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Europäische Umweltagentur - Zu viel Lärm plagt jeden fünften Europäer

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Mindestens jeder fünfte Europäer ist in seiner Umgebung gesundheitsschädlichem Lärm ausgesetzt. Größter Lärmverursacher bleibt der Straßenverkehr.

Archiv: Eine Frau hält sich am 11.01.2013 in Hamburg vor einem nahenden Lastwagen die Ohren zu.
Eine Frau hält sich in Hamburg vor einem nahenden Lastwagen die Ohren zu (Archivbild). Lärm kann die Gesundheit gefährden, zeigt eine Studie der Europäischen Umweltagentur.
Quelle: dpa

Millionen Europäer leben in einer Umgebung mit gesundheitsschädlich hohen Lärmwerten. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Umweltagentur (EEA) in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Hauptquelle für die Lärmbelästigung ist demnach weiterhin der Straßenverkehr.

Schätzungsweise 113 Millionen Menschen in Europa müssten dauerhaft mit einer durch den Straßenverkehr verursachten Lärmbelastung jenseits von 55 Dezibel klarkommen, teilte die in Kopenhagen ansässige EU-Behörde mit. 22 Millionen seien von einem ungesund hohen Lärmpegel durch Züge, vier Millionen durch Flugzeuge und eine Million durch Industrielärm betroffen. 55 Dezibel entspricht etwa der Lautstärke eines Gesprächs.

Ziel der Lärmverringerung wird nicht erreicht

Für Millionen Europäer ist diese Geräuschkulisse in ihrer Umgebung mit Gesundheitsproblemen verbunden, die bis zum Tod führen können: Schätzungsweise 22 Millionen Menschen auf dem Kontinent fühlen sich nach EEA-Angaben von einer dauerhaft hohen Lärmbelastung in ihrer unmittelbaren Umgebung stark gestört, 6,5 Millionen leiden wegen des Lärms unter schweren Schlafstörungen. Nach Angaben der EU-Behörde könnte der anhaltende Lärm für 12.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich sein und zu kognitiven Störungen bei 12.500 Kindern in Europa beigetragen haben.

Trotz größerer Versuche der Lärmverminderung seit der letzten EEA-Erhebung dieser Art im Jahr 2014 sei die Zahl der lärmgeplagten Europäer nicht gesunken, sagte EEA-Lärmexpertin Eulalia Peris, die leitende Autorin des Berichts. Das EU-Ziel einer signifikanten Lärmverringerung bis 2020 werde deshalb verfehlt.

Archiv: Ein Passagierflugzeug ist am 17.07.2013 über Wohnhäusern zu sehen.
Lärm kann krank machen. Ein Passagierflugzeug fliegt dicht über Wohnhäusern (Symbolbild).
Quelle: dpa

Große Unterschiede innerhalb Europas

Und leiser wird es demnach auch künftig nicht in Europa: Es werde damit gerechnet, dass die Zahl der Europäer, die übermäßigem Lärm ausgesetzt sind, in den kommenden Jahren weiter steigen werde, erklärte die EEA. Das liege zum einen am Wachstum der Städte, zum anderen aber auch an der wachsenden Nachfrage nach Mobilität.

Bei der Anzahl der lärmbelästigten Menschen gebe es innerhalb Europas große Unterschiede zwischen den Ländern, sagte Peris. In Deutschland seien prozentual betrachtet weniger Menschen einem hohen, vom Straßenverkehr ausgelösten Lärm ausgesetzt als zum Beispiel in Südeuropa.

Ungesunder Lärm in jedem Land

Während innerhalb städtischer Gebiete in Deutschland im Vergleichsjahr 2017 schätzungsweise jeder vierte bis fünfte Einwohner laut EEA-Bericht einem Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt war, war das bei fast zwei von drei Stadtmenschen in Italien und auf Zypern beinahe jedem städtischen Einwohner der Fall. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen in jedem Land ungesunden Lärmfrequenzen ausgesetzt seien, sagte Peris.

Das Problem der Lärmbelastung müsse mit mehreren Maßnahmen zugleich angegangen werden, forderte Peris. Nach EEA-Angaben versuchen Städte bereits seit längerem, auf älteren Straßen den Asphalt auszutauschen, den Verkehrsfluss besser zu steuern und die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Auch explizit ausgewiesene ruhige Zonen seien auf dem Vormarsch, darunter vor allem Parks und Grünflächen, auf denen man den Stadtlärm hinter sich lassen könne.

Der EEA-Bericht beruht auf Informationen aus den EU-Staaten inklusive Großbritannien sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz. Als Umgebungslärm betrachtet die Behörde ungewollte und schädliche Außengeräusche, die vom Menschen im Straßenverkehr sowie mit Zügen, Flugzeugen und in der Industrie verursacht werden.

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