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Deutschlands jüngster Bürgermeister - "Haben alle Verantwortung, uns einzumischen"

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2014 wurde Michael Bergrab mit 22 Jahren zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Der Reiz für ihn: Dass er die Nachwirkungen seines Handelns noch aktiv miterleben kann.

Illustration: Ein Hinweis auf die Kommunalwahl steht vor dem Rathaus von Vaterstetten auf einem Wahlplakat.
Heute ist Kommunalwahl in Bayern. Mehr als 4.000 Wahlen finden heute statt.
Quelle: dpa

heute.de: Im März 2014 wurden Sie bei der bayerischen Kommunalwahl mit 22 Jahren zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Was hat Sie dazu bewogen, in so jungen Jahren für dieses verantwortungsvolle Amt zu kandidieren?

Michael Bergrab: Das Thema Gemeinwesen war für mich nach Familie und Freunden immer ein ganz wichtiges. Letztendlich war genau das mein Ansporn: Ich wollte mich für eine intakte Gemeinschaft in meiner Heimatgemeinde einsetzen und als junger Mensch sowohl ein Zeichen setzen als auch etwas verändern.

Denn Kommunalpolitik ist nicht nur etwas für ältere Männer. Dieses Denken ist, obwohl leider immer noch in vielen Köpfen vorherrschend, nicht mehr zeitgemäß.

Wir jungen Leute haben auch Ideen und wollen uns mit unseren Erfahrungen einbringen und die politischen Debatten mit beeinflussen.

Außerdem haben wir alle die Verantwortung, uns einzumischen und nicht nur am Rand stehend zu applaudieren oder Kritik zu üben. Unsere Demokratie lebt vom Mitmachen.

heute.de: Vor sechs Jahren haben Sie sich klar mit rund 70 Prozent der Stimmen als Kandidat einer überparteilichen Wählerliste gegen ihre Konkurrentin von der CSU durchgesetzt. War das Alter dabei ein Vorteil oder auch ein Hindernis?

Bergrab: Den ein oder anderen hat mein Alter zunächst sicherlich schon abgeschreckt. Nicht zuletzt deshalb, weil im Wahlkampf in konservativen Kreisen damit Stimmung gegen mich gemacht wurde. Ich sei zu jung und unverheiratet und zudem auch noch stets mit dem Fahrrad unterwegs, hieß es.

Es ist traurig, dass man nach wie vor teilweise einer negativen Haltung gegenüber jungen Leuten begegnet und die Vorurteile in den Köpfen spürt. Ich erinnere mich beispielsweise noch gut an einen meiner ersten Termine als Bürgermeister, zu dem mich mein damaliger Geschäftsstellenleiter begleitete, der kurz vor der Pension stand. Dort wurde automatisch er als Bürgermeister begrüßt und ich als sein Azubi oder Praktikant.

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heute.de: Sie sind "Teilzeit-Bürgermeister" und arbeiten zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bamberg. Wie lässt sich beides verbinden?

Bergrab: Beides bekomme ich sehr gut unter einen Hut. Ich würde sogar sagen, beides ergänzt sich perfekt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie muss ich den Studierenden komplizierte Sachverhalte in leichte Sprache übersetzen und diese dafür natürlich selbst verstehen und begreifen. Das ist sicherlich ein Vorteil für mein politisches Wirken.

Außerdem sind die Arbeitszeiten sehr variabel. Von daher bleibt genug Zeit für beide Tätigkeiten und für meine Familie, obwohl man als Bürgermeister natürlich irgendwie immer im Amt ist. Manchmal fahre ich tatsächlich direkt von der Uni zu einer Trauung und schaffe es gerade so, mir an einer roten Ampel noch mein Sakko überzustreifen.

heute.de: Was am Bürgermeistersein haben Sie sich im Vorfeld anders vorgestellt?

Bergrab: Ich hätte nicht gedacht, dass es mitunter so schwierig sein würde, parteipolitisches Taktieren und familiäre Streitigkeiten zum Wohle der Bürger im Gemeinderat außen vor zu lassen. Im Umkehrschluss hätte ich es mir leichter vorgestellt, im Gemeinderat eine Einheit zu formen, in der natürlich jeder seine eigene Position vertreten soll, aber dies in aller Sachlichkeit.

heute.de: Die Kommunalwahl in Bayern steht vor der Tür. Was hat Sie bewogen, erneut zu kandidieren?

Bergrab: Auch wenn sechs Jahre zunächst lang klingen, ist das politisch gesehen doch eine recht kurze Zeitspanne. Ich stehe sozusagen erst vor der Halbzeitbilanz und würde gerne Projekte, die ich mit angestoßen habe, noch als verantwortlicher Bürgermeister zu Ende zu bringen. Das betrifft die Ausweisung von neuen Baugebieten oder den Aufbau eines Medizinischen Versorgungszentrums.

Für mich liegt ein großer Reiz darin, bereits in jungen Jahren politisch aktiv zu sein.

Im Gegensatz zu Politikern, die vielleicht erst im Alter von 50 Jahren gewählt werden, kann ich in 30 oder 40 Jahren die Nachwirkungen meines Handelns noch aktiv miterleben und sehen, was ich bewirken konnte und was nicht.

Das Interview führte Michael Kniess.

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