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"Grießbrei von den Russen"

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75 Jahre Kriegsende in Berlin - "Grießbrei von den Russen"

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Ende April 1945: Die Rote Armee hat Berlin eingekesselt. Hitlers letztes Aufgebot zählt noch etwa 50.000 Mann. Die Berliner kauern in Kellern und Bunkern. Zeitzeugen erinnern sich.

Russische Offiziere verteilen eine warme Mahlzeit an die Berliner Bevölkerung im April 1945.
Kriegsende in Berlin: Russische Offiziere teilen den Bewohnern warmes Essen aus.
Quelle: dpa

Es ist, als hätten sich diese Stunden für immer eingebrannt. In den letzten Tagen des Dritten Reichs gab es in der "Reichshauptstadt" fast nichts mehr: keinen Strom, kein Gas, keine Bahn. Wasser floss nur noch aus Brunnen. Wasser holen war nur unter Lebensgefahr möglich. Radio und Zeitungen wurden eingestellt. Stattdessen gab es Flugblätter und Durchhalteparolen.

Berlin ging in einem Inferno von Geschützdonner, Granaten und den gefürchteten Standgerichten unter. Die genaue Zahl der Opfer kennt niemand. Sie geht in die Hunderttausende. Die letzten Stunden waren für die Überlebenden die Hölle. Aber auch die Chance der Befreiung vom Terror.

Nur eine Hoffnung: Überleben

Drei Augenzeugen hatten nur eine Hoffnung: Ihr junges Leben retten. Sie waren Kinder und werden diese Tage im Bombenkeller nie vergessen. Der zwölfjährige Lutz Rackow überstand im Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen hautnah den Einmarsch der Roten Armee.

12 Jahre war Lutz Rackow, als der Krieg zu Ende war. Eine ungewisse Zeit. Was würden die Alliierten mit ihm machen? Es gab Angst vor Rache.

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3 min
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Direkt am Elternhaus vorbei ratterten endlose Panzerkolonnen in Richtung Stadtmitte. Die Sowjetsoldaten hatten nur ein Ziel: den Reichstag. Der Schüler "organisierte" mit seinem Bruder in einer Gefechtspause zwei große Speckhälften beim Fleischer gegenüber. "Das hat uns das Überleben für das folgende Dreivierteljahr gesichert."

Der elfjährige Jörg Sonnabend überlebte den "Endkampf" in einem Luftschutzbunker in Spandau. Der Junge sah, wie ein sowjetischer Offizier in den Bunker stürmte und mit seiner Pistole in die Decke feuerte.

Mir sind die Kugeln um die Ohren geflogen, ist aber alles gut gegangen.
Jörg Sonnabend

Jörg Sonnabend erzählt davon, wie er das Kriesgende in Berlin erlebte. Nach dem Einmarsch der Roten Armee musste der Elfjährige Essensnachschub an die Frontlinie transportieren.

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3 min
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Später schleppte der Schüler Essenskübel an die Front. Zum Dank gab es warme Suppe und ein schreckliches Fronterlebnis. Überall lagen tote deutsche Soldaten. Ohne Schuhe. "Die haben den Soldaten die Stiefel geklaut", erinnert sich Jörg Sonnabend.

Die siebenjährige Regina Schwenke erlebte den Einmarsch der Roten Armee im Luftschutzkeller ihres zerstörten Mietshauses in Neukölln. Als Offiziere den Keller absuchten, entdeckten sie Reginas Mutter, die schützend ihre fünf Kinder umarmte. Sie nahmen die Mutter mit.

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. An den Einmarsch der Roten Armee in Berlin erinnert sich Regina J. Schwenke noch heute.

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3 min
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Nach qualvollen Stunden der Ungewissheit kam sie allein wieder. Mit einem Zehn-Liter-Eimer voll Milch und einer Tüte Grieß. Die mittlerweile 82-jährige Berlinerin erzählt:

So bekamen wir am Tag der Kapitulation Grießbrei von den Russen.
Regina Schwenke

Eine Sache ist ihr noch wichtig. "Für uns war das eine Befreiung. Hitler ist tot. Berlin ist befreit, Deutschland ist befreit. Meine Mutter hat mit uns das "Vaterunser" und "Gegrüßet seist du, Maria" gebetet". Das werde sie niemals vergessen.

Sehen Sie hier die ZDFzeit-Doku: Privatfilme geben seltene Einblicke in das Leben während des Zweiten Weltkrieges

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes 1945 bietet die Dokumentation mit privatem und teils unveröffentlichtem Filmmaterial neue Einblicke in das Leben während des Zweiten Weltkrieges.

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43 min
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