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Scheidende Linken-Chefs - Das Vermächtnis von Katja und Bernd

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Nach neun Jahren an der Spitze der Linken sind Katja Kipping und Bernd Riexinger Deutschlands dienstälteste Parteichefs. Sie kamen bisweilen auch so rüber.

Bernd Riexinger und Katja Kipping beim Bundesparteitag
Durch Bernd Riexinger und Katja Kipping hat die Linke ein Stück weit Anschluss gewonnen.
Quelle: dpa

Neulich stand Bernd Riexinger vor dem Biontech-Werkstor in Marburg und demonstrierte gegen den Kapitalismus. Mit der Produktion von Impfstoffen dürfe kein Profit gemacht werden, forderte der Linken-Chef und verlangte, dass das Unternehmen seine Impfstoff-Lizenzen herausgibt.

Der Bundesregierung warf Riexinger vor, lieber die Profite "als die Bürger dieses Landes zu schützen", weil sie die Forscher nicht zwinge, die Formel zur Verfügung zu stellen. Schließlich hätten "wir alle" die Impfstoffentwicklung bezahlt. 

Die fröhliche Katja und der freundliche Bernd

Mit den Reaktionen dürfte Bernd Riexinger zufrieden sein. Sie waren verheerend. Vor allem konservative Kolumnisten, Blogger und die Wirtschaftspresse empörten sich über die "blödsinnigste Demonstration des Jahres" (Capital). Mit den von der Linkspartei geforderten Enteignungen "gäbe es keinen Impfstoff aus Deutschland" (Der Spiegel). Zahlreiche Kommentatoren warfen Riexinger vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Keineswegs habe der Staat die Impfstoffentwicklung finanziert, sondern lediglich mit einem Zuschuss geholfen.

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Für den demonstrierenden Vorsitzenden muss es ein gutes Gefühl sein, dass sich mal wieder jemand über ihn aufregt. Bernd Riexinger und Katja Kipping sind inzwischen die dienstältesten Parteichefs Deutschlands und bisweilen kommen sie auch so rüber.

In ihren knapp neun Amtsjahren haben sie der Linkspartei jenen heiligen Zorn abgewöhnt, mit dem einst Oskar Lafontaine die halbe Republik zur Weißglut brachte. Mit dem Gregor Gysi die Genossen entzückte. Mit dem Sahra Wagenknecht den Puls auf der Regierungsbank hochtrieb. Unter der Führung der fröhlichen Katja und des freundlichen Bernd hat die Linke ihren Schrecken verloren.

Stabilität gewonnen, Strahlkraft verloren

Dabei hat gerade der Rückzug von Sahra Wagenknecht enthüllt, wie streitlustig, ja intrigant, es hinter den Kulissen immer noch zuging. Wagenknechts Abgang war Kippings Sieg. Durch ihn hat die Linke Stabilität gewonnen und Strahlkraft verloren - vor allem in die klassischen Arbeiter- und Arbeitslosen-Milieus hinein.

Nicht nur Wagenknecht findet, dass die Linke zu grün, zu öko und zu gender geworden ist. Auch Abgeordnete wie der aus dem Bundestag scheidende Finanzexperte Fabio De Masi warnen vor einer Politik, durch die sich nur noch "woke" Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen.

Außenpolitik: Hohe Hürden zu anderen Parteien

Ihrem Ziel, die Linke in eine Bundesregierung zu bringen, sind Kipping und Riexinger nicht viel näher gekommen. Besonders in der Außenpolitik sind die Hürden zu SPD und Grünen zuletzt wieder höher geworden. Aber auch Forderungen, "Superreiche" mit bis zu 100 Prozent zu besteuern oder Immobilienkonzerne zu enteignen, irritieren die potenziellen Partner.

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Sieben Monate vor der Bundestagswahl steckt die Linke in den Umfragen zwischen sechs und acht Prozent fest. Für eine rot-rot-grüne (oder grün-rot-rote) Mehrheit reicht das nicht.

Am Ende der Kipping-und-Riexinger-Jahre ist die Linke geschlossener, aber nicht unbedingt stärker. Die öffentliche Selbstzerstörung ist gestoppt, die Verankerung im Westen gelungen, die Ausgrenzung durch die anderen Parteien löst sich auf. Die Linke ist normal geworden. Und muss sich fragen, ob das gut ist oder schlecht.

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von Andrea Maurer
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