einem Besuch in Rom am 21. Mai vorgelesen. Dieser habe ihn um Bedenkzeit gebeten und ihn vergangene Woche per E-Mail und telefonisch ermutigt, den Schritt und das Schreiben öffentlich zu machen. "Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten", hatte Marx dem Papst nach Angaben des Erzbistums vor zwei Wochen geschrieben.

Rücktritt kein Aufruf für andere Amtsträger

Marx betonte in der Pressekonferenz, die Frage nach seinem Amtsverzicht bewege ihn schon längere Zeit.

Und so ist es eben dazu gekommen, dass ich mir seit Anfang des Jahres Gedanken mache und dann in der Karwoche, in der Fastenzeit und in der Osterzeit das auch für mich geistlich bedacht habe im Gebet.
Kardinal Marx

Dabei will der Marx seinen angekündigten Rücktritt nicht als Aufruf an andere Amtsträger wie den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verstanden wissen, seinem Schritt zu folgen. "Ich möchte auf die Mitbrüder da nicht einwirken", sagte Marx in München. Er trage Verantwortung für das Erzbistum München und Freising und habe eine ganz persönliche Entscheidung getroffen.

Jeder muss seine Verantwortung wahrnehmen in der Art und Weise, wie er es tut. Und da kann ich keinem Vorschriften machen und möchte es auch nicht.
Kardinal Marx

Marx erläuterte die Gründe für seinen Schritt ausführlich:

Ich bin nicht amtsmüde, ich bin nicht demotiviert - sicher nicht! Ich bin überzeugt, dass diese Gesellschaft die Stimme des Evangeliums braucht. Aber dafür braucht es auch eine Kirche, die sich immer wieder erneuert.
Kardinal Marx

Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, kommentiert das Rücktrittsangebot des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx.

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Marx: Manche in der Kirche nicht zu Reform bereit

Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen", so Marx.

Die Diskussionen der letzten Zeit hätten gezeigt, "dass manche in der Kirche gerade dieses Element der Mitverantwortung und damit auch Mitschuld der Institution nicht wahrhaben wollen und deshalb jedem Reform- und Erneuerungsdialog im Zusammenhang mit der Missbrauchskrise ablehnend gegenüberstehen." Dieser Haltung erteilte er eine klare Absage.

Marx: Kirche an "totem Punkt" angekommen

Die katholische Kirche sei an einem "toten Punkt" angekommen. Mit seinem Amtsverzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für neue Anfänge, für einen neuen Aufbruch der Kirche.

Ich will zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund steht, sondern der Auftrag des Evangeliums.
Kardinal Marx

Der in Deutschland begonnene Reformprozess Synodaler Weg müsse weitergehen, für den Marx sich stark eingesetzt hat.

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, unterstützt die Forderung von Kardinal Marx nach einer Zeitenwende in der katholischen Kirche.

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"Da geht der Falsche"

ZdK-Präsident Thomas Sternberg reagierte in der "Rheinischen Post" mit Bedauern auf Marx' beabsichtigten Rückzug: "Da geht der Falsche", sagte er. Es fehle dann "eine ganz wichtige Persönlichkeit im deutschen Katholizismus".

Auch der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, es würde die "starke Stimme"

Kardinal Marx will mit seinem Schritt ein Zeichen setzen und institutionelle Verantwortung persönlich übernehmen, die die Kirche im Zusammenhang mit den Fällen sexuellen Missbrauchs und ihre Vertuschung zu tragen hat,

erklärte der aktuelle Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Unabhängig davon müssten Bischofskonferenz und Bistümer weiterhin ihrer Verantwortung zur Aufarbeitung nachkommen, betonte er.

Die Kirche und der Missbrauch

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Experte: Rücktritt Kritik an Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs

Der Kirchenexperte Thomas Schüller wertete das Rücktrittsangebot auch als Kritik an der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln.

Er greift Kardinal Rainer Maria Woelki frontal an, wenn er von denen spricht, die sich hinter juristischen Gutachten verstecken und nicht bereit sind, die systemischen Ursachen der sexualisierten Gewalt in der Kirche mit mutigen Reformen anzugehen,

sagte Schüller, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität lehrt.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bekundet "großen Respekt" vor dem Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals Reinhard Marx. Er selbst will aber offenbar auf seinem Posten bleiben.

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