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Kirchliche Seenotrettung - Ein Schiff für die Kirche?

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Die evangelische Kirche will in die Seenotrettung einsteigen - ein heikles Thema, das die Gemeinden spaltet.

Seenotrettung im Mittelmeer (Archivbild vom 12.08.2019)
Die evangelische Kirche will mit einem eigenen Boot in die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer einsteigen. (Hier ein Archivbild vom Oktober 2019)

"Streit gab es nicht, aber diskutiert haben wir im Gemeinderat schon länger als sonst", sagt Maren Löffelmacher, die seit 18 Jahren Pastorin in Eutin in Ostholstein ist. Die Kirche will ein Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer kaufen. Soll die evangelische Kirchengemeinde im kleinen Eutin dafür nach dem Gottesdienst sammeln? Genau darum ging es im Gemeinderat. Mit einer Gegenstimme wurde entschieden, dass gesammelt wird. Ein klares Votum in dem kleinen Ort im Norden, bei einem Thema, dass für die EKD schwierig ist, weil es eben so sehr polarisiert. "Es zeigt wie mit dem Brennglas, wie zerrissen die Gesellschaft inzwischen ist. Und dass die Leute zu wenig miteinander reden", sagt die Pastorin.

Gemeinsam mit der Organisation"Sea Watch" hatte die Kirche im November eine gemeinsame Unternehmung gestartet, um ein Schiff zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer zu erwerben. Vorausgegangen war ein entsprechender Beschluss beim evangelischen Kirchentag in Dortmund. Mehr als 300 Unterstützer hat das Bündnis nach eigenen Angaben bereits. Privatleute, Promis, Musiker, aber auch Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen".

Kritik und Kirchenaustritte

Kritiker werfen der Kirche vor allem in den sozialen Medien vor, damit die Machenschaften der Schlepper zu unterstützen. Es gab auch gezielte Angriffe gegen prominente Unterstützer, wie eine Morddrohung geben EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm. "Das Thema bewegt die Kirche wie die ganze Gesellschaft", sagt Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD und Vorsitzender des Trägervereins von "United4Rescue". Er könne die Kritik auch nachvollziehen, "aber zentral sei doch, dass Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden". Es habe aber deshalb auch Kirchenaustritte gegeben, heißt es bei United4Rescue".

Nun könnte es mit der Ersteigerung eines geeigneten Schiffes klappen. Es geht um die "Poseidon", ein Forschungsschiff, das bisher dem Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gehörte. "60 Meter lang, super gepflegt und mit seinen Stabilisatoren auch bei schwerer See angenehm zu fahren", sagt Schiffskoordinator Klas Lackschewitz, der zehn Jahre lang die Forschungsreisen geplant hat. Die "Poseidon" liegt ausgemustert seit Mitte Dezember in Kiel und steht in einem Bieterverfahren zum Verkauf. Noch bis heute, 13 Uhr, können Interessenten ihre Gebote abgeben.

Ausrangiertes Forschungsschiff für Mittelmeer

Neben dem Bündnis bieten auch Abwrackunternehmen und eine Firma für Polarexpeditionen mit. Die Kirche betont, dass dafür keine Kirchensteuergelder verwendet werden, sondern ausschließlich Spenden. Doch ist allerdings nicht klar, ob "United4Rescue" auch den Zuschlag für die "Poseidon" bekommt. Lackschewitz hofft nur, dass das Schiff auch weiter genutzt wird und nicht abgewrackt. "Dafür ist es einfach in einem zu guten Zustand und es hängen auch Emotionen dran. Bis zum Polarkreis bin ich damit schon gefahren", sagt er.

Es zeigt wie mit dem Brennglas, wie zerrissen die Gesellschaft inzwischen ist. Und dass die Leute zu wenig miteinander reden.
Maren Löffelmacher, Pastorin in Eutin

Dass die Kirche mitbietet, darüber reden die Geomar-Leute in Kiel nicht. "Das Thema spaltet schon, und das ist schade", sagt Verena Heimann, junges Mitglied der Fraktion der Grünen im Stadtrat Kiel. "Aber man muss doch irgendwas tun, wenn die große Politik versagt." Das sieht auch Madina Assaeva von der CDU in Kiel so, die aber die Aktion der Kirche auch für populistisch hält. "Man muss doch vor Ort helfen und nicht die Menschen ermuntern, in gefährliche Boote zu steigen", so die 30-jährige.

Der Verkauf der "Poseidon" Thema nicht nur in Kiel.

Bei der Verwertungsgesellschaft des Bundes, die den Kauf abwickelt, heißt es, das Interesse an dem Schiff sei enorm. Der Eigentümer - das Land Schleswig-Holstein - entscheidet am Ende, wer den Zuschlag erhält. Und das kann noch dauern. Die Prüfung brauche seine Zeit. "United 4 Rescue" rechnet übrigens damit, mindestens eine Million Euro für das Schiff hinblättern zu müssen - und das Geld ist längst zusammen. Sollte das Bündnis den Zuschlag für die "Poseidon" aber nicht bekommen, hat die Organisation Sea Watch, schon einen Plan b. Man habe in Europa noch vier weitere Schiffe im Auge, heißt es.

Herrmann-Uwe Bernd ist Leiter des ZDF-Landesstudios Schleswig-Holstein und Korrespondent für Nordeuropa.

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