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Wenn Traditionen Leben zerstören

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Genitalverstümmelung in Kenia - Wenn Traditionen Leben zerstören

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Sie sind noch Kinder, wenn es geschieht: Trotz eines Verbots werden immer noch viele kenianische Mädchen genital verstümmelt - mit lebenslangen Folgen.

Eine Person mit Rasierklingen in Afrika
Eine Beschneidung wird oft mit Rasierklingen oder Messern vorgenommen.
Quelle: Reuters

Den Mädchen und jungen Frauen wird Angst gemacht: Ohne eine Beschneidung seien sie von der Gesellschaft ausgeschlossen, kein Mann werde sie heiraten - in traditionellen Stämmen in Kenia die Prophezeiung für ein unglückliches Leben in Armut.

Lebenslange Folgen

Laut einer Unicef-Umfrage mussten sich knapp ein Fünftel der Kenianerinnen zwischen 15 und 49 Jahren einer genitalen Verstümmelung (FGM) unterziehen. Meistens waren sie zwischen acht und 16 Jahre alt. Bei dem Eingriff werden - in der Regel ohne Betäubung - die äußeren Geschlechtsorgane entfernt, oft mit Rasierklingen oder Messern, die nicht desinfiziert sind. Die körperlichen Folgen sind, sofern die Frauen den Eingriff überleben, unter anderem Inkontinenz, fehlende Libido, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und der Periode.

Die chronischen Schmerzen entstehen durch Vernarbungen. Das Gewebe verhärtet und kann sich nicht mehr dehnen. Besonders schlimm ist das, wenn die Frauen schwanger werden. Natürliche Geburten sind unmöglich oder für Frau und Baby lebensbedrohlich. Neben den körperlichen Folgen leiden viele der Frauen ein Leben lang unter psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen oder einem geringen Selbstwertgefühl.

Gesetz gegen Genitalverstümmelung in Kenia greift nicht

2011 griff die kenianische Regierung ein und erließ ein Gesetz, das die genitale Verstümmelung von Frauen unter 18 Jahren verbietet und unter Strafe stellt.

Dass dies nicht ausreicht, weiß vor allem Dorcus Parit. Sie ist selbst Mutter und leitet seit 2013 eine Hilfsorganisation, die sich gegen Genitalverstümmelung einsetzt. Ihr Ziel ist es, die Mädchen noch vor einer Beschneidung aus ihren Familien zu holen und ihnen ein Zuhause zu ermöglichen, wo sie sich wohlfühlen können und keine Angst haben müssen.

Dorcus Parit
Dorcus Parit will möglichst viele Mädchen vor der Beschneidung bewahren.
Quelle: Joy Lusige

Manchmal ist es aber schon zu spät, wenn sie kommt. Die Familien haben Taktiken entwickelt, wie sie die Mädchen trotz Beobachtung durch die Polizei oder Hilfsorganisationen beschneiden können. Seit es das Gesetz gibt, finden die gefährlichen Prozeduren meist nachts statt. Die Tradition schreibe eigentlich vor, es frühmorgens zu tun, berichtet Dorcus Parit. Auch sei es ein Problem, dass Beschneidungen meist nicht mehr bei den Familien zu Hause stattfinden, sondern draußen im Busch. Das mache eine Kontrolle schwieriger, zudem greife die Regierung nicht genügend durch.

"Mein Leben hat sich wirklich verändert"

Etwa 500 Mädchen konnten Dorcus Parit und ihre Hilfsorganisation schon vor einer Genitalverstümmelung retten. Parit und ihr Team begleiten und ermutigen sie darin, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und zur Schule zu gehen. "Mein Leben hat sich wirklich verändert. Mir geht es gut, seit ich an diesem sicheren Ort bin. Zu Hause wäre es nicht so. Mein Leben ist schön. Ich darf zur Schule gehen und bekomme alles, was ich brauche", berichtet eine junge Frau.

Mädchen, die gerettet werden konnten.
Mädchen, denen Dorcus Parit und ihr Team zu einem neuen Zuhause verhelfen konnten.
Quelle: Joy Lusige

Dorcus Parit hat ein großes Netzwerk. Meistens wird sie von Familienmitgliedern der Mädchen angerufen. Regelmäßig gehen sie und ihre Kollegen in Dörfer, in denen die Beschneidung noch betrieben wird, und klären über die Folgen auf.

Solange die Regierung nicht effizient durchgreift, wollen Dorcus Parit und ihre Organisation weiterkämpfen.

Genitalverstümmelung: Fragen und Antworten

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