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Flut-Betroffene bei "Lanz" : Bürokratie vor Ahrtal-Hilfen war "Tortur"

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Betroffene erinnern sich an die Flutkatastrophe vor einem Jahr. Sie berichten von einer bürokratischen "Tortur" beim Wiederaufbau und fordern zudem Klartext in Sachen Prävention.

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe spricht Markus Lanz mit Verantwortlichen und Betroffenen über die Katastrophe von damals, Versäumnisse und Lehren für die Zukunft

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Genau ein Jahr ist es her, dass aus Bächen und Flüssen reißende Fluten wurden, die ganze Landstriche verwüsteten. Besonders betroffen: Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Noch immer wird am Wiederaufbau gearbeitet. Die Erinnerungen an die Jahrhundertflut sind geblieben.

[Bei Starkregen] stehe ich am Fenster. Mittlerweile habe ich eine Tasche gepackt, die ich mir immer nehmen könnte, wenn das Wasser zurückkäme.
Maria Dunkel, Flutopfer

Maria Dunkel aus Erftstadt in Nordrhein-Westfalen sprach am Donnerstagabend bei Markus Lanz über ihre persönlichen Erlebnisse während der Flut. Seitdem habe sie Schlafprobleme und verbringe nachts "drei, dreieinhalb Stunden, die man [...] grübelt."

Um den Wiederaufbau nach der Ahrtal-Flut zu beschleunigen, bräuchte es die versprochenen Verfahrensvereinfachungen - sagt der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler Guido Orthen. Neben der Bürokratie bremsten vor allem Handwerker- und Materialmangel.

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Regen, Stromausfall - dann kamen die Wassermassen

Die Erinnerungen an die Flut sind Maria Dunkel noch immer sehr präsent: Sie und ihr Mann seien "überhaupt nicht gewarnt worden". Nach dem "großen Regen" am Mittwoch sei noch am Abend das Wasser gekommen. Gegen 1 Uhr in der Nacht habe es einen Knall im Elektrohäuschen nebenan gegeben, so Dunkel: "Es gab keinen Strom mehr". Telefonieren - nicht mehr möglich.

Am Freitagmorgen habe ihr Mann aus dem Fenster in die Nachbarschaft gesehen und gesagt:

Maria, die Häuser sind weg. Jetzt aber raus! Wir sind die Nächsten!

Als das Ehepaar flüchtete, sei "die Bundeswehr einmarschiert". Ein Soldat habe gesagt: "Das kann nicht sein. Hier ist kein Mensch mehr. Hier ist alles evakuiert worden."

Am Jahrestag der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und in Teilen von NRW hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die bisher geleistete Hilfe gewürdigt und erklärt, der Klimawandel habe uns erreicht. Flutopfer schilderten ihre Erfahrungen.

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Familie Dunkel: Sind für Hilfsgelder dankbar

Dunkel habe den Soldaten auf die Häuser aufmerksam gemacht, in denen sich noch Menschen aufhielten. Sie sagte: "Wir sind mit dem Unimog zum Stützpunkt gefahren worden und danach ins Krankenhaus, weil mein Mann verletzt war."

Der Sohn der Betroffenen, Thomas Dunkel, habe für seine Eltern inzwischen einen Antrag auf Wiederaufbauhilfe gestellt. Er sagte: "Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir die Gelder bekommen haben. Zwei Tranchen sind schon ausgezahlt worden." Vom Gebäudeschaden würden "maximal 80 Prozent" übernommen, was zwar zufriedenstellend sei.

Zu viel Bürokratie für Betroffene?

Dennoch kritisierte Thomas Dunkel das Antragsverfahren als solches: "Meine Eltern wären nicht in der Lage gewesen, das zu bearbeiten, das zu schaffen. [...] Man kann es nur online machen." Dunkel habe sich "in dieser Ausfüllhilfe teilweise Sätze dreimal durchlesen müssen", um zu verstehen, was gefordert sei.

Er stellte klar: "Es war eine Tortur, das hinzubekommen. Bevor man diesen Antrag überhaupt stellen [...] konnte, musste man [...] ein Sachverständigen-Gutachten haben, weil bei uns der Schaden größer 50.000 Euro ist."

Landrätin Cornelia Weigand - aus dem Kreis Ahrweiler - sagt zur Situation im Ahrtal: An vielen Stellen gehe es "nicht so schnell, wie wir das alle wünschen". Man befinde sich erst am Anfang und hofft den Aufbau "etwas beschleunigen zu können".

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Neue Richtlinien bei Wiederaufbau zu beachten

David Fuhrmann, stellvertretender Bürgermeister im rheinland-pfälzischen Dernau, wies auf eine weitere Schwierigkeit des Wiederaufbaus hin, von dem sein Ort betroffen sei: Die sogenannte Hochwassergrenze HQ100 - der Hochwasserbereich, der sich inzwischen "massiv erweitert" habe. Zwei Drittel von Dernau gehörten nach der Flutkatastrophe dazu.

Im Nachhinein seien dort über 50 Häuser abgerissen worden. Gebäude bekämen nun "bestimmte Auflagen", so Fuhrmann. Beispielsweise sei "kein Wohnbereich mehr im Erdgeschoss" vorgesehen.

Der Weinbau spiele an der Ahr eine "besondere Rolle", erklärte der stellvertretende Bürgermeister von Dernau weiter. Doch: "[Rebflächen], die in dem Hochwasserbereich liegen, dürfen nicht mehr bewirtschaftet werden." Das sei "verkraftbar", aber dennoch für jeden einzelnen Winzer und jedes Weingut "tragisch".

Wird genug für Prävention getan?

Die Leute sind schon grundsätzlich bereit, Opfer zu bringen, weil man verhindern will, dass sowas nochmal kommt.
David Fuhrmann, stellvertretender Bürgermeister Dernau

Dennoch wolle man sehen, "dass entsprechend etwas kommt" - etwa ein Hochwasserschutzkonzept, für das "Rezessionsräume geschaffen werden müssen, wo das Wasser kompensiert werden kann".

Davon werde zwar gesprochen, doch "infrastrukturmäßig" passiere im Ahrbett "gar nichts". Fuhrmann forderte: "Wenn wir zurückstecken müssen, muss da aber jetzt etwas passieren."

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