Sie sind hier:

Weltklimakonferenz COP26 - Was erreicht wurde und was noch offen ist

Datum:

Klimaaktivistin Thunberg kritisiert COP26 als "Blabla". Gipfel-Präsident Sharma sieht hingegen "allumfassende Fortschritte". Was wurde geschafft - und was ist noch zu tun?

Demonstranten nehmen an einem Protest-Marsch während der UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow teil
Wütend und enttäuscht waren die meisten der Zehntausenden Demonstranten, die am Wochenende für mehr Klimaschutz durch Glasgow gezogen sind. Nun bricht die zweite, entscheidende Woche der Klimakonferenz an.
Quelle: Reuters

Die Weltklimakonferenz in Glasgow startet am heutigen Montag in ihre zweite, entscheidende Woche. Klar ist, dass bis zum offiziellen Ende am Freitag noch viel Arbeit vor den Verhandlern liegt.

Doch über den Erfolg von COP26 gehen die Meinungen auseinander: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte die UN-Klimakonferenz als "Blabla" und "Greenwashing-Festival des globalen Nordens". Der britische Präsident der COP26, Alok Sharma, sprach in seiner Zwischenbilanz zur Halbzeit der Verhandlungen hingegen von "allumfassenden Fortschritten".

Was bisher erreicht wurde und was in der zweiten Konferenzwoche noch zu tun ist:

Schließen der Ambitionslücke zum 1,5-Grad-Ziel

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dazu sollten die mehr als 190 Vertragsstaaten überarbeitete nationale Klimaschutzziele (NDC) vorlegen. Nach UN-Angaben haben sich mittlerweile mehr als 130 Länder, darunter die EU, das Ziel gesetzt, bereits bis 2050 klimaneutral zu werden.

Der weltgrößte Treibhausgas-Emittent China bleibt dagegen bei dem Ziel, erst bis 2060 CO2-neutral zu werden, und schärfte sein Ziel für 2030 nur wenig nach. Indien verkündete während der COP26, dass es sich die Klimaneutralität für das Jahr 2070 vornimmt. Für das 1,5-Grad-Ziel ist das deutlich zu spät.

Auf Grundlage der überarbeiteten Klimaziele halten manche Experten aber eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad nun für möglich. Allerdings müssten dafür alle kurz-, mittel- und langfristigen Zusagen tatsächlich umgesetzt werden. Und das ist angesichts vielfach fehlender konkreter Pläne und Maßnahmen fraglich.

Der internationale Vertrag ist das zentrale Instrument zum Klimaschutz. Der grafische Explainer zeigt wichtige Säulen der Vereinbarung und die aktuelle Situation.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Abschluss des Regelbuchs

Zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gibt es ein sogenanntes Regelbuch. In einigen Punkten konnte bei den vorigen zwei UN-Klimakonferenzen aber keine Einigung erzielt werden.

Diskutiert wird weiter, ob die Einhaltung der nationalen Klimaziele alle fünf oder nur alle zehn Jahre überprüft wird. Bei den Regeln für transparente Überprüfungen ist strittig, ob Entwicklungsländer genauso ausführlich wie die Industriestaaten Bericht erstatten müssen und ob sie dafür Unterstützung erhalten. Schwierig gestalten sich die Verhandlungen weiterhin bei Artikel 6 des Regelbuchs zu einer Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen durch die Nutzung eines weltweiten Zertifikatehandels. Komplexe Fragen stellen sich dabei:

  • Wenn ein reiches Land ein Klimaschutzprojekt in einem Entwicklungsland finanziert, wie lässt sich dann sicherstellen, dass es sich wirklich um zusätzlichen Klimaschutz handelt und sich nicht beide Länder die nur einmal geleistete Treibhausgas-Ersparnis anrechnen?
  • Dürfen CO2-Zertifikate, die vor dem Pariser Abkommen unter dem Kyoto-Protokoll erworben wurden, weiter geltend gemacht werden und so das Abkommen verwässern? Vor allem Indien und Brasilien stemmen sich in diesen Punkten gegen strikte Regeln.

"Jetzt, wo es an die harten Brocken geht", seien die Artikel-6-Verhandlungen "ins Stocken" geraten, sagt Anne Gläser von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Rund 200 Staaten ringen in Glasgow, wie die Klimakrise eingedämmt werden kann. Es gibt zwar einige Absichtserklärungen. Die reichen aus Sicht von Klimaaktivisten aber nicht aus. Mit weltweiten Protestaktionen versuchen sie den Druck zu erhöhen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Geld für Klimaschutz und -anpassung

Beim Thema Finanzen war schon vorab klar, dass die Industrieländer ihre Zusage, ärmeren Staaten jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, nicht erfüllen. Die Entwicklungsländer wollen nun zumindest eine wasserfeste Verpflichtung der Industrieländer, die seit 2020 auflaufenden Fehlbeträge nachträglich auszugleichen. Dazu gibt es den Vorschlag, bereits im kommenden Jahr die geleisteten Hilfen der Industriestaaten noch einmal zu überprüfen. Fortschritte fordern die Entwicklungsländer auch bei Finanzhilfen für bereits eingetretene Klimaschäden.

Einbeziehung der Zivilgesellschaft

Bei Teilnehmern und Beobachtern ist von intensiven und konzentrierten Verhandlungen ohne größere Störmanöver einzelner Länder die Rede. Allerdings beschwerten sich Nichtregierungsorganisationen, dass ihre Beobachter unter Verweis auf die Corona-Restriktionen gar nicht oder nur eingeschränkt in die Verhandlungsräume gelassen worden seien.

Care-Klimaexperte Sven Harmeling sagt, die Lage sei zwar "nicht mehr ganz so chaotisch wie am Anfang". Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft bleibe aber "insgesamt deutlich hinter früheren COPs zurück". Mit Aktionen außerhalb der Konferenzräume wie den Massenprotesten am Wochenende verschafft sich die Zivilgesellschaft jedoch zusätzlich Gehör.

 Rauch steigt aus einer Fabrik auf, während ein mit Autos beladener LKW eine Brücke überquert.
Grafiken

ZDFheute-KlimaRadar - Daten zum Klimawandel im Überblick 

Wie hat sich das Klima bereits verändert? Wie könnte es künftig bei Ihnen vor Ort aussehen? Die wichtigsten Zahlen im KlimaRadar von ZDFheute.

von Michael Hörz, Moritz Zajonz
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.