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Kiron: Eine Idee hat heute 11.000 Studierende

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Fünf Jahre "Wir schaffen das" - Kiron: Eine Idee hat heute 11.000 Studierende

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"Wir schaffen das"? Kiron gehört zu denen, die es geschafft haben. Was 2015 als Idee einer Flüchtlings-Uni begann, ist nun eine digitale Bildungsplattform mit 11.000 Studierenden.

Studierende der Bildungsplattform Kiron Open Higher Education
Studierende der Bildungsplattform Kiron Open Higher Education
Quelle: Kiron

Am Anfang war es eine Idee, entstanden aus den zahlreichen Initiativen im Sommer 2015, die sich um die Geflüchteten kümmerten: Wie wäre es, wenn die Menschen nicht zum Warten verdammt sind, sondern sofort anfangen könnten zu lernen? Kurse belegen, Deutsch lernen, bis ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist, bis Zeugnisse aus dem Heimatland beschafft und anerkannt sind? Gerade die gut ausgebildeten Syrer, die anfangs kamen, suchten einen Einstieg.

Markus Kreßler und Vincent Zimmer hatten diese Idee einer Flüchtlingsuniversität. Mit einer Handvoll Ehrenamtlicher fingen sie an, auf der Suche nach einer halben Million Euro per Crowdfunding. Heute, fünf Jahre später, heißt ihre Idee Kiron Open Higher Education, hat 57 Mitarbeitende und Standorte in Berlin, Jordanien und dem Libanon. Und rund 11.000 Studierende überall auf der Welt.

Lieber auf den Arbeitsmarkt als an die Uni

Renate Suter kam ein Jahr nach der Gründung zu Kiron und gehört heute zum Management. Geflüchtete für Hochschule und Universität zu qualifizieren, ist nur noch ein Standbein des Non-profit-Unternehmens. Anfangs hat man bei jedem einzeln geschaut: Was brauchst Du, wohin kannst Du wechseln?

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Bald stellte sich heraus, dass nicht alle Studierenden tatsächlich später auf eine Universität wollten. Oft ging es um Qualifikationen und Zertifikate, um den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Und um Informationen, wie Bildung in Deutschland funktioniert. "Für viele war es schwierig, sich zurecht zu finden" sagt Suter.

Heute versteht sich Kiron als digitale Bildungsplattform, die selbst etwa 150 Online-Kurse in fünf Fachrichtungen anbietet, Ökonomie, Ingenieur- und Politikwissenschaft zum Beispiel. Außerdem werden Onlinekurse großer Anbieter und renommierter Universitäten vermittelt und unterstützt. Kiron-Studierende sind heute fast wie andere Studierende auch, Teil einer Gemeinschaft, nur eben auf einem Online-Campus:

Menschen, die oft sehr allein sind, haben hier einen Ort, wo sie nicht Geflüchtete, sondern Studierende sind.
Renata Suter

Old mobile first

Nach wie vor stammen die meisten Studierenden aus Syrien. Einige davon leben in Deutschland, einige aber auch in den großen Flüchtlingslagern in Jordanien und dem Libanon. Seitdem die Corona-Pandemie viele Bildungsangebote lahm gelegt hat, sind die Abschlüsse noch einmal gestiegen. Auch die Anfragen: Neben Englisch werden die kostenlosen Kurse auf Arabisch, Türkisch und bald auch auf Spanisch angeboten. Das ganze "old mobile first", sagt Suter. "Unsere Studierende haben keine iPhones." Die Onlinekurse sollen mit einer einfachen App, ohne große Datenkapazitäten zu verbrauchen, funktionieren.

Etwa 75.000 Minderjährige kamen seit 2015 als Asylsuchende ohne Eltern nach Deutschland. Wie schwer oder leicht war das Ankommen für die jungen Menschen? Zwei junge Männer schauen zurück auf ihre ersten fünf Jahre in Deutschland.

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Eine reine NGO ist Kiron schon lange nicht mehr: Schon bald nach der Crowdfunding-Aktion am Anfang wurde die Schöpflin-Stiftung ins Boot geholt, das Bundesforschungsministerium fördert Projekte. Mittlerweile wurde eine Tochterfirma gegründet, die Profit machen soll. Kiron will seine Erfahrungen, wie ein virtueller Campus entstehen kann, vermarkten. Einen Auftrag gibt es etwa von der EU, die zehn europäische Universitäten zusammenbringen will, ein digitaler Campus soll zudem zusammen mit dem Akademischen Austauschdienst und dem Goethe-Institut entstehen.

Neue Herausforderung: Corona

Also geschafft? Seit Corona, sagt Suter, "ist schwierig abzusehen, wohin die Reise geht." Schon vor der Pandemie sei spürbar gewesen, dass die finanzielle Förderung von Bildung Geflüchteter immer schwieriger wurde. Seit Corona aber fließe fast alles Geld in die Bekämpfung der Pandemie:

Die Probleme von 2015 sind nicht verschwunden.
Renata Suter

Denn mit der Klimakrise würden Fluchtbewegungen nicht weniger, sondern eher mehr.

"Wir brauchen Lösungen, um Bildung zu unterstützen", sagt Suter. Sonst bekomme man neben dem Klima- und Flüchtlings- auch noch ein Bildungsproblem. "Das hat langfristige Folgen, wenn eine ganze Generation von Bildung abgeschnitten wird."

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