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Kinderrechte werden "mit Füßen getreten"

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Unicef-Deutschland-Chef - Kinderrechte werden "mit Füßen getreten"

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Von dem Brand im Flüchtlingslager Moria waren mehr als 3.000 Kinder betroffen. Weltweit sind Kinder auf der Flucht in einer schwierigen Lage. Wie steht es um die Kinderrechte?

Kind aus dem Flüchtlingslager in Moria
Im Flüchtlingslager Moria ist die Situation für Kinder oft schwierig.
Quelle: ap

Vor rund 30 Jahren wurde die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Doch auch heute werden diese Rechte für Kinder weltweit immer wieder verletzt. Besonders Kinder auf der Flucht sind oft betroffen.

ZDFheute: Wie steht es international um die Kinderrechte?

Christian Schneider: Die Kinderrechte gelten überall auf der Welt und ohne Unterschied für jedes Kind. Vor 30 Jahren ging es den Kindern auf der Welt in vielerlei Hinsicht schlechter als heute. Es gibt seither viele Verbesserungen - zum Beispiel gehen mehr Kinder in die Schule oder sind vor Krankheiten besser geschützt. Aber die Kinderrechte werden auch immer wieder missachtet und mit Füßen getreten.

ZDFheute: Weltweit sind viele Kinder auf der Flucht. Was könnte die Weltgemeinschaft tun, um die Lage für Kinder zu verbessern?

Schneider: Insbesondere für geflüchtete und migrierte Kinder müssen Schutzmaßnahmen gegen Gewalt und Ausbeutung ergriffen und gute Voraussetzungen für ihre Integration geschaffen werden. Familien sollen zusammenbleiben. Und auch unter schwierigen Bedingungen wie in einem Flüchtlingslager müssen Kinder immer auch spielen können, sprich: eine Kindheit haben, die diesen Namen verdient.

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ZDFheute: Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos leben auch Tausende Kinder. Wie sehen Sie die Lebensbedingungen für die Kinder dort?

Schneider: Das Lager Moria ist kein Ort, in dem Kinder leben und aufwachsen sollten. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder auf den unhaltbaren und unwürdigen Zustand hingewiesen: Überfüllung, schlechte hygienische Bedingungen, Krankheiten, Stress und Perspektivlosigkeit – ein trostloser Wartezustand, der Körper und Seele der Kinder zermürbt.

ZDFheute: Was ist mit Blick auf Kinderrechte besonders wichtig in Flüchtlingsunterkünften wie Moria?

Schneider: Ihr Schutz, die medizinische und psychologische Versorgung sowie Zugang zu Bildung und Möglichkeiten zu spielen müssen jederzeit garantiert sein. Kinder brauchen langfristige Perspektiven, sie brauchen die Möglichkeit, sich über Missstände beschweren zu können und ihr Wohlbefinden muss laufend überprüft werden. Das sind die grundlegenden Rechte, die jedes Kind hat.

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Beitragslänge:
7 min
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ZDFheute: Nach dem Feuer hat sich die Situation in Moria weiter verschärft. Wie kann jetzt schnell und effektiv Kindern geholfen werden?

Schneider: Die Menschen müssen schnellstens sicher untergebracht und mit dem Nötigsten versorgt werden. Über 3.000 Kinder brauchen Schutz und müssen so rasch wie möglich wieder ein Stück Normalität erfahren.

ZDFheute: Welche Auswirkungen hat das Coronavirus für Kinder auf der Flucht?

Schneider: Geflüchtete und migrierte Kinder sind weltweit von der Covid-19-Pandemie besonders betroffen. In überfüllten Flüchtlingslagern leben sie oft unter Bedingungen, die den Schutz vor dem Coronavirus fast unmöglich machen und unter denen sich das Virus sehr leicht ausbreiten kann.

Gerade jetzt ist es wichtig, die bestehenden Einrichtungen und Maßnahmen für Kinder zu verstärken – zum Beispiel Spiel- und Lernangebote sowie Anlaufstationen für besonders gefährdete Kinder und Frauen.

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1 min
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ZDFheute: Deutschland hat angekündigt, Kinder aus Moria aufzunehmen. Ein Schritt in die richtige Richtung oder ein Tropfen Wasser auf den heißen Stein?

Schneider: Tausende Kinder und Familien, die jetzt ohne Obdach rings um das frühere Lager ausharren, brauchen dringend Schutz und eine Perspektive. Wir begrüßen deshalb das Engagement der Bundesländer, Städte und Kommunen, weitere Kinder und Familien in Deutschland aufzunehmen. Deutschland hat alle Voraussetzungen, um schutzsuchenden Kindern eine Kindheit und eine Zukunft in Sicherheit zu bieten.

Das Interview führte Caroline Leicht. Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

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