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Bilanz deutscher Firmen "sehr, sehr negativ"

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Tag gegen Kinderarbeit - Bilanz deutscher Firmen "sehr, sehr negativ"

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Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will deutschen Firmen verbieten, von Kinderarbeit zu profitieren. Notfalls per Gesetz.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kritisiert, nicht alle deutsche Firmen können in ihrer Produktionskette Kinderarbeit ausschließen.

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ZDFheute: Wegen der Corona-Krise fallen weltweit in großem Stil Arbeitsplätze weg. Kann das den Druck auf Familien erhöhen und die Gefahr von Kinderarbeit verstärken?

Gerd Müller: Ganz erheblich. In den Entwicklungs- und Schwellenländern haben ja Eltern millionenfach ihren Arbeitsplatz verloren. Es war sowieso schon eine schwierige Lage für die Kinder, aber jetzt haben viele auch noch ihre Mahlzeiten verloren: Eine Milliarde kann nicht zur Schule gehen. Also die Lage ist im Augenblick für Kinder und Familien dramatisch.

ZDFheute: Wie kann sich ein Lieferkettengesetz, das Standards für alle Zulieferungen aus dem Ausland festlegt, im günstigsten Fall auf das Thema Kinderarbeit auswirken?

Müller: Es ist wichtiger als je zuvor, dass wir die Situation vor Ort kennen. In der Textilproduktion, in der Schuhproduktion. Ich war noch im Februar in Bangladesch, aber jetzt sind die Firmen alle geschlossen. Das ist das eine Problem. Drei Millionen Frauen, Mütter, stehen auf der Straße und wir müssen ihnen helfen, jetzt. Aber dahinter stehen Millionen von Kindern.

Mica ist ein natürliches Mineral, das vielen Kosmetika Glanz verleiht. Doch es hat auch eine dunkle Seite. Denn oft wird der glamouröse Rohstoff aus illegalen Minen und von Kindern gefördert.

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Das Lieferkettengesetz kann ganz konkret die Situation verändern. Nämlich indem am Anfang, dort, wo unsere Kleidung, unsere Schuhe, unser Kaffee produziert wird, ein anständiger, fairer, existenzsichernder Lohn gezahlt wird. Und jetzt soll keiner erschrecken: Im Augenblick bekommen diese Frauen 15 Cent in der Stunde. Wenn wir bereit wären 25 oder 30 Cent zu zahlen, dann könnten die Frauen ihre Kinder zur Schule schicken. Und die Kinder müssten nicht mitarbeiten.

ZDFheute: Im Moment sind CSU und SPD für dieses Gesetz, die CDU ist skeptisch. Wie zuversichtlich sind Sie, das in dieser Legislaturperiode noch hinzukriegen?

Müller: Weltweit besteht Konsens, dass Kinderarbeit gestoppt werden muss und das seit 70 Jahren. Aber die Realität ist eine brutal andere. Täglich arbeiten 75 Millionen Kinder auf den Baumwoll-, Kaffee- und Kakaoplantagen oder in den Steinbrüchen, auch für unsere Grabsteine. Und das gilt es zu verändern. Deshalb rufe ich zu einem Bündnis in der Politik auf. Wir können mit diesem Lieferkettengesetz das Allerwichtigste erreichen: Dass Kinder zur Schule gehen können und nicht im Steinbruch für uns malochen müssen.

ZDFheute: Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse ein? Kann es noch in dieser Wahlperiode gelingen?

Müller: Ja, zusammen mit Sozialminister Hubertus Heil. Wir haben ein klares Verfahren. Zunächst ein Monitoring, wie sich Firmen selbst einschätzen, ob sie die Standards umsetzen. Das ist abgeschlossen. So, wie es ausschaut, sind die Ergebnisse wieder sehr, sehr negativ. Das heißt, längst nicht 100 Prozent der deutschen Firmen können in ihrer Produktionskette Kinderarbeit ausschließen. Wir warten jetzt die Veröffentlichung der Ergebnisse ab. So sich die negativen Ergebnisse bestätigen, werden wir eine Gesetzesinitiative vorlegen.

Immer mehr Firmen werben mit nachhaltig hergestellten Produkten und fairen Lieferketten. Oft betrifft dies aber nur einen kleinen Teil des Sortiments. Beim großen Rest läuft es wie immer.

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ZDFheute: Was kann der Verbraucher jetzt schon tun, um Produkte zu kaufen, die nicht von Kindern hergestellt wurden?

Müller: Wir müssen auf Zertifizierung achten. Das fängt bei Nahrungsmitteln, bei Bananen oder Kaffee an. Wo Fair Trade draufsteht, steckt auch keine Kinderarbeit drin. Bei Textilien haben wir den Grünen Knopf als ökologisch-sozial verantwortliches Siegel. Wer also Kleider kaufen will, ohne dass Kinderarbeit drin steckt, Kleider, die fair produziert wurden, der sollte auf den Grünen Knopf als Textilsiegel achten.

Das Interview führte Andreas Kynast.

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