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Sexuelle Gewalt an Kindern - Rörig: Strafen verhindern Missbrauch nicht

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Im Kampf gegen Kindesmissbrauch sei es entscheidend, das Entdeckungsrisiko für die Täter zu erhöhen, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig.

Die Schatten eines Mannes und eines schaukelnden Kindes auf einem Spielplatz als Symbolfoto für Kindesmissbrauch. Das Entdeckungsrisiko für Missbrauchstäter zu erhöhen ist das Ziel des Missbrauchsbeauftragten, Johannes-Wilhelm Rörig.
Das Entdeckungsrisiko für Missbrauchstäter zu erhöhen ist das Ziel des Missbrauchsbeauftragten, Johannes-Wilhelm Rörig.
Quelle: dpa

Für den Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, geht die geplante Strafverschärfung von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) in die richtige Richtung. Doch damit allein "verhindern wir Missbrauch nicht", sagte Rörig den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Rörig fordert eine weiterführende Debatte darüber, wie man sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen eindämmen kann. Eine Strafverschärfung sei zwar ein "wichtiges Signal für Betroffene", doch die Debatte jetzt damit zu beenden, wäre ein "Riesenfehler".

Rörig: Höhere Strafen halten Täter nicht ab

Der schnelle Ruf nach schärferen Gesetzen sei nach dem Missbrauchsfall in Münster "der typische politische Reflex", sagte Rörig. Doch die würden keinen "Sexualstraftäter, der Kinder vergewaltigt, foltert und dabei filmt, abhalten." Rörig weiter: "Wir gewinnen den Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern aber nicht allein durch höhere Strafandrohungen."

Der politische Wille, sexuelle Gewalt gegen Kinder zu bekämpfen, ist bisher viel zu schwach.
Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter

Die Täter wüssten, welche hohen Strafen ihnen drohen, wenn sie erwischt würden. Viel entscheidender sei, das Entdeckungsrisiko für Missbrauchstäter zu erhöhen. Dies erreiche man wie in NRW durch verbesserte Aufklärungs- und Präventionsarbeit und bessere polizeiliche Ermittlungsmöglichkeiten.

Missbrauchsdarstellungen von Kindern - ein Computerbildschirm zeigt symbolhaft mehrere Files, die Missbrauchsdateien von Kindern zeigen könnten.

Externe Gutachter - Outsourcing im Kampf gegen Kindesmissbrauch 

Der Staat beauftragt auch Externe damit, Bilder und Videos von Kindesmissbrauch auszuwerten. Ein Gespräch mit einer Firma, deren Mitarbeiter sich durch die Datenberge arbeiten.

von Julia Klaus

Ministerpräsidenten als oberste Kinderschützer

Zentral sei auch eine enge Zusammenarbeit aller Behörden, die dem Kindeswohl dienen, insbesondere zwischen den Jugendämtern und den Familiengerichten. Rörig kritisierte Parteien und Politiker im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen und forderte jeden Ministerpräsidenten auf, sich "selbst zum obersten Kinderschützer ihres Landes" zu erklären.

Alle Bundesländer sollen zudem einen Landes-Missbrauchsbeauftragten im Range eines Staatsrats ernennen und einen "ressortübergreifenden Masterplan" zur Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder erstellen und umsetzen.

CSU: Missbrauch lebenslang im Führungzeugnis

Rörig weiter: "Leider sind dem Mainstream in der Politik Fragen des Kinderschutzes fern. Bei vielen ist noch nicht angekommen, dass es sich bei Prävention, Intervention, Schutz und Hilfen um wichtige Bausteine der Bekämpfung allerschwerster Kriminalität handelt."

Die CSU will unterdesen erreichen, dass wegen Kindesmissbrauch verurteilte Straftäter ihr ganzes Leben lang keinen beruflichen oder ehrenamtlichen Umgang mit Kindern mehr haben dürfen. Es müsse dafür gesorgt werden, dass ein solches Urteil "dauerhaft, lebenslang in das erweiterte Führungszeugnis eingetragen wird. Und nicht nur begrenzt auf zehn Jahre", sagte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt gegenüber dpa.

Wer sich an den Schwächsten unserer Gesellschaft vergeht, der darf auch nie wieder beruflich oder ehrenamtlich Umgang mit Kindern haben.
Alexander Dobrindt , CSU

"Es ist gut, dass die Justizministerin ihren Widerstand aufgegeben hat, das Strafmaß bei Kindesmissbrauch deutlich zu verschärfen", führte Dobrindt mit Blick auf Christine Lambrecht (SPD) aus. Es sei auch "richtig, dass wir endlich zu einer Einstufung als Verbrechen kommen und nicht mehr als Vergehen".

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