Sie sind hier:

Video von Misshandlung kursiert : Sorge um Kriegsgefangenen-Rechte in Ukraine

Datum:

Wurde russischen Kriegsgefangenen in der Ukraine in die Beine geschossen? Ein Handy-Video soll das zeigen, Hintergründe sind aber weiter unklar. Kiew hat Aufklärung angekündigt.

Ukrainische Kriegsgefangene am 26.02.2022
Ukrainische Soldaten, die sich Ende Februar in Luhansk Russland ergeben haben sollen. (Unkenntlichmachung ZDFheute)
Quelle: epa

Die Leiterin des UN-Menschenrechtsbüros in der Ukraine, Matilda Bogner, hat sich besorgt gezeigt über online kursierende Videos, die Misshandlungen von Kriegsgefangenen beider Seiten im Ukraine-Krieg zeigen sollen.

Eine Reihe von Videos würde derzeit untersucht, sagte Bogner am Dienstag. Anlass ihrer Stellungnahme ist vor allem ein bislang nicht vollständig verifiziertes Video, das zeigen soll, wie mutmaßlich russischen Kriegsgefangenen in die Beine geschossen wird. Das Video gebe Anlass zu "ernster Besorgnis", so Bogner.

Wir rufen Behörden auf beiden Seiten auf, vollständige Untersuchungen der durch die Videos aufgekommenen Vorwürfe vorzunehmen.
Matilda Bogner, UN-Menschenrechtsbüro

Es sei wichtig, dass jede Form der Misshandlung sofort aufhöre.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Szenen, wie Menschen erschossen werden. Es werden unter anderem Folter und Gewalt thematisiert. Diese Inhalte können verstörend sein.

Beitragslänge:
13 min
Datum:

Was weiß man über das aktuelle Misshandlungs-Video?

Seit dem 27. März befindet sich ein Video in Umlauf, in dem zu sehen ist, wie Bewaffnete, ihre blauen Armbinden legen eine Zugehörigkeit zur Ukraine nahe, mutmaßlich russische Gefangene misshandeln.

Mehreren Personen wird darin aus kurzer Entfernung mit einem Sturmgewehr in die Beine geschossen. Die Gefangenen werden auf Russisch befragt, dabei wird auch Bezug zu Orten und Vorkommnissen in der Ukraine genommen. ZDFheute konnte die Echtheit des Videos bislang nicht vollständig verifizieren. Der genaue Zeitpunkt der Aufnahme und die Identität der Beteiligten sind nicht zweifelsfrei geklärt.

Eine Untersuchung der britischen "BBC" konnte den Ort identifizieren, an dem das Video aufgenommen worden sein soll: eine Milchfabrik nahe der Stadt Charkiw im Osten der Ukraine. Von der "BBC" befragte Experten sahen bislang keine Hinweise auf eine Manipulation oder Inszenierung des Geschehens.

Wie hat Russland auf das Video reagiert?

Für die russischen Medien und Politik ist das Video seit mehreren Tagen ein zentrales Thema. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass die Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden müssten. Bekannte Unterstützer der russischen Regierung verbreiteten das Video über die sozialen Medien.

Für die russische Regierung ist dieses konkrete Video eine willkommene Gelegenheit, um von den massiven dokumentierten Kriegsverbrechen der eigenen Streitkräfte in der Ukraine abzulenken. Außenministeriums-Sprecherin Maria Zakharowa etwa warf der EU vor, Kriegsverbrechen zu ignorieren.

Angriffe auf Zivilisten, verbotene Munition – Amnesty International dokumentiert viele russische Kriegsverbrechen in der Ukraine. Weltweit gibt es viele Probleme. "Es wird mehr Fluchtbewegungen geben", sagt Generalsekretär Beeko.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Welche Reaktionen gibt es von der ukrainischen Regierung?

Bereits am Montag wies der ukrainische Präsidenten-Berater Olexij Arestowytsch in einer Ansprache auf Instagram darauf hin, dass die Rechte von Kriegsgefangenen zu achten seien.

Ich möchte unsere militärischen und zivilen Verteidigungskräfte darauf hinweisen, dass die Misshandlung von Gefangenen ein Kriegsverbrechen ist, für das nach dem Kriegsrecht keine Amnestie und keine Verjährungsfrist besteht.
Olexij Arestowytsch, Berater des ukrainischen Präsidenten

In einem zweiten Video sagte Arestowytsch, man behandele solche Fälle mit äußerster Härte. "Es wird eine Untersuchung geben", versicherte Arestowytsch. "Ein Gefangener ist ein Mensch, der sich in einer Situation der Schutzlosigkeit befindet. Im besten Fall muss man ihn besser verteidigen als seinen eigenen Kameraden."

Eine offizielle Bestätigung von ukrainischer Seite, dass tatsächlich russische Kriegsgefangene misshandelt wurden, steht noch aus. Man brauche Beweise, sagte die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Venediktowa am Montag in einem Interview mit dem Sender "Sky News":

Wenn Soldaten der ukrainischen Seite schuldig sind, werden wir gegen sie ermitteln und sie vor Gericht bringen.
Iryna Venediktowa, Generalstaatsanwältin der Ukraine

Zuvor hatte der ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj die Videos als Fälschung bezeichnet, um die ukrainischen Streitkräfte zu diffamieren. Belege nannte Saluschnyj dafür nicht.

Wie steht es um Kriegsgefangene in der Ukraine?

Beide Konfliktparteien haben nach eigenen Angaben bereits Hunderte Kriegsgefangene gemacht. Über ihr Schicksal wird verhandelt: "Im Austausch für zehn gefangene Besatzer haben wir zehn unserer Soldaten zurückbekommen", teilte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk etwa am Donnerstag mit. Mehrere von Russland entführte zivile Beamte seien so frei gekommen. Auch die Ukraine wirft Russland hier Folter und Misshandlungen vor.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Dieses Satellitenbild zeigt den Luftwaffenstützpunkt Saki nach einer Explosion.
Liveblog

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Maksim Iowenko und seine Frau Ksenja
FAQ

Drohnen-Video zeigte Tötung - Sie wurden Opfer eines Kriegsverbrechens 

Eine Drohne filmte Schüsse auf Zivilisten. "Frontal" konnte Opfer identifizieren, mit Angehörigen und Zeugen reden. Auch Dokumente belegen Kriegsverbrechen durch russische Truppen.

von Arndt Ginzel und Christian Rohde
Putin auf Landkarte mit Russland, Ukraine, Georgien und Syrien
Story

Nachrichten | Politik - Putins Kriege, Putins Ziele 

Tschetschenien, Georgien, Syrien, Ukraine: Russland hat unter Putin schon in mehreren Ländern gekämpft. Zwischen den Kriegen gibt es Parallelen – hier die Hintergründe verstehen.

Ukraine, Donezk: Ein ukrainischer Soldat steht an der Trennlinie zu pro-russischen Rebellen in der Region Donezk. In der Ukraine-Krise haben die USA und Russland bei Gesprächen in Genf zunächst auf ihren bekannten Standpunkten beharrt.
Thema

Nachrichten | Thema - Alles zum Russland-Ukraine-Konflikt 

Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Es gibt zahlreiche Sanktionen des Westens gegen Russland und in der Nato abgestimmte Waffenlieferungen an die Ukraine. Alle Nachrichten und Hintergründe.

AKW Saporischschja

Nachrichten | heute journal update - Kämpfe um AKW Saporischschja dauern an 

Die Ukraine hat Russland neuen Beschuss des AKWs Saporischschja und die Blockade einer Mission internationaler Atomexperten vorgeworfen. Seit März ist das AKW in russischer Hand.

12.08.2022
von Anne Brühl
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.