Die Energiekrise dämpft weltweit den Aufbruch in Richtung Klimaneutralität. Das ist das Ergebnis des globalen Klimaschutz-Index. Auch Deutschland rutscht im Ranking leicht ab.
Deutschland bekommt auf der Weltklimakonferenz in Hinblick auf den Klimaschutz ein mäßiges Zeugnis ausgestellt. In Ägypten verhandelt aktuell Entwicklungsministerin Schulze.
Ab heute geht die Weltklimakonferenz (COP27) im ägyptischen Scharm el Scheich in die entscheidende Woche. Der Blick auf das Ambitionsniveau von 59 Ländern mit sehr hohem Treibhausgasausstoß zeigt: Noch ist kein einziges Land auf dem Weg, das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen.
Demonstrativ bleiben deshalb auch diesmal die ersten drei Plätze im Klimaschutz-Index frei. Das Ranking haben die Umweltorganisation Germanwatch zusammen mit dem NewClimate Institute heute auf der Klimakonferenz in Ägypten vorgelegt.
Kanzler Scholz verspricht beim Klimagipfel einen Schutzschirm von 170 Millionen Euro, um von Naturkatastrophen betroffene Nationen zu unterstützen. Kritisiert wurde Deutschland für seinen Umgang mit fossilen Energien.
Deutschland verschlechtert sich
So oder so: Deutschland wäre darin kein Kandidat für das Treppchen gewesen. Denn diesmal wird es nur auf Platz 16 gelistet - drei Plätze schlechter als noch im letzten Jahr. "Es sind zwei gegenläufige Trends in Deutschland", erklärt Niklas Höhne vom NewClimate Institute. "Zum einen wird die Politik der Regierung zwar besser bewertet, aber die Emissionen gehen immer noch zu langsam nach unten."
Vor allem im Verkehrsbereich passiere immer noch viel zu wenig, sagt der Co-Autor der Analyse. Zudem gehe der Ausbau der Erneuerbaren zu langsam voran.
Flüssiggas und Kohle trüben Bilanz
Getrübt wird die Bilanz daneben durch "die Fixierung von Kanzler Scholz auf den überdimensionierten Ausbau von Flüssiggas-Importen und das Hochfahren von Kohlekraftwerken infolge der Energiepreiskrise". Noch sei nämlich auch die Ampel-Regierung nicht auf Kurs, kritisiert der Index. Aber: "Das kann besser werden, wenn die Effekte der guten oder besseren Klimapolitik der jetzigen Regierung auch Früchte tragen", sagt Höhne.
Spitzenreiter im Ranking sind wie schon im letzten Jahr Dänemark und Schweden. "Das sind Länder, die schon sehr lange etwas tun für den Klimaschutz und davon profitieren", heißt es. Das betrifft vor allem den Umstieg auf Energie aus erneuerbaren Quellen. Gefolgt diesmal von Aufsteiger Chile. Das südamerikanische Land treibt den Ausbau der Erneuerbaren voran und hat dieses Jahr ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Deshalb klettert es im Index um drei Plätze auf Rang 6.
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USA im tiefroten Bereich
Zu den Aufsteigern gehören neben Marokko (7), Indien (8) und Spanien (23) auch die EU (19), die im Index nochmal insgesamt bewertet wird. Sie wird für ihr "umfassendes Klimaschutzpaket" belohnt. Auch die USA verbessern sich um drei Ränge, bleiben aber weiter im "tiefroten Bereich" auf Platz 52.
"Auch der Trend bei den Emissionen und Energieverbrauch zeigt in die richtige Richtung, allerdings ist das Emissionslevel pro Kopf im Vergleich noch sehr hoch", erklärt Jan Burck von Germanwatch. Kritisiert wird im Index auch, dass trotz des Kurswechsels in Washington die Produktion von Kohle und Gas nun sogar noch ausgebaut werden soll.
China: Emissionen steigen immer noch
Der größte "Verlierer" ist China. Das Land rutscht um gleich 13 Plätze nach unten und wird nun auf Rang 51 gelistet. "Das liegt daran, dass zwar die erneuerbaren Energien vorankommen, aber die Kohlekraftwerke immer noch weiterlaufen und die Emissionen in China immer noch weiter steigen", erklärt Höhne. China müsse unbedingt umsteuern.
Von der Klimakonferenz in Ägypten erhoffen sich die Autorinnen und Autoren der Analyse eine klare Absage der Teilnehmerländer an eine Renaissance von Kohle, Gas und Erdöl. Derzeit werde der Klimaschutz von der Energiekrise überschattet, müsse nun aber wieder Thema Nummer eins werden:
Grafiken- Daten zum Klimawandel im Überblick
Wie hat sich das Klima bereits verändert? Wie viel CO2 haben die Länder seit 1990 eingespart? Die wichtigsten Zahlen im KlimaRadar von ZDFheute.
von Moritz Zajonz