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Wahlprogramme-Analyse - Parteien verfehlen 1,5-Grad-Ziel

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Fast alle Parteien bekennen sich in ihren Wahlprogrammen zum 1,5-Grad-Ziel. Analysen zeigen aber: Die angestrebten Klimaziele der Parteien reichen dafür wohl nicht aus.

Archiv: Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem von RWE gesehen von einer Wohnsiedlung in Niederaußem aus
Offenbar reicht keines der Wahlprogramme aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.
Quelle: imago

Fast jede etablierte Partei will Deutschland klimaneutral machen, wenn auch unterschiedlich schnell. Das Tempo des Umstiegs auf klimaneutrale Technologien und Erneuerbare Energien bestimmt dabei, wie viel CO₂ Deutschland ausstoßen wird, bis zur angestrebten Klimaneutralität.

Bis wann Deutschland klimaneutral sein soll

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im April 2021 hatte die Bundesregierung ihr bisheriges Ziel angepasst: Deutschland soll jetzt, statt wie vorher 2050, im Jahr 2045 klimaneutral sein. Daran halten sich auch CDU/CSU und SPD in ihren Wahlprogrammen.

Klimaneutralität bedeutet, dass nur so viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden, wie zugleich kompensiert werden können, etwa indem Moore, Wälder und v.a. die Meere Treibhausgase aufnehmen und speichern.

Die Linke und die Grünen stecken die Ziele höher. Die Linke will Klimaneutralität in Deutschland bis 2035 erreichen und die Grünen schreiben in ihrem Wahlprogramm, dass Deutschland "in 20 Jahren klimaneutral werden" könne, also im Jahr 2041. Im Wahlprogramm der FDP steht das alte Ziel: Klimaneutralität bis 2050.

Die AfD leugnet einen menschengemachten Klimawandel, wie er in der Wissenschaft seit Langem unumstritten ist. Deshalb konzentriert sich die Analyse auf die anderen Parteien.

Bekenntnis zu dem Ziel der Klimakonferenz von Paris

Sowohl die aktuelle Koalition aus Union und SPD als auch Grüne, Linke und FDP bekennen sich in ihren Wahlprogrammen zum 1,5-Grad-Ziel. Dem Ziel also, die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es auf der Klimakonferenz in Paris 2015 beschlossen wurde.

Der im August erschienene Bericht des Weltklimarats erwartet, dass sich die Welt bereits 2030 um 1,5 Grad erwärmt haben wird. Aktuell liegt die globale Erhitzung demnach bereits bei 1,1 Grad. 

Ein Bericht des Weltklimarats zeigt den aktuellen Zustand des Klimas. Es sei eindeutig, dass der Mensch Einfluss auf die Erderwärmung hat, die durch Hitzewellen, Starkregen und Dürren sichtbar werden.

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Das 1,5-Grad-Ziel - mit den Wahlprogrammen kaum zu erreichen 

Damit sich die Welt um nicht mehr als 1,5 Grad aufheizt, verbleibt ein Budget an CO₂, das global noch ausgestoßen werden darf. Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Bericht neue Zahlen dazu veröffentlicht, die sich über den Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung auf Deutschland umrechnen lassen. So ergibt sich eine Menge an CO₂, die Deutschland maximal ausstoßen darf, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. 

Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, kommt zu dem Schluss, dass keines der Wahlprogramme ausreiche, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das liege daran, dass die Menge an CO₂, die Deutschland noch ausstoßen dürfte, selbst bei einem schnellen Rückgang der Emissionen bereits Ende der 2020er-Jahre aufgebraucht sein wird.  

Wahlprogramme, die nach 2030 die Klimaneutralität anstreben, zielen folglich darauf, dass Deutschland das uns zustehende CO₂-Budget für 1,5 Grad überschreitet.
Prof. Volker Quaschning, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Die Aussage von Quaschning deckt sich mit Berechnungen des "Konzeptwerks neue Ökonomie" und Zahlen des "Sachverständigenrats für Umweltfragen" (SRU), der die Bundesregierung berät und das deutsche CO₂-Budget berechnet. Die Zahlen und Berechnungen liegen ZDFheute vor. 

Demnach würde Deutschland bis zur Klimaneutralität nach den Plänen jeder Partei mehr CO₂ ausstoßen als die Wissenschaft als Obergrenze für eine Erwärmung von 1,5 Grad errechnet hat. Deutschland würde bereits im Jahr 2025 das CO₂-Budget für das 1,5-Grad-Ziel überschreiten.

 

Die in der Grafik angegebenen Obergrenzen für eine Erwärmung um maximal 1,5 Grad oder 1,75 Grad bedeuten, dass diese Ziele jeweils mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent erreicht werden. Die Erwärmung mit einer 67-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad zu begrenzen sei ein "wünschenswertes und wissenschaftlich gut begründbares Ziel", sagt Wolfgang Lucht, der für den SRU die deutschen CO₂-Budgets berechnet. 

Wissenschaft: Global sind 1,5 Grad noch zu erreichen

Berücksichtigt werden bei diesen Berechnungen nur die CO₂-Emissionen. Andere Treibhausgase, wie etwa Methan, klingen im Laufe der Jahre in ihrer Wirkung wieder ab, während CO₂ in der Atmosphäre verbleibt und wirksam bleibt, sagt Wolfgang Lucht. Um klimaneutral zu werden, müsste Deutschland auch diese Emissionen, die etwa 12 Prozent ausmachen, reduzieren oder kompensieren.  

Das letzte Jahrzehnt war das wärmste je gemessene. 2020 war eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Lässt sich die Entwicklung aufhalten?

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Die in der Grafik dargestellten Zahlen und Berechnungen setzen zudem voraus, dass die Klimaziele der Parteien auch tatsächlich eingehalten werden und die Emissionen entsprechend sinken.   

Wichtig sei jedoch, dass diese Lücke beim deutschen Anteil zu 1,5 Grad nicht bedeute, dass auch global das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wird, betont Lucht. 

International sind 1,5 Grad absolut noch zu erreichen, weil die meisten viel weniger emittieren als wir.
Prof. Wolfgang Lucht, Sachverständigenrat für Umweltfragen/Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Wollen die Parteien den deutschen Anteil für das 1,5-Grad-Ziel noch einhalten, wird die künftige Bundesregierung sich also noch strengere Klimaziele setzen müssen.  

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