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Warum sich das Wasser sein Land erobern wird

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Klimawandel - Warum sich das Wasser sein Land erobern wird

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Wenn das Meer kommt, wird es ernst. Gelingt es nicht, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir uns mit den Konsequenzen steigender Meeresspiegel beschäftigen.

Klimaforscher warnen seit Jahren vor den möglichen verheerenden Folgen eines durch den Klimawandel verursachten Meeresspiegel-Anstiegs. Was passiert, wenn das Worst-Case-Szenario eintritt?

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Die Vorhersagen zum Anstieg des Meeresspiegels sind uneinheitlich und werden derzeit von einigen Wissenschaftlern kräftig nach oben korrigiert. Noch in diesem Jahrhundert könnte der Meeresspiegel um bis zu zwei Meter ansteigen.

New York und Hamburg etwa wären vom Meeresspiegelanstieg besonders betroffen, denn beide Städte liegen nur knapp über dem Meeresspiegel. Sie wollen sich deshalb mit Schutzmauern sichern. Doch wird das reichen?

Zudem drohen zusätzliche Gefahren. Erwärmte Ozeane und steigende Pegel werden auch das Wetter beeinflussen. Starkregenereignisse könnten schon bald küstennahe Städte heimsuchen und zur Überlastung der Kanalisation führen.

Das Wasser kommt nicht nur vom Meer

In New York will man nun handeln. Zu groß waren die Schäden, die zuletzt durch Wetterereignisse wie Hurrikan "Sandy" entstanden waren. Doch selbst wenn sich ganze Stadtteile mit Wasserschutzmauern absichern sollten – vor extremem Starkregen schützen sie auch die nicht.

Spätestens wenn die Kanalisation mit der Wasserlast nicht mehr zurechtkommt und die U-Bahn-Schächte volllaufen, hat die Stadt ein großes Problem. Auch Flüsse werden sich anders verhalten, wenn der Meeresspiegel steigt. Wenn die Wassermassen nicht mehr ins Meer abfließen können, stauen sie sich und treten über die Ufer.

Individueller Schutz wird oft vernachlässigt

In Hamburg dominiert das Thema "Sturmfluten" die Klimadebatte. Andere Faktoren treten dabei in den Hintergrund. Dies führt zu einer falschen Schlussfolgerung: Wenn wir uns als Stadt gegen die Sturmfluten schützen – dann bin ich auch individuell gegen sämtliche Folgen des Klimawandels abgesichert. Die Forscher nennen das ein "Risk Perception Paradox". Gegen vom Regen überflutete Keller oder potentielle Hagelschäden schützen sich die wenigsten.

Prof. Beate Ratter vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht glaubt, den Grund für die verzerrte Wahrnehmung zu kennen: Für viele sei es schwierig, sich unter dem Klimawandel etwas Konkretes vorzustellen. Deshalb greifen Menschen, ihrer Ansicht nach, auf Vorstellungen zurück, die ihren realen Erfahrungen entsprechen. Dass aber auch die schlimmste denkbare Sturmflut nun höchstens ein Sechstel der Stadt überspülen könne, spiele dabei keine Rolle.

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Umsiedlungsprogramme oder mehr Geld für Küstenschutz

Als Inselstaat ist Großbritannien von den steigenden Meeren besonders betroffen. Hier hat man schon beschlossen, ganze Regionen aufzugeben und die Bevölkerung umzusiedeln.

In Deutschland wäre das schwer denkbar. Da Küstenschutz im Grundgesetz verankert ist, stehen 3.700 Kilometer Küstenlinie unter Schutz. Deutschland finanziert daher Maßnahmen zur Erhöhung der Deiche und Sandaufspülungen für Inseln, damit sie nicht im Meer versinken.

Inselrepubliken sind besonders gefährdet

Andere Länder haben weder das Geld noch das Know-How für den Kampf gegen die steigenden Meerespegel. In Kiribati, einer Inselrepublik im zentralen Pazifik, hat man begonnen, Umsiedelungsverträge mit Neuseeland zu schließen. Die Inseln müssen nicht nur gegen den steigenden Meeresspiegel ankämpfen, sondern auch gegen stärkere Stürme und Wellen.

Solche Inselrepubliken, die aus Korallenatollen bestehen, könnten schon bald komplett überspült sein. Kiribati wäre dann ein Staat ohne bewohnbaren Raum. "Daraus ergibt sich ein völkerrechtliches Problem", so Prof. Ratter.

Ein Staat definiert sich über ein Territorium, eine Bevölkerung und eine Regierung. Das Maritorium, das Seegebiet eines Staates wird von der jeweiligen Küstenlinie aus berechnet. Wenn es also keine Küste gibt, gibt es dann noch einen Staat?
Prof. Beate Ratter
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