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Konflikt um Braunkohleabbau - Der letzte Einwohner von Lützerath

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Ein kleiner Weiler am Rande des Tagebaus Garzweiler im Rheinland ist zum neuen Symbol für den Konflikt um den Kohleausstieg geworden. Ein Bauer will den Baggern nicht weichen.

Nach dem Streit um den Hambacher Forst gibt es nun einen neuen Zankapfel: RWE steht mit Baggern vor dem Dorf Lützerath am Tagebau Garzweiler.

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Es ist nicht mehr ganz so einfach wie früher, die Ortschaft Lützerath zu erreichen. Vor einigen Jahren führte die A 61 noch recht nah am Ort vorbei. Doch die Autobahn ist jetzt weg, weil die Bagger dort schon die Braunkohle aus der Erde holen.

Jetzt muss man ein paar Kilometer früher abfahren, am längst verschwundenen Dorf Immerath vorbei, um am Ende einer Sackgasse Lützerath zu erreichen. Im Osten ist die Kante des Tagebaus Garzweiler nur noch wenige hundert Meter entfernt.

Braunkohletagebau: Lützerath
Dem Braunkohleabbau soll auch Lützerath, ein Ortsteil von Erkelenz, weichen.
Quelle: AP

Lützerath soll Ende 2022 verschwinden

Ende 2022 sollen die Bagger nach den Plänen der Landesregierung und des Energiekonzerns RWE die Reste des Dorfes "in Anspruch genommen haben", wie es heißt. Das ist eigentlich seit 2005 beschlossen, als noch 74 Menschen in Lützerath lebten. Ein Jahr später wurden die ersten Einwohner entschädigt und zogen weg. Viele Gebäude sind bereits abgerissen, einige stehen noch.

Unter anderem der Hof von Eckardt Heukamp. Der 57-Jährige ist der letzte alteingesessene Grundbesitzer in Lützerath. So leicht bekomme ihn hier niemand weg, sagt er im Gespräch mit ZDFheute.

Das Verwaltungsgericht Aachen hat die Enteignung durch RWE bereits für rechtmäßig erklärt. Heukamp hat dagegen vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster Beschwerde eingelegt und will damit ein "Zeichen setzen gegen die weitere Abbaggerung und Zerstörung der Dörfer und der Bäume". Das sei eigentlich nicht mehr nötig:

Wir brauchen die Kohle in der Form nicht mehr.
Eckardt Heukamp, Bauer in Lützerath

Braucht es Kohle für eine sichere Stromversorgung?

Genau darum dreht sich der Streit: Wird die Kohle unter den Dörfern wie Lützerath überhaupt noch für eine sichere Stromversorgung gebraucht? Die Landesregierung und RWE sagen ja. Eckardt Heukamp sagt nein.

Archiv: Ein Strommast am 13.06.2021
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von Mark Hugo

Genau wie all jene, die derzeit auf seinem Grundstück ein Protestcamp als kleine Festung aufbauen. Immer wieder wird Baumaterial herangeschafft, überall entstehen Holzhütten und Baumhäuser. "Es entstehen schon jetzt unglaublich viele Strukturen und wir werden weitermachen. Wir werden es RWE so schwer machen, wie es nur geht, uns hier wegzubekommen", sagt einer, der seinen Namen nicht nennen will.

Proteste wie im Hambacher Forst

Wenn RWE hier "zu gegebener Zeit" Bäume fällen und Häuser abreißen lassen will, dann wollen sie passiven Widerstand leisten.

Widerstand sieht bei uns so aus, dass wir die Baumhäuser besetzen oder uns anderswo anketten und uns dann räumen lassen werden.
Aktivist Florian

Das sagt Florian, als er uns über das Gelände führt. Das würde bedeuten, dass sich Bilder wie im Herbst bei der Räumung des Hambacher Forstes wiederholen könnten. Lützerath ist inzwischen zu einem neuen Symbol für den Konflikt um den Braunkohleabbau in Deutschland geworden.

Kritik an früherem Kohleausstieg

Die Kohlegegner würden verkennen, dass die Braunkohle energiewirtschaftlich nötig sei, sagt Klaus Emmerich, Betriebsratsvorsitzender im Tagebau Garzweiler mit 1.500 Beschäftigten. Erst müsse es genügend Strom aus Sonne und Wind geben, die Verteilnetze müssten ausgebaut sein und Strom besser gespeichert werden können.

Wenn all das gewährleistet sei, erst dann sei ein "um ein, zwei Jahre früherer Ausstieg" möglich, sagt Emmerich: "Da sehe ich das große Problem nicht."

Der Ausbau erneuerbarer Energien stockt. Dabei gibt es - in Deutschland und den Nachbarländern - längst bezahlbare und kreative Lösungen für die Herausforderungen der Energiewende.

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RWE will Entscheidung des OVG Münster abwarten

Die Menschen in Lützerath dagegen setzen jetzt auf eine neue Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen und hoffen auf einen Kohleausstieg so schnell wie möglich.

Doch erst wenn Politik oder Gerichte das Vorrücken der Bagger stoppen, könnten der Hof von Eckardt Heukamp und das Protestcamp erhalten bleiben.

RWE hat zumindest zugesichert, die Entscheidung des OVG Münster abzuwarten, bevor Lützerath geräumt wird. Rein rechtlich könnte der Konzern das bereits am 1. November tun. "Dann wird es zu einer Situation kommen, die für alle Seiten unangenehm werden könnte", sagt Eckardt Heukamp.

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