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Klimawandel an der Ostsee - Schlechte Aussichten für den Hering

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Hohe Temperaturen und Nährstoffe aus der Landwirtschaft zerstören das Gleichgewicht in der Ostsee: Nahrungsketten zerbrechen, Sauerstoff fehlt, Blaualgen breiten sich aus.

Klimawandel in der Ostsee

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8 min
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Wenn das so weiter geht, müssen wir Heringsfischer aufgeben.
Kai Briesewitz, Heringsfischer

Die Auswirkungen des Klimawandels in der Ostsee sind heute sichtbarer als je zuvor. In den letzten 30 Jahren stieg die durchschnittliche Wassertemperatur laut GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel um 1,5 Grad Celsius. Eine Folge: Der Hering, einst "Brotfisch" der Küstenfischerei genannt, ist in seinem Bestand stark gefährdet. Das spürt auch Kai Briesewitz. Der Heringsfischer aus Sassnitz darf immer weniger Fisch fangen.

Heringsnachwuchs verhungert

Als einen möglichen Grund für sinkende Bestände nennt Patrick Polte vom Thünen-Institut für Ostseefischerei das Aufbrechen von Nahrungsketten durch die steigenden Wassertemperaturen. Untersuchungen mit dem Forschungsschiff Culpea zeigten, dass die Heringe wegen der steigenden Wassertemperaturen zu früh in ihre Laichgebiete aufbrechen. Den Larven fehle es dort noch an Nahrung. "Ein Großteil der Larven verhungert einfach", sagt Polte.

Zusätzlich gelangen zu viel Nährstoffe über die Landwirtschaft in die Ostsee. Polte und seine Crew haben herausgefunden, dass bestimmte Algen dadurch besonders stark wachsen. "Wenn die Heringseier mit diesen Algen in Kontakt kommen, dann sterben die", erklärt Polte.

Problemfaktor Gülle

Auch am Meeresboden sucht man vielerorts vergebens nach Leben. Eine 2018 durchgeführte Greenpeace-Untersuchung zeigt, dass mittlerweile 60.000 Quadratkilometer der Ostsee als tote Zone gelten. Der Grund: Sauerstoffmangel, letztlich hervorgerufen durch Nährstoffe, die unter anderem durch Gülle in die Ostsee gelangen.

Fangnetze mit Heringen in der Ostsee. Archivbild
Fangnetze mit Heringen in der Ostsee. Archivbild
Quelle: Jens Büttner/zb/dpa

Die Problematik der Überdüngung ist nicht neu. Der 2019 veröffentlichte zweite Nährstoffbericht des Landes Schleswig-Holstein belegt einen seit vier Jahren steigenden Nährstoffüberschuss, insbesondere in den Landkreisen mit intensiver Tierhaltung. Dort produzieren Kühe und Rinder täglich tonnenweise Gülle, die von den Landwirten als Dünger auf ihre Felder aufgetragen wird.

Vom Acker ins Meer

Doch die Gülle bleibt nicht auf den Feldern. Der Klimawandel bringt mehr Starkregen und Starkwinde. Der Pflanzenkundler Michael Greef untersucht die Auswirkungen auf die Ackerböden. Durch Windverwehungen und Fließgewässer gelangten vermehrt Nährstoffe in die Ostsee.

Für den Landwirt bedeutet das nicht nur das Abwehen der Ackerkrume, sondern auch das Abschwemmen der Ackerkrume,

sagt Michael Greef. Trotzdem könnten die Ackerbauern nicht allein für die sterbende Artenvielfalt verantwortlich gemacht werden, betont der Wissenschaftler. Das Problem liege ebenfalls bei den Viehzüchtern, die eine zu hohe Anzahl von Rindern und Schweine hielten und mehr Gülle produzierten, als nachhaltig verbraucht werden könne.

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