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Katholische Kirche - Papst lässt Vorgänge im Erzbistum Köln prüfen

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Papst Franziskus schickt zwei externe Prüfer ins Erzbistum Köln. Es geht auch um die Frage, ob Kardinal Rainer Maria Woelki Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen begangen hat.

Seit vielen Monaten steckt das Erzbistum Köln in einer tiefen Krise - wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen. Jetzt hat Papst Franziskus reagiert und schickt zwei Bischöfe als Prüfer.

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Dazu hat er nun den Bischof von Stockholm, Kardinal Anders Aborelius, und den Bischof von Rotterdam, Johannes von den Hende, zu Apostolischen Visitatoren ernannt. Sie sollen untersuchen, ob hochrangige Vertreter des Erzbistums Köln Fehler gemacht haben im Umgang mit Missbrauchsfällen. Dazu zählen neben dem amtierenden Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, auch die Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff sowie der heutige Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, der vor seiner Zeit in Hamburg in verantwortlicher Position im Erzbistum Köln tätig war.

Beschwerde über Fehlverhalten Woelkis

Schwaderlapp, Puff und Heße hatte ein juristisches Gutachten, dass Mitte März veröffentlicht worden war, Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen bescheinigt. Sie hatten daraufhin ihre Ämter ruhen lassen. Woelki waren in dem Gutachten keine Fehler nachgewiesen worden. Dennoch hatte es wiederholt Vorwürfe gegeben, auch er habe sich in mehren Fällen falsch verhalten und etwa Meldungen von Verdachtsfällen nach Rom unterlassen. Woelki hatte das stets bestritten.

Nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens räumt Kardinal Woelki eigene Schuld ein, lehnt aber einen Rücktritt nach wie vor ab. Er kündigt aber weitere Konsequenzen an.

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Erst gestern war bekannt geworden, dass der in diesem Fall zuständige Bischof von Münster, Felix Genn, neuerlich eine Beschwerde über ein Fehlverhalten Woelkis im Kontext eines Missbrauchsfalls nach Rom weitergereicht habe. Dass die Visitatoren auch die Rolle Schwaderlapss, Puffs und Heßes klären sollen, zeigt, dass der Vatikan das Gutachten, das Mitte März veröffentlicht wurde, studiert hat und nun selbst klären lassen will, was vorgefallen ist.

Versäumisse bei Missbrauchsfällen

Die Debatte um die Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln begann im Frühjahr 2020. Kardinal Woleki hatte damals verfügt, dass ein erstes Missbrauchsgutachten nicht veröffentlicht wird. Als Begründung wurden juristische Bedenken angegeben. Seitdem ist das Vertrauen zwischen dem Erzbischof und vielen Gläubigen zerrüttet.

Ausdruck dafür ist etwa die Aufforderung von rund 140 Gläubigen der Düsseldorfer Kirchengemeinde St. Margareta an Woelki, er möge auf die für Anfang Juni geplante Firmung in der Pfarrei verzichten. In der Gemeinde waren zwei Priester tätig, die des sexuellen Missbrauchs verdächtigt werden. In beiden Fällen wird Woelki vorgeworfen, zu lange seine schützende Hand über die Priester gehalten zu haben. Gestern Abend besuchte der Erzbischof die Pfarrei, um mit den Gläubigen zu sprechen.

Papst Franziskus hat den zweiten Tag seiner Ägypten-Reise mit einer großen Messe in Kairo begonnen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Gottesdienst in ein Stadion auf einem Militärgelände verlegt.

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Fehlersuche bei Woelki

Bei der Visitation im Juni geht es daher nicht nur um die Frage, ob Woelki und die anderen Bischöfe in konkreten Fällen Fehler gemacht haben, sondern es ist auch die "komplexe pastorale Situation im Erzbistum" im Blick. Für die Visitatoren bedeutet das, dass sie neben der Fehlersuche die Frage klären müssen, ob Woelki weiter Erzbischof von Köln bleiben kann. Denn selbst wenn ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann, ist ungewiss, ob wieder Vertrauen zwischen dem Bischof und den Gläubigen aufgebaut werden kann.

Vatikan sieht sich gezwungen einzugreifen

Für Deutschland ist der Vorgang ein durchaus ungewöhnlicher Akt. Selbst im Falle Limburgs hatte Franziskus 2013 zwar einen hochrangigen Kardinal zur Begutachtung der Situation geschickt, aber es handelte sich nicht um eine offizielle Apostolische Visitation. In Köln ist das anders. Hier geht es um eine der bedeutendsten Diözesen der Weltkirche, um das Schicksal eines Kardinals und drei Bischöfen. Dafür braucht es einen offiziellen Prozess, um Licht in die Situation zu bringen. Es zeigt zugleich, dass der Vatikan nicht davon überzeugt ist, dass das Erzbistum aus eigener Kraft die schwierige Situation klären kann.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

Kardinal Rainer Maria Woelki

Aufarbeitung Missbrauchsskandal - Papst schickt Prüfer nach Köln 

Im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Vertuschung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln hat Papst Franziskus eine Untersuchung angeordnet. Sie soll Klarheit bringen.

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