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Transparency-Korruptionsindex - Westliche Staaten werden schlechter

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Der Kampf gegen Korruption stagniert - weltweit und in Deutschland. In vielen westlichen und reichen Ländern zeigt der Trend sogar nach unten.

Screenshot Grafik: Transparency International
Grafisch dargestellt: das weltweite Rankig der wahrgenommenen Korruption - je roter, desto schlechter das Ranking.
Quelle: Screenshot von Transparency International

Rückschritte in den Vorzeigestaaten

Zur Veröffentlichung ihres neuen globalen Korruptionsindex CPI hat sich die Organisation Transparency International besorgt über aktuelle Entwicklungen gezeigt. Mehr als zwei Drittel der 180 untersuchten Staaten stagnierten oder wiesen gar Rückschritte in ihren Bemühungen gegen Korruption vor, teilte Transparency International in Berlin mit. Deutschland kam wie im vergangenen Jahr auf 80 von 100 möglichen Punkten und lag damit auf Platz neun.

An der Spitze des Rankings stehen, wie in den Jahren zuvor, vor allem Länder, die man dort erwartet: skandinavische Länder, westeuropäische Länder, demokratisch und rechtsstaatlich organisiserte Länder. Aber die meisten von ihnen weisen in den vergangenen drei Jahren einen negativen Trend auf: Unter den Top 25 haben 15 Staaten hat sich der Indexwert seit 2016 verschlechtert. Deutschland ist gehört zu den wenigen Ausnahmen.

Die Top 25 und die Veränderungen seit 2016
Rang Land / Gebiet CPI-Wert 2019 +/- zu 2016
1 Neuseeland 87 -3
1 Dänemark 87 -3
3 Finnland 86 -3
4 Schweiz 85 -1
4 Singapur 85 +1
4 Schweden 85 -3
7 Norwegen 84 -1
8 Niederlande 82 -1
9 Luxemburg 80 -1
9 Deutschland 80 -1
11 Island 78 0
12 Kanada 77 -5
12 Großbritannien 77 -4
12 Australien 77 -2
12 Österreich 77 +2
16 Hong Kong 76 -1
17 Belgien 75 -2
18 Irland 74 +1
18 Estland 74 +4
20 Japan 73 +1
21 VAE 71 +5
21 Uruguay 71 0
23 USA 69 -5
23 Frankreich 69 0
25 Bhutan 68 +3

Auch der Blick auf die G7-Staaten offenbart Licht und Schatten. Diesem informellen Zusammenschluss der zu ihrem Gründungszeitpunkt bedeutendsten Industrienationen der Welt gehören außer Japan nur westliche Staaten an. Von den sieben haben sich gleich vier im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert: Kanada, Frankreich, Großbritannien und die USA. Transparency weist zudem darauf hin, dass der US-Wert mit 69 Punkten der schlechteste in den vergangenen acht Jahren ist. Auch Großbritannien ist in der jüngsten Vergangenheit deutlich abgerutscht: von 82 Punkten 2017 auf 77 im Jahr 2019.

Die Ergebnisse Deutschlands und Japans blieben gleich, während einzig Italien - als abgeschlagenes Schlusslicht der G7 - leicht zulegte und nun auf Platz 51 kommt.

Die Entwicklung der G7
G7-Staaten CPI-Wert 2019 +/- zu 2018
Kanada 77 -4
Großbritannien 77 -3
Frankreich 69 -3
USA 69 -2
Deutschland 80 0
Japan 73 0
Italien 53 +1

Angeführt wird die Liste 2019 von den Spitzenreitern des Vorjahres, Dänemark und Neuseeland. Globale Schlusslichter sind der Jemen, Syrien, der Südsudan und Somalia. Seit 2012 haben sich 22 Länder in dem Korruptionsranking deutlich verbessert, unter ihnen Estland und Griechenland. Deutlich verschlechtert hätten sich 21 Länder, zum Beispiel Australien und Nicaragua.

Die Staaten mit den größten Veränderungen seit 2012
Land CPI-Wert 2019 CPI-Wert 2012 +/- zu 2012
Weißrussland 45 31 +14
Myanmar 29 15 +14
Griechenland 48 36 +12
Guyana 40 28 +12
Italien 53 42 +11
Estland 74 64 +10
Argentinien 45 35 +10
------------------- ---- ---- ----
Türkei 39 49 -10
Ungarn 44 55 -11
Liberia 28 41 -13
Syrien 13 26 -13
Sankt Lucia 55 71 -16

Das komplette Ranking aller 180 Staaten finden Sie hier.

Transparency-Chefin Patricia Moreira sagt zu den Zahlen:

Der Mangel an wirklichen Fortschritten gegen Korruption in den meisten Ländern ist enttäuschend und hat tiefgreifende negative Folgen für die Bürger auf der ganzen Welt.

Die Organisation sprach konkrete Empfehlungen aus: Um Korruption zu mindern, sollten Regierungen beispielsweise besonderen Wert auf die Gewaltenteilung legen, Lobbyaktivitäten regulieren und Aktivisten sowie Journalisten beschützen. Grundsätzlich stellte die Organisation fest, dass gut abschneidende Länder starke Regularien rund um Wahlkampfgelder hätten und durchsetzten.

Die Methode der Studie, was sie misst und die Kritik daran

Die Anti-Korruptions-Organisation betont selbst, dass das Ranking die wahrgenommene Korruption anzeigt und vergleicht, nicht die tatsächliche. Die ist kaum messbar, weil sie illegal ist und in vielen Staaten nur selten aufgedeckt wird. Transparency wertet für sein Ranking mehrere Datenquellen auf (im Detail hier nachzulesen), die die Organisation für vertrauenswürdig hält und die sie standardisiert, um sie zwischen den Ländern und über Jahre hinweg vergleichbar zu machen.

Tatsächlich ist die Methodik, die von dem deutschen Wissenschaftler Johann Graf Lambsdorff entwickelt wurde, umstritten. Mehrere Wissenschaftler zweifeln an, dass die wahrgenommene Korruption Rückschlüsse auf die tatsächliche Lage zulässt. Allerdings gibt es auch eine vielbeachtete Studie von 2016, die darlegt, dass der Index stichhaltige Ergebnisse für hoch entwickelte und rechtsstaatlich gut organisierte Staaten liefert.

Das Ranking erfasst nur den öffentlichen Sektor. Dort unter anderem Bestechung und Bestechlichkeit in Verwaltung und Politik, die Entwendung öffentlicher Mittel, die Effektivität der Strafverfolgung von korrupten Amtsträgern, die Vereinnahmung des Staates durch Interessengruppen, den Zugang zu Informationen über öffentliche Angelegenheiten und den Umfang von Bürokratie. Nicht erfasst wird Korruption im privaten Bereich oder Steuerbetrug, illegale Finanzströme, Geldwäsche oder Schattenwirtschaft.

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