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Schwule und Lesben "umpolen"? - Bundestag will Konversionstherapien verbieten

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Schwule und Lesben "umpolen"? In sogenannten Konversionstherapien sollen aus Homosexuellen Heterosexuelle gemacht werden. Der Bundestag debattiert ein Verbot solcher Behandlungen.

Bastian Melcher fühlte sich nicht wohl als Schwuler. Er machte eine sogenannte Konversionstherapie. Doch die Therapie stürzte ihn in eine Krise, er wurde depressiv.

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Irgendwann will sich Bastian Melcher nur noch umbringen. Sein Selbstwertgefühl ist im Keller, er leidet an Depressionen: "Ich hab' gedacht, dass ich nicht richtig bin", sagt er. "Das hat bei mir zur Folge gehabt, dass ich mich selbst nicht annehmen konnte." Der Suizid erscheint ihm als Ausweg. Und das alles nur, weil er schwul ist.

Ich hab' gedacht, dass ich nicht richtig bin.
Bastian Melcher

Bastian Melcher will heterosexuell werden. Eine sogenannte Konversionstherapie soll ihn "umpolen". "Ich war davon überzeugt, dass Gott die Macht hat, homosexuelle Gefühle zu verändern", sagt er. In seiner Therapie trifft er sich wöchentlich mit anderen homosexuellen Männern und Frauen. Bastian erzählt von seinen Erfahrungen. In der Gruppe feiern sie auch Gottesdienste. Beten, um hetero zu werden?

Therapie-Verbot nur für Minderjährige

Etwa 2.000 solcher Konversionsbehandlungen finden in Deutschland laut Schätzungen jährlich statt. Doch künftig sollen sie verboten werden, zumindest für Minderjährige. Ein entsprechendes Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat der Bundestag am Freitag in erster Lesung beraten. "Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit sind keine Krankheiten", sagt Sabine Weiss (CDU), Staatssekretärin im Gesundheitsministerium. Deswegen seien neben dem Verbot der Konversionstherapie auch Bußgelder und ein Beratungsanspruch verbunden.

Wir senden mit diesem Gesetz ein wichtiges Signal gegen Vorurteile und Diskriminierungen in die Gesellschaft
Sabine Weiss, CDU

Der Entwurf sieht vor, dass medizinische Interventionen verboten werden, die die sexuelle Orientierung oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität einer Person gezielt verändern oder unterdrücken wollen. "Wir senden mit diesem Gesetz ein wichtiges Signal gegen Vorurteile und Diskriminierungen in die Gesellschaft", so Weiss.

Dafür gibt es vom Koalitionspartner SPD grundsätzlich Unterstütztung. Doch die Sozialdemokraten kritisieren auch, dass das Verbot nur für Minderjährige gelten soll. "Mir leuchtet nicht ein, warum wir die Grenze beim achtzehnten Lebensjahr nehmen", sagt Karl-Heinz Brunner (SPD). "Der verfassungsrechtliche Hinweis, Erwachsene können tun und lassen, was sie wollen, zieht bei mir nicht." "Mir geht der Gesetzentwurf nicht weit genug", kritisiert auch Hilde Mattheis (SPD). Und die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm fordert ein Verbot auch bei unter 26-Jährigen.

Private Therapien erlaubt

Die Grünen-Abgeordnete Ulle Schauws kritisiert die Ausnahmen, die das Verbot der Bundesregierung zulässt. "Ein Verbot muss konsequent sein." Es könne nicht sein, dass sich Konversionstherapien im privaten Umfeld stattfänden - ohne, dass der Staat solche Therapien etwa innerhalb der Familie kontrollieren und verbieten könne. Außerdem gibt es eine weitere Ausnahme, nämlich bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren. Kann der Behandelnde nachweisen, dass etwa ein 17-Jähriger die Bedeutung der Behandlung überschaut, darf er oder sie ihn weiter behandeln.

Einen möglicherweise unfreiwilligen Hinhörer während der Debatte gibt es während der Rede des AfD-Vertreters. "Homosexualität ist eine Krankheit", sagt Robby Schlund (AfD) zunächst. Nach einem Zwischenruf wiederholt er den Satz: "Homosexualität ist keine Krankheit, hab' ich gesagt." Er kritisiert, dass das Gesetz Homosexualität und Transsexualität in einen Topf werfe. Transsexuelle würden sehr wohl behandelt werden wollen, sie wünschten zum Beispiel eine Operation. Er kündigt an, dass sich die AfD bei der Abstimmung über das Verbot enthalten werde.

Schlund schließt seinen Beitrag mit einer generellen Kritik: "Statt Überregulierung und eines öffentlichen Zur-Schau-Stellens muss mit der Sexualität eines jeden Menschen viel ehrlicher, sensibler und vor allem intimer umgegangen werden. Denn Sexualität ist etwas zutiefst Privates und dort gehört sie auch hin," sagt er. Er kündigt an, dass sich die AfD bei der Abstimmung über das Gesetz enthalten werde. Zunächst aber liegt der Gesetzentwurf jetzt aber erst einmal im Gesundheitsausschuss zur weiteren Beratung.

Erst verhaspelt sich Robby Schlund (AfD) bei dem Satz "Homosexualität ist keine Krankheit". Dann sagt er: "7,4 Prozent der Deutschen sind nicht heterosexuell, wobei die Dunkelziffer unbekannt ist."

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