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Klimaziele - Experten: Deutschland muss nachbessern

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Die Klimaziele der Bundesregierung müssen deutlich verschärft werden, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. Das fordert der Sachverständigenrat der Bundesregierung.

Ein Kohlekraftwerk produziert eine riesige Dampfwolke. Symbolbild
Ein Kohlekraftwerk produziert eine riesige Dampfwolke. Symbolbild
Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, bis 2050 annähernd klimaneutral zu sein. Das reicht bei weitem nicht aus, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, erklärt Professor Wolfgang Lucht vom Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU).

Experte fordert Abkehr von Kohle, Öl und Gas

Weltweit dürfen nur noch 800 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen werden, um die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius abzubremsen und damit eine Klimakatastrophe abzuwenden, so lauten die Berechnungen des Weltklimarats. Der SRU hat nun erstmals das CO2-Budget für Deutschland bestimmt. Seine Berechnungen setzen voraus, dass die verbleibende CO2-Menge auf die Weltbevölkerung gleich aufgeteilt wird.

Das deutsche Klimabudget beträgt demnach laut SRU 6,7 Milliarden Tonnen - und es reicht nur bis 2038. "Das geht nur, indem wir uns komplett von Kohle, Öl und Gas abwenden", betont der Sachverständige Lucht. Für Industriebereiche wie Luftfahrt, Stahl und Zement ist das kaum zu schaffen. Deshalb müsse es in anderen Bereichen umso schneller gehen, etwa bei der Energiewende, fordert er.

100 Prozent Erneuerbare Energien sind möglich.
Wolfgang Lucht, SRU

"Da ist leider sehr viel gedrosselt und gedeckelt worden, da muss wieder Fahrt aufgenommen werden."

Vorwurf: Ausstieg 30 Jahre lang verschleppt

Einen Ausstiegsplan hat die Bundesregierung lediglich für Kohle - einen Ausstiegsplan für Öl und Gas gibt es nicht. "Wir haben 30 Jahre lang nichts getan, obwohl die Klimawissenschaft ganz klar auf das Problem hingewiesen hat. Dadurch ist die Notwendigkeit, jetzt zu reduzieren, immer dringlicher" warnt Lucht. "Die Zeit, die uns noch verbleibt, wird immer kürzer - aber wir können es noch schaffen."

Die Bundesregierung hat es in der Vergangenheit abgelehnt, ein CO2-Budget für Deutschland zu berechnen. Das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) erklärt auf ZDF-Nachfrage, das bestehende Klimaprogramm sei "ausgewogen". Dagegen sieht das SPD-geführte Umweltministerium Nachbesserungsbedarf. Das Umweltministerium werde sich dafür einsetzen, die deutschen und europäischen Klimaziele nachzuschärfen, betont Karsten Sach, Abteilungsleiter für Klimapolitik, gegenüber dem ZDF.

Höhne: Ignorieren bedeutet Erderwärmung von drei Grad

Deutschland muss seine Klimaschutzpläne nachbessern, fordert auch Professor Niklas Höhne vom "NewClimate Institute". Deutschlands Pläne bewertet er als "sehr ungenügend". "Wenn alle Länder sich so verhalten würden wie Deutschland, dann kommen wir in die Größenordnung drei Grad Erderwärmung", warnt Höhne. "Das ist eine Welt, in der wir alle nicht leben wollen: große Dürren, Stürme, große Schäden, in allen Teilen der Welt. Es würde wahrscheinlich zu Flüchtlingsströmen kommen, und insgesamt wäre das eine Situation, die wir als Gesellschaft einfach nicht mehr handhaben können."

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