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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Warum Haseloffs AfD-Brandmauer geholfen hat

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Reiner Haseloff hat mit seinem Amtsbonus und seiner klaren Kante gegen die AfD gepunktet. Die AfD bleibt dennoch eine Hausnummer in Sachsen-Anhalt.

Reiner Haseloff
Hat sich durchgesetzt: der amtierende Ministerpräsident von Sachsen Anhalt, Reiner Haseloff.
Quelle: dpa

Zwischenzeitlich lag die AfD in einer Umfrage sogar mal vor der CDU - jetzt hat sich der amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff doch klar durchgesetzt. Diese Punkte dürften der CDU geholfen haben:

  1. Haseloffs Brandmauer zur AfD: Der amtierende Ministerpräsident hatte sich mehrfach gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD um deren Spitzenkandidaten Oliver Kirchner ausgesprochen. Die Wähler*innen hatten Haseloffs klare Kante goutiert: 68%, fanden es richtig, eine Zusammenarbeit auszuschließen. Glaubhaft machte seine Aussagen auch der Rauswurf seines früheren Innenministers Holger Stahlknecht. Dem war vorgeworfen worden, mit der AfD zu flirten.
  2. CDU wählen, um der AfD zu schaden: Die CDU hatte zuletzt in Umfragen vorne gelegen, auf Platz zwei die AfD. Wähler*innen, die die AfD als stärkste Kraft verhindern wollten, könnten deshalb gewogen gewesen sein, die CDU zu wählen.
  3. Haseloffs Amtsbonus: Als Landesvater ist Reiner Haseloff parteiübergreifend anerkannt. Sogar 66% der AfD-Anhänger*innen finden, dass er einen guten Job gemacht hat.
Grafik: Hochrechnung von 22:30 Uhr
Grafik: Hochrechnung von 22:30 Uhr
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

AfD will sich erneut als "bürgerlich" darstellen

Die AfD kann sich trotz Verlusten als gewichtige Stimme behaupten, sie bleibt stark und ist besonders aus Ostdeutschland derzeit nicht wegzudenken. Am Wahlabend versuchte AfD-Chef Tino Chrupalla erneut, der Partei einen "bürgerlichen" Anstrich zu geben. Im ZDF sagte er: "Der Wähler hat stark konservativ-bürgerlich gewählt" - und bezog das auf das Ergebnis von AfD und CDU. Er forderte gar die ultimative Annäherung und eine "Regierung aus AfD und CDU".

Für den Bundestagswahlkampf hat sich die AfD das Motto "Deutschland. Aber normal" verpasst und hofft, mit diesem Narrativ auch Stimmen von der Union abzugreifen. Derzeit streitet sie mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz über die Verdachtsfall-Einstufung. Teile der Partei werden bereits beobachtet.

CDU-Chef Laschet hofft auf Rückenwind

AfD-Spitzenkandidat Kirchner wollte mit Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen punkten. Im Wahlkampf trat seine Partei dann auch als einzige bei größeren Veranstaltungen auf Marktplätzen auf. Sein Verband wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft - ihm scheint das egal zu sein, er verglich die Behörde indirekt mit der Stasi. Sein Rechtsaußen-Fraktionskollege Hans-Thomas Tillschneider rief bei einer Veranstaltung zur Antifa: "Ihr seid die Affen, die zu unserer Musik tanzen."

AfD-Chef Jörg Meuthen kritisierte am Wahlabend die lauten Töne. Seiner Ansicht nach wäre "mit einem stärker in die Mitte zielenden, weniger allein auf Protest setzenden Wahlkampf auch ein noch deutlich stärkeres Ergebnis möglich gewesen". Das verdeutlicht abermals die Flügel-Kämpfe, die die AfD seit jeher ausficht.

Inwiefern das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt nun aber richtungsweisend für die Bundestagswahl ist, bleibt abzuwarten. Die Union hofft auf einen Push für Armin Laschet - doch Angela Merkels Fußstapfen sind groß und die Zeit bis September noch lang.

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