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KI im Kampf gegen Kindesmissbrauch

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Unterstützung für Ermittler - KI im Kampf gegen Kindesmissbrauch

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Ermittler fanden bei Kindesmissbrauchsfällen in Lügde und Bergisch Gladbach Unmengen von Daten. Eine neue Software könnte nun helfen: Sie scannt 21 Mal schneller Fotos und Videos.

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf mehr als 30.000 Spuren von Verdächtigen gestoßen. Es handle sich um internationale pädokriminelle Netzwerke.

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Allein im Kindesmissbrauchskomplex Bergisch Gladbach beschlagnahmte die Polizei rund 30 Terabyte an Daten, in Lügde waren es 15 Terabyte. 2019 stieg die Verbreitung solcher Fotos und Videos in Niedersachsen um 74 Prozent, der Kindesmissbrauch um 20 Prozent. Zahlen, die alarmieren - hinter ihnen steht unbeschreibliches Leid.

Mit einer neuen Software, entwickelt beim LKA in Niedersachsen, will man der Datenflut Herr werden. Laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zeigen diese schrecklichen Vorfälle, wie wichtig richtiges Werkzeug im Kampf gegen Kinderpornografie und Missbrauch ist.

Wir müssen die Täter mit allen Möglichkeiten, die der technische Fortschritt uns bietet, verfolgen.
Boris Pistorius, Innenminister Niedersachsen

KI-Software analysiert 21 Bilder pro Sekunde

Bislang mussten sich die Ermittler jede Datei einzeln anschauen. So schafft ein Beamter im Jahr 4,75 Terabyte zu sichten, das sind etwa 4,7 Millionen Fotos. Dass 2018 allein das LKA Niedersachsen 1.314 Terabyte beschlagnahmte, macht deutlich, wie arbeits- und zeitaufwendig der Kampf gegen Kindermissbrauch ist.

Erfahrungsgemäß seien drei Viertel der Daten aber nicht tatrelevant. Die neue Software kontrolliert nun automatisch, ob es sich bei den Fotos und Videos möglicherweise um Kindesmissbrauch handelt - und das wesentlich schneller als jeder Ermittler. "Die bisherigen Ergebnisse der Software sind beeindruckend", sagt Niedersachsen LKA-Chef Frido de Vries.

Schafft ein Beamter im Schnitt eine Datei pro Sekunde, kommt die Software in derselben Zeit auf 21. Am Ende betrachten die Polizisten jetzt nur noch die Fotos und Videos, die von der KI basierenden Software als Treffer ausgewiesen wurden.

"Das hilft dabei, Täterinnen und Täter noch schneller zu ermitteln und noch andauernden Missbrauch zu beenden", betont Pistorius.

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Pseudonyme der Täter aufzudecken", so Peter Biesenbach (CDU), Justizminister in NRW, zum Missbrauchsskandal von Bergisch Gladbach.

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Bundesweites Interesse an KI-Software

Die seit Januar in Niedersachsen eingesetzte Software wird jetzt im Rahmen des Programms "Polizei 2020" Polizeibehörden aus Bund und Ländern zur Verfügung gestellt. Neben dem Bundeskriminalamt arbeiten nun unter anderem Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Berlin mit dem Programm. Das hiesige LKA geht davon aus, dass bald alle Bundesländer die KI einsetzen.

"Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs und das dadurch verursachte Leid machen fassungslos. Wir müssen alles daransetzen, Kinder schnellstmöglich aus diesen Situationen zu befreien und die Täter mit der vollen Härte des Gesetzes zu bestrafen. Wir hoffen, durch den bundesweiten Rollout einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von Kinderpornografie zu leisten", verkündete de Vries, mit Stolz.

Digitale Herausforderungen fordern digitale Antworten

Stichprobenartig werden noch die von der Software analysierten Daten vom Menschen kontrolliert, ob korrekt zwischen pornografischen und nicht pornografischen Inhalten unterschieden wurde. Und natürlich wird die KI-Software kontinuierlich weiter entwickelt, verbessert.

Innenminister Pistorius hob hervor: "Wir müssen auf die digitalen Herausforderungen auch digitale Antworten geben. Mit immer mehr Personal allein können wir diesen abscheulichen Taten in der digitalen Welt nicht mehr begegnen. Auf spezialisiertes Personal und technische Lösungen zu setzen, ist der absolut richtige Weg."

Weniger Material sichten, das spart Zeit und Personalkosten. Das Auswerten der Bilder und Videos, auf denen Kinder sexuell missbraucht und gequält werden, diese Arbeit werden weiterhin Frauen und Männer machen müssen. Eine wichtige, aber auch eine furchtbare Arbeit, die ihnen niemand abnehmen kann.

Kindesmissbrauch ist eines der schlimmsten Verbrechen, vor allem wenn die Täter zum engsten Umfeld gehören.

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