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Allianz für Verbrenner-Aus - Keine Klatsche, aber auch kein gutes Signal

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Am Rande der Weltklimakonferenz hat sich eine Allianz zum Aus von Verbrenner-Pkws gebildet. Deutschland will nicht unterzeichnen. Keine Klatsche, aber auch nicht gut.

Kommentar: Mark Hugo zum Aus des Verbrennungsmotors
Mark Hugo aus der ZDF-Umweltredaktion kommentiert die Initiative zum Verbrenner-Aus bis 2040.
Quelle: ZDF/picture alliance/Zoonar

Es ist ein starkes Signal - ohne deutsche Beteiligung: Mehr als 30 Länder, sechs Autobauer und etwa 40 Städte, Bundesstaaten und Regionen wollen den Verkauf von Verbrennungsmotoren in Autos bis spätestens 2040 beenden. Zu den Unterzeichnern der "Zero Emission Cars"-Erklärung gehören Großbritannien, Indien, Österreich, Polen, Kanada, Kenia und die Türkei, daneben General Motors, Ford und Mercedes.

Eine gewisse Aufmerksamkeit ist dieser Allianz bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow sicher: Abseits der eigentlichen Verhandlungen ist sie ein ambitioniertes Statement, eine Absichtserklärung, die zwar überhaupt nicht bindend ist - von der aber eine gewisse Signalwirkung ausgeht. So wie schon von vielen anderen in Glasgow verkündeten Bündnissen und Initiativen zuvor: Dazu gehört eine zum Schutz der Wälder und eine zum Austieg aus der Kohle. An beiden war Deutschland beteiligt.

Berlin bleibt Allianz fern

Das ist der Hintergrund, vor dem sich die immer noch amtierende schwarz-rote Bundesregierung entschieden hat, der neuen Allianz fernzubleiben. Das als Klatsche für den Klimaschutz zu deuten, wäre aber falsch. Denn es heißt nicht, dass Berlin den notwendigen Abschied von Diesel und Benzin auf Dauer verweigert.

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Es geht um einen Randaspekt, bei dem sich die Ressorts nicht einig waren. Nämlich um die Frage, ob E-Fuels Teil der Lösung sein können. Diese synthetischen Kraftstoffe werden idealerweise aus grünem Strom, Wasser und Kohlendioxid aus der Luft hergestellt. Das Endprodukt ist damit klimaneutral und kann in jeden herkömmlichen Verbrennungsmotor gefüllt werden. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.

Schlechter Wirkungsgrad von E-Fuels

Und tatsächlich hat das einen dicken Haken: Die Herstellung ist bisher weder wirtschaftlich noch effizient und braucht große Mengen an grünem Strom - also nochmal mehr, als ohnehin schon für die Wende dringend gebraucht werden wird. Der Wirkungsgrad am Ende wird auf 15 Prozent, manchmal sogar weniger geschätzt. Bei E-Autos liegt er bei über 60 Prozent. Der Grund, warum die Allianz in Glasgow für ein striktes Aus von Verbrennungsmotoren eintritt, selbst wenn die dann mit E-Fuels laufen könnten.

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Das beißt sich aber mit dem Gedanken der "Technologie-Offenheit" in der Union, die ein solches Szenario nicht ausschließen will. Ganz abwegig ist der nicht: Denn an E-Fuels wird die Welt bei der Verkehrswende nicht herumkommen.

E-Fuels für Flugzeuge und Schiffe

Allein für den Betrieb von Flugzeugen, aber auch Schiffen und eventuell Schwerlastern wird er gebraucht werden - überall dort, wo es mit Batterien wegen des Gewichts und der Reichweite nicht geht. Die Idee: Werden eines Tages E-Fuels in Masse wirtschaftlich hergestellt - vielleicht in Ländern mit viel Sonne und Wasser - warum füllt man sie dann nicht auch in Pkw?

Genau das muss höchstwahrscheinlich sogar passieren. Denn auch 2045 - das Jahr, in dem Deutschland klimaneutral sein will - wird es noch Millionen Verbrennungsmotoren aus alten Beständen geben. Und die werden Sprit brauchen.

Verkaufsstopp von Verbrennern bis 2040

Aber auch in diesem Kontext lohnt der Blick auf ein Detail der Erklärung: Bis spätestens 2040 sollen Diesel und Benziner nicht vom Antlitz der Erde verschwunden, sondern nur ihr Verkauf soll gestoppt sein. Mit diesem Szenario haben selbst deutsche Autobauer wie Mercedes kein Problem.

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Ohne E-Autos - so schnell und so viele wie möglich - wird es mit der Klimaneutralität nämlich nicht klappen. Das ist der Grund, warum das Nein aus dem Autoland Deutschland zwar keine echte Klatsche, aber auch kein gutes Signal ist. Es hat den Ruch eines Hintertürchens, das man sich für den Verbrenner offenhalten will.

Dass Berlin unter einer Ampel später doch noch beitreten wird, ist übrigens möglich, aber unwahrscheinlich. Die FDP vertritt zu E-Fuels nämlich eine ähnliche Haltung.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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