ZDFheute

Warum Juan Carlos geflüchtet ist

Sie sind hier:

Spaniens Ex-König im Ausland - Warum Juan Carlos geflüchtet ist

Datum:

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere spanische König Juan Carlos hat sich wohl ins Ausland abgesetzt. Was sind die Gründe? Und wo ist er jetzt?

Altkönig Juan Carlos winkt bei der Ankunft. Archivbild
Spaniens Ex-König Juan Carlos hat Adiós gesagt. Aber wo ist er jetzt?
Quelle: Esteban Felix/AP/dpa

Wo ist Juan Carlos jetzt?

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere spanische König Juan Carlos soll sich laut einem Medienbericht in Abu Dhabi aufhalten. Wie die spanische Zeitung ABC am Freitag berichtete, verließ der 82-Jährige sein Heimatland am Montag in einem Privatflugzeug und landete sieben Stunden später in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Vom Flughafen aus sei er in einem Hubschrauber in ein Luxushotel gebracht worden, das er wegen der Hitze seitdem nicht verlassen habe.

Auf dem Flugplan des Privatjets wurde laut dem ABC-Bericht die Strecke Paris - Abu Dhabi angegeben. Tatsächlich sei die Maschine am Sonntag in Paris gestartet und habe dann den Ex-Monarchen am Montagmorgen im spanischen Vigo abgeholt.

Zuvor hatten mehrere große spanische Zeitungen berichtet, Juan Carlos halte sich in der Dominikanischen Republik auf - oder in Portugal. In anderen Medienberichten hieß es, er könne in Frankreich oder Italien sein, wo er Verwandte habe. Der Palast äußerte sich nicht zu den Spekulationen.

In den Emiraten werde die Sicherheit von Juan Carlos von "seinem Freund", dem Kronprinzen Scheich Mohammed bin Mohammed bin Sajed al-Nahjan garantiert, hieß es nun in dem ABC-Bericht. Ein Manager des Luxushotels "Emirates Palace" bestritt jedoch auf Anfrage von AFP, dass sich der Ex-Monarch dort befinde: "Wir haben keinen VIP-Gast," erklärte er.

Nach zahlreichen Skandalen hatte Juan Carlos seinen Sohn, König Felipe VI., in einem Brief über seine Absicht informiert, Spanien zu verlassen, wie das Königshaus am Montag mitteilte. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof des Landes im Juni ein Ermittlungsverfahren zur Verwicklung des 82-Jährigen in eine mutmaßliche Korruptionsaffäre eingeleitet.

Worum geht es bei dem Skandal?

Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte im Juni ein Ermittlungsverfahren zur Verwicklung des 82-Jährigen in eine mutmaßliche Korruptionsaffäre eingeleitet. 100 Millionen US-Dollar soll Juan Carlos im Jahr 2008 aus Saudi-Arabien erhalten haben, um Geschäfte für den Bau einer Zugstrecke im Golfstaat einzufädeln, so der Vorwurf.

Flucht oder Exil? Was steckt hinter dem unrühmlichen Abgang des ehemaligen Königs? Hat er beim Bau einer Bahnstrecke in Saudi Arabien Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten? Der Korruptionsskandal belastet die spanische Krone.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

In dem Brief an seinen Sohn hatte Juan Carlos nach Angaben des Königspalastes in Madrid erklärt, er gehe ins Exil, um Felipe die Ausübung seiner Aufgaben als König zu erleichtern und ihn nicht mit den "öffentlichen Konsequenzen bestimmter Geschehnisse der Vergangenheit" zu belasten. Sein Anwalt teilte mit, dass sich Juan Carlos auch im Exil nicht der Justiz entziehen wolle. Er stehe den Ermittlern zur Verfügung.

Wie bewerten Experten diese Ausreise?

Für den Historiker und Korruptionsforscher Jens Ivo Engels von der TU Darmstadt ist diese Flucht ins Ausland ein seltener Schritt. "In Europa blieben Staatschefs bei ähnlichen Ermittlungen meist im Land, Jacques Chirac oder Nicolas Sarkozy in Frankreich etwa", sagt Engels.

Er sehe in dem Schritt des früheren Königs einen Versuch, weiteren Schaden von der Monarchie abzuwenden. "Das Problem soll aus der Öffentlichkeit geschafft werden. Vor allem in Katalonien gibt es anti-monarchistische Tendenzen, die durch den Skandal anwachsen können", so Engels.

"Es ist nicht unüblich, dass solche Zahlungen bei Großaufträgen erfolgen", betont Engels. Seit den 1990er Jahren werde das aber in Europa deutlicher kritisiert und juristisch bekämpft.

Friedrich Schneider, emeritierter Professor für Wirtschaftspolitik der Universität Linz und seit Jahrzehnten Experte für Wirtschaftskriminalität weist ebenfalls darauf hin, dass die Zahl der Staaten immer geringer wird, die bereit sind, Personen mit dieser Art von krimineller Vergangenheit aufzunehmen.

Sind Monarchien besonders anfällig für Korruption?

Hier gebe es keine eindeutige Antwort, sagt Engels. "Unterstützer der Königshäuser argumentieren, dass Politiker auf Karriere aus und deswegen anfälliger für Geldzahlungen seien. Monarchen hätten das nicht nötig." Umgekehrt müssten Politiker viel umfangreicher Rechenschaft über ihr Verhalten ablegen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.